Beowulfs

Saga

 

 

 

Datum: 26.12.1995 / 30.12.1995

 

Personae dramaturgis:

Sûlvahir albionischer Magier Sandro

Amonedthorr prtlmpfischer Schamane Thomas Stein

Syvann ranabarischer Ordenskrieger Avi

Trixom Kojol Syre up Alasdell albionischer Glücksritter Tom

Zogar Zwergenkrieger Christoph

Tuilja albionisch Gauklerin Malte

Gruatar McHastel albionischer Seefahrer Thomas Hölzer

Hülsüm albionischer Seefahrer Markus Stein


Sûlvahir’s Entdeckungen

om Kaminzimmer der Burg up Alasdell hatte man einen phantastischen Blick über das Tal. Es nieselte. Die Bäume bildeten einen rotgelben Flickenteppich, der das Tal von Süden bis zu seinem nördlichen Ende, das man durch den Regenschleier gerade noch erkennen konnte, vollkommen bedeckte. Die Burg stand oberhalb einer Klippe, die hoch aus dem Wald hinausragte. Gegenüber konnte man gerade noch eine alte Burgruine erkennen.

Es war jetzt gerade erst zwei Wochen her, daß Trixom’s Vater gestorben war und er diese Burg geerbt hatte. Aber es schien ihm schon eine Ewigkeit vergangen zu sein. Zwischenzeitlich waren sie auf die Suche Ceorl Irenhed, einem alten Freund seines Vaters, gegangen und waren erst vor ein paar Tagen wieder zurückgekehrt. Dort war er auch auf Gwendolinea, die Jägerin, getroffen. Bei dem Gedanken an sie wurde Trixoms Bauch wohlig warm und er versank ins Träumen.

Er kam wieder zu sich, als sich die schwere Eichentür zu dem kleinen Kaminzimmer öffnete und Sûlvahir den Raum betrat. Mit ausgebreiteten Armen ging Trixom auf ihn zu und umarmte ihn.

"Sûlvahir! Welche Freude Dich wieder zu sehen! Was führt Dich so schnell wieder zu uns?"

"Ich hatte ja eigentlich vor gehabt, längere Zeit in der Gilde Des Blauen Vogels zu arbeiten, aber ich habe Entdeckungen gemacht, die ich Euch ohne Aufschub berichten muß. Ich habe schon von Deinem Diener erfahren, daß die anderen auch hier sind. wir müssen uns heute abend versammeln, damit ich berichten kann, was ich gefunden habe!"

So geschah es dann auch. Noch am selben Abend versammelten sich Sûlvahir, Trixom, Zogar, Tuilja und Amonedthorr zusammen. Außerdem waren zwei derbe aussehende Männer anwesend.

"Grutar und Hülsüm wirst Du ja wohl noch kennen, wir waren ihnen damals auf dem Schiff auf der Reise zu dem Land der Huachahatschis begegnet. Damals, als Huracana noch lebte ..." Trixom biß sich auf die Zunge und schaute verlegen zu Amonedthorr, der das mitbekommen hatte und über dessen Gesicht ein Schatten fiel.

Sie begrüßten sich freundschaftlich. "Wir hatten gehört, das Trixom eine Burg geerbt hatte. Da mußten wir doch mal vorbeikommen!"

Sûlvahir ergriff das Wort. "Wie einige von euch wissen, waren wir ja in den Karmodin gezogen, um das Orakel im Zirkel der Elemente zu befragen, ob wir die Schwarzen Schiffe, die wir in der Vision des Camatzoz gesehen haben, aufhalten können. Da aber Tuilja und auch Hülsüm und Grutar damals nicht dabei waren will ich noch einmal die Worte wiederholen, die damals die Stimmen, die von allen Stelen her kamen, sprachen:

Ihr seid der Stein,

der den Lauf
des Rades der Geschichte
ändern kann.

Der Funke der Götter
wird Euch den Weg
zum Ursprung der Finsternis
weisen.

Durch
die weiße Feder
wird Euch
Hilfe aus der Vergangenheit
zuteil.

Tuilja unterbrach Sûlvahir. "Das heißt also, daß wir dieses Ding, dieses Amulett, von dieser Schlampe Huracana genauer betrachten müssen. Abgesehen davon will ich aber gar nicht zum Ursprung der Finsternis! Und was ist die weiße Flagge. Trixom, jetzt wo ihr Burgherr seid, kennt ihr vielleicht einen Herrscher, der die weiße Feder im WapArthoriepen hat?"

Trixom schüttelte den Kopf. "In den Chroniken meines Vaters habe ich nichts finden können."

Amonedthorr kam auf das Amulett zu sprechen: "Es gibt nur ein Problem, wenn wir annehmen, daß dieses Amulett der Funke der Götter sein soll: Es führt uns nicht. Es leuchtet abends zwar schwach, aber sonst sagt es nichts. Seit Tagen flehe ich die Geister an, mir ein Zeichen zu geben, aber sie bleiben stumm."

Tuilja streckt die Hand aus. "Gib mir das mal her!"

Amonedthorr schlug ihr auf die Hand. "Nichts da, das bleibt hier." Die anderen, die Tuiljas Hang zur Kleptomanie kannten, schmunzelten.

Sûlvahir versuchte das Wort zu ergreifen: "Zu dem Amulett habe ich etwas herausgefunden. Eine sehr alte Legende ..." , aber er wurde von den anderen ignoriert, die verfolgten, wie Tuilja immer noch versuchte, Amonedthorr das Amulett abzuschwatzen. Erst Trixoms Ermahnung sorgte für Ruhe.

"Ich habe in Corrinis in der Bibliothek ein wenig herumgestöbert und folgendes über den Götterfunken gefunden", konnte Sûlvahir nun berichten. "Die Götterfunken sind drei Edelsteine. Wir besitzen also nur einen."

Amonedthorr zeigte das Amulett vor. Ein klarer, großer, geschliffener Stein war festgehalten von einem dreistrahligen Stern aus schwarzem Stein. Dieser war auf einen in Gold gefertigten, Flammen ähnlichen Halo gesetzt. An den Spitzen der Flammen hingen kleine klare Perlen.

"Diese Götterfunken verhalfen Wargar, einem Herrscher, vor langer Zeit zu großer Macht. In der Bibliothek habe ich mich dann wiederum nach diesem Wargar umgeschaut und bin auch fündig geworden. Wargar trug auch den Namen Edbald Chan und war Herrscher von Waeland, das damals Waligoi hieß. In seinem Wappen trug er den Wolf. Atomor war sein Heerführer. Ich habe dazu Gedichte gefunden, die von der damaligen Zeit erzählen:

 

Das blaue Heer des Edbald Chan
führt Atomor aus Chanes Clan.
Gen Tandor zog er
mit Held und Bogner
an seiner Seite stritt YuTan

 

Des Chanes Heer, Schwarz und Weiß

zogen über dickes Eis

immer nach Osten

auf Baldurs Kosten

und focht sich durch das Geschmeiß

 

Ich habe dann da noch ein weiteres Buch eines gewissen Njord gefunden, und der hat eine Chronik von Wargar verfaßt. In dieser Chronik ist auch die Ballade der Zweimal Geschlagenen Schlacht niedergeschrieben, in der es auch um die Götterfunken geht. Und zwar kam es zu einer Schlacht mit einem unmenschlichen Barbarenvolk aus dem Norden. Für Wargar schien die Schlacht verloren. Wargar flehte zu den Göttern und schlug, außer sich vor Zorn, sein Schlachtbeil dreimal auf einen großen Stein. Aus diesem sprangen drei Funken in seinen Schild. Doch die Schlacht war verloren und Wargar mußte sich zurückziehen. Sie hatten nur einen einzigen Helm von den Gegner erbeutet. In einem Traum erschienen ihm danach die Götter Vidar, Asvargr und Wyrd und hießen ihn mit den Geschenken, die sie ihm gaben, drei Edelsteinen und einen Helm, noch einmal gegen die Barbaren zu ziehen. Wargar setzte die Steine in den Helm und forderte die Barbaren erneut heraus. Er war unbesiegbar im Kampf, hatte immer Glück in der Schlacht und er hatte Macht über seine Feinde. Und er siegte über den dämonischen Häuptling. Doch leider ist unbekannt, wo sein Grab liegt, so daß der Helm verloren ist. Nach dem Tod Wargars brach sein Reich zusammen.

Aber es kommt noch besser: dieser Njord behauptet, einen der Götterfunken zu besitzen und hat eine Zeichnung angefertigt. Die Art, in der der Stein geschliffen ist, sieht unserem Stein sehr ähnlich, auch die Größe scheint zu stimmen; nur, Njords Stein ist von bläulicher Farbe."

"Vermutlich ist der dritte Stein dann schwarz", überlegte sich Trixom. "In dem Gedicht war doch eine einem blauen, einem weißen und einem schwarzen Heer die Rede gewesen."

"Ist doch ganz egal", entgegnete Tuilja, "wir haben einen, den können wir verkaufen und mit dem Geld können wir Truppen ausrüsten."

"Ich glaube nicht, daß das so gemeint ist", widersprach Sûlvahir. "Am nächsten Morgen wollte ich in dem Buch weiterlesen, doch vom Fenster aus konnte ich eine seltsame Szene beobachten. Ein Novize des Vraidoskultes erhielt von dem Bibliothekar ein Buch. Als ich dann in die Bibliothek ging klaffte nur noch ein Lücke, wo am vorigen Tag Njords Buch gestanden hatte. Der Bibliothekar erklärte mir, daß die Bibliothek von Gönnern mitfinanziert wird und einer habe dieses Buch entliehen, was normalerweise natürlich nicht erlaubt ist.

"Auf meiner vergeblichen Suche nach diesem Novizen kam mir dann ein alter Bekannter entgegen: Thalion!"

Das versetzte alle in helle Aufregung. Alle riefen durcheinander "Was? Hast Du ihn mit einer Feuerkugel zur Strecke gebracht", "Erzähl!", "Hat er Dich erkannt?"

Trixom mußte sie wieder beruhigen, damit Sûlvahir weiterreden konnte. "Nein, nichts weiter, ich habe lediglich gesehen, wie Thalion die Stadt verließ. Alle weiteren Bemühungen, das Buch oder etwas ähnliches zu finden, waren vergeblich. Aber am nächsten Morgen erhielt ich ein Pergament, auf dem geschrieben stand: ‘Nehmt Euch in Acht! Der Funke der Götter droht von der Finsternis verschlungen zu werden!’ Signiert war das Pergament mit einer Feder."

"Aha! Jetzt kommt ja alles auf einmal zusammen. Was hat das jetzt zu bedeuten", fragte Tuilja. "Also, Vorschläge?"

"Richtung Waeland würde ich sagen", erwog Sûlvahir.

"Waeland ist gut", stimmte Tuilja zu. "Vielleicht kommen wir dort vor Thalion an."

"Wer hat denn gesagt, daß wir den Götterfunken zum Ursprung der Finsternis bringen sollen? Vielleicht ist das eine Falle", gab Hülsüm zu bedenken.

"Ach sei still mit diesen Schauermärchen", fuhr Tuilja ihn an. "Du bist fast so schlimm wie Amonedthorr mit seinen Geistern. Aber nach Waeland muß man mit dem Schiff. Da bist Du unser Mann, Hülsüm!"

"Aber wir können doch jetzt nicht einfach nach Waeland fahren. Wo sollen wir denn dahin", warf Amonedthorr ein.

"Doch, können wir. In Waeland gibt es doch bestimmt eine Bibliothek, in einer größeren Stadt. Wenn wir mehr über Wargar erfahren möchten, wo besser als in Waeland selbst! In Corrinis werden wir jetzt wohl nichts mehr finden. Warum hast du das Buch eigentlich nicht gleich mitgenommen, Sûlvahir?"

"Normalerweise darf man das nicht."

"Normalerweise! Sûlvahir, du mußt deinen Verstand spielen lassen! Du hast so eine weite Kutte, da geht viel rein!"

"Woher sollte ich den ahnen, daß genau an dem nächsten Morgen jemand dieses Buch wegnimmt, das seit Ewigkeiten dort angestaubt rumgestanden hat?"

"Das spielt keine Rolle. Wenn du ein Buch findest, das du brauchen kannst, dann nimm es mit! Jetzt fehlen uns die genauen Angaben. Wir sollten der Spur von Thalion folgen!"

"Was in aller Welt wollen wir denn mit den anderen Götterfunken? Wir suchen die Quelle der Finsternis", meinte Amonedthorr ein wenig genervt.

"Ooch, die Edelsteine sind ja auch ganz nett. Gib deinen doch her, wenn du ihn nicht willst", antwortete Tuilja.

"Außerdem brauchen wir vielleicht alle, um die Quelle der Finsternis zu finden", sagte Sûlvahir.

"Genau", stimmte Tuilja zu. "Aber wie hängt das jetzt alles zusammen? Liegen die anderen Götterfunken denn noch im Grab? Und wie ist dieser dort herausgekommen?"

"Vielleicht hat die jemand gestohlen", vermutete Trixom.

"Aber dann wären alle drei weg!"

"Nein, vielleicht gibt es einen Wächter im Grab und es ist den Dieben nur gelungen diesen einen mitzunehmen", überlegte Trixom weiter.

"Naja, ich weiß nicht", zweifelte Tuilja. "Aber vor allem, wie kommt dieses dunkelhaarige Weib von Huracana an einen Götterfunken aus Waeland? Sie war bestimmt eine Diebin."

"Das ist allerdings eine gute Frage", stimmte Sûlvahir zu. "Ich denke, es wäre nicht das schlechteste das Grab Wargars zu finden.."

"Aber wie in aller Welt sollen wir das finden, wenn schon tausend Leute vor uns das Grab gesucht haben", fragte Amonedthorr.

"Vielleicht haben die keinen Götterfunken gehabt", meinte Trixom.

"Ihr vergeßt den entscheidenden Satz der Ballade", rief Tuilja. "‘Nur ein gerissener Held kann das Grab finden.’ "

"Gerissen, das mag auf dich zutreffen, aber Held...", zweifelte Amonedthorr.

"Dafür habe ich Euch! Wir alle zusammen sind doch die ideale Gruppe: Trixom, du hast einen Bihänder, damit bist du der stärkste Held. Amonedthorr, du bist der strahlendste Held." Tuilja fiel wieder auf, wie klasse Amonedthorr aussah. " Sûlvahir, du bist derjenige, der Weisheit ausstrahlt. Und Hülsüm und Grutar..."

"...sind die Bezwinger der sieben Weltmeere", fuhr Trixom lachend fort.

"Macht euch nicht lustig über uns", drohte Hülsüm.

"Und ich bin diejenige, die die Feinarbeit erledigt", sagte Tuilja über sich selbst.

"Wirklich eine ideale Gruppe um einen Götterfunken zu finden", murmelte Amonedthorr mit einem zynischen Unterton.

"Einen haben wir ja schon. Damit ist der Anfang gemacht", endete Tuilja.

"Aber wir müssen uns beeilen", warnte Hülsüm. "Denn es ist so, daß die Jahreszeit keine guten Voraussetzungen für eine Reise über das Meer bietet. Wenn wir nicht bald fahren, werden wir den ganzen Winter abwarten müssen!"

"Dann laßt uns morgen gleich aufbrechen", schlug Tuilja vor.

Dolche in Haelgarde

o geschah es dann auch. Noch am selben Abend wurde alles Notwendige zusammengepackt, soweit es am Hof vorhanden war. Warme Kleidung, die bestimmt im hohen Norden notwendig werden würde, war nicht in ausreichendem Maße vorhanden und mußte während der Fahrt gekauft werden. Trixom paßte es im Grunde natürlich überhaupt nicht, nur zwei Wochen, nachdem er die Burg geerbt hatte, gleich wieder für unbestimmte Zeit zu verreisen. Am Hofe lag so vieles im Argen, er hatte noch nicht einmal einen ersten Überblick gewinnen können, was alles zu tun war. So blieb ihm zunächst nichts anderes übrig, als die Führung des Hofes dem Schatzmeister zu übertragen, der es während der letzten Jahre schon gewohnt war, solche Aufgaben zu übernehmen.

Bereits im Morgengrauen des nächsten Morgens ging es los. Um nach Waeland zu kommen mußten sie erst einmal die Reise nach Haelgarde bewältigen. Noch niemand von ihnen kannte den Norden Albions, aber sie kamen erstaunlich gut voran. An einigen Tagen schafften sie es jedoch nicht bis zum nächsten Dorf und mußten deshalb die Nacht im Freien verbringen. Auch in diesen Teilen des Landes war es gefährlich, sich nach Einbruch der Dunkelheit außerhalb der schützenden Stadtmauern aufzuhalten. Und eines Nachts, als sie nicht genug Feuerholz für ein großes Lagerfeuer zusammengebracht hatten, geschah es tatsächlich, daß Schatten von grausamen Wesen bis dicht zu ihnen herangekrochen kamen und Zogars Hammer hell leuchtete. In seiner Not holte Amonedthorr sein Amulett hervor. Da geschah etwas unerwartetes. Der Stein des Amulettes leuchtete wie immer nachts in einem schwachen Glanz der Sonne. Aber selbst dieses kaum wahrzunehmende Licht schien für die Schatten unerträglich zu sein. Zischend und fauchend zogen sie sich zurück, wie Alpträume, die von der aufgehenden Sonne vertrieben werden. Ab dieser Nacht trug Amonedthorr das Amuletts bei Übernachtungen im Freien immer offen und so sie doch wußten, daß sie von etwas Finsterem beobachtet wurden, wagte es sich nicht zu sie heran.

Auf der Reise kamen sie durch viele Städte. Amonedthorr mußte immer aufpassen, daß er nicht als Südländer erkannt wurde, denn auch hier gab man die Schuld an dem Erstarken der finsteren Wesen den Beschwörungen der Huachahatschis. Aber sie konnten einfache Winterkleidung kaufen und ihre Vorräte auffüllen.

Nach ungefähr zwei Wochen kamen sie in Haelgarde an. Haelgarde war eine riesige, verwinkelte Hafenstadt, die sich an die Ausläufer des Offa-Gebirges schmiegte. In der Stadt fielen sie auf wie bunte Hunde. Viele Menschen drehten sich nach ihnen um und schauten ihnen hinterher. Schon in den letzten Tagen war ihnen aufgefallen, daß die Reisenden zunehmend unfreundlicher zu ihnen wurden. Am Hafen fanden sie dann die Erklärung. In einem Aushang setzte der Vraidoskult eine Belohnung auf Informationen zu einer Gruppe von Personen zu, der unter anderem ein Zwerg, ein Südländer und ein Mitglied der Magiergilde angehören sollten mit der Begründung, daß sie dem Orden ein wertvolles Artefakt gestohlen hätten. Daß sie nicht schon längst von Wachen festgenommen worden waren konnten sie sich nur so erklären, daß der Vraidoskult auch hier noch nicht offiziell akzeptiert war – obwohl er viele einflußreiche Mitglieder hatte. Sie beschlossen sich aufzuteilen, um zum einen eine Möglichkeit zur Überfahrt nach Waeland ausfindig zu machen, zum anderen um mehr über die Urheber dieses Aushanges in Erfahrung zu bringen. Sie verabredeten sich für den Abend wieder in der Hafenschenke.

Als letzter kam an diesem Abend Trixom in die Schenke. Er berichtete, daß ihm einige Wegelagerer ihn in einer Gasse aufgelauert hätten, er sie aber schnell in die Flucht hatte treiben können. Die meisten hatten nicht viel Neues erfahren, denn die meisten Bewohner wußten nicht, wo der Vraidoskult seinen Sitz hatte. Hülsüm und Grutar hatten jedoch ein waeländisches Schiff gefunden, das Wogenwolf hieß und dessen Besitzer Eike Gundarson den beiden ein Begriff war. Sie hatten ihn bis jetzt aber noch nicht finden können. Ganz abgesehen davon wurden von Waelandern für gewöhnlich keine Passagiere aufgenommen, schon alleine, weil ihre Knorren dafür keinen ausreichenden Platz boten. Während sie noch debattierten bat sie ein Händler sich zu ihnen an den Tisch setzen zu dürfen.

"Entschuldigt, aber ich habe euer Gespräch mitbekommen. Ich heiße Arthori Eskarian und bin Händler. Habe ich richtig verstanden, ihr wollt nach Waeland? Ich hätte euch ein Angebot zu machen: Ein waeländischer Händler hat mir das Angebot gemacht, Handelsbeziehungen aufzunehmen. Ich möchte ihm eine Botschaft zukommen lassen, daß ich interessiert bin. Wenn ihr diesen Brief überbringt, könnte ich ein Wort bei Eike einlegen, den ich gut kenne.".

Das Angebot hörte sich gut an. Dieser Arthori schien ehrlich zu sein und sie hatten ja nichts zu fürchten. Außerdem war es gut, wenn sie so schnell wie möglich aus Haelgarde verschwanden. "Mit den Vraidosanhängern ist nicht zu spaßen!" warnte sie Eskarian noch. Gegen Arbeit an Bord des Schiffes brauchten sie auch nichts zu zahlen. Und so stimmten alle zu.

Arthori führte sie zum gehängten Seemann, dem Stammlokal Gundarsons hier in Haelgarde. Eike saß dort mit zwei weiteren Waeländern, die ihnen als der gutaussehende Sneifir und der weise, alte Gorm vorgestellt wurden. Eskarian unterhielt sich auf waeländisch einige Zeit mit Eike, der überhaupt nicht von seinen Vorschlägen begeistert schien und die Freunde skeptisch beäugte. Aber schließlich schien er nicht ablehnen zu können und wandte sich in gebrochenem albisch an sie.

"Ihr wollt also unbedingt mit nach Waeland. Aber daß das von vornherein klar ist: Ein Spazierfahrt wird das für niemanden. An Bord müssen alle Mann mit anpacken!"

Daß sie nicht so einfach unterzukriegen waren, bewies Tuilja, in dem sie an dem Abend in einem Wetttrinken zunächst Hülsüm, dann Sneifir und schließlich sogar Eike selbst unter den Tisch trank.

 

 

Ein Mörder an Bord

m nächsten Morgen stachen sie in See. Eike gab das Kommando zum Auslaufen, war aber den restlichen Tag über eher still und überließ dem Bootsmann Sneifir die meisten Aufgaben, sobald das Schiff richtig in Fahrt war. Die Freunde fanden Arbeit an den Rudern oder beim Reinigen des Decks. Sie fuhren den Tag über die Küste entlang Richtung Norden.

Sobald eine Brise aufkam, die Segel gehißt werden konnten und es so weniger Arbeit zu verrichten gab, konnten dann alle ihren eigenen Interessen nachgehen. Tuilja begann einen Flirt mit Sneifir (der sich auch nur zu gerne darauf einließ), indem sie ihn bat, ihr Waelska beizubringen. Trixom freundete sich mit Ulfur, einem Jungen mit Wolfsaugen an und zeigte ihm wie man einen Bihänder hält.

Am Abend gingen sie vor Anker und spannten ein Segel über das Schiff als Regenschutz, den es gab in einer Knorr keine Kajüten. Während der Nacht fing es dann auch an, kräftig zu regnen. Neben der Schiffswache hatten die Gefährten selbst eine Wache aufgestellt. Sie trauten den Waeländern nicht über den Weg.

Es geschah mitten in der Nacht. Syvann hatte Wache. Das monotone Prasseln des Regens auf das Segeltuch lullte ihn ein und er befand sich an der Grenze zwischen Schlaf und Wachsein.

Plötzlich nahm er eine Bewegung wahr. Mit einem Ruck war er wieder wach.. Es war ganz in der Nähe das Singen der Sehne einer Armbrust zu hören. Die Schiffswache, die nicht weit entfernt am Heck stand, sprang röchelnd auf. Ein zweites Mal sang die Bogensehne, wieder hatte der Bolzen sein Ziel gefunden, die Wache brach zusammen. Nur eine Laterne brannte, Syvann konnte nicht sehen, wo die Schüsse herkamen. Sofort weckte er seine Kammeraden: "Aufwachen! Jemand hat mit einer Armbrust auf die Schiffswache geschossen."

Es dauerte nur einen Moment, bis Amonedthorr und Tuilja zu sich kamen. Amonedthorr sprang auf und lief zur Schiffswache, zwei Bolzen steckten in ihrer Brust, während Tuilja nach einem Schützen mit einer Armbrust Ausschau hielt, aber niemanden finden konnte. Langsam kam auch Leben in die Besatzung und einige Waeländer setzten sich auf um zu sehen, was vor sich ging.

Auch Sûlvahirs Hirn fing langsam an zu arbeiten: " Amonedthorr! Bist Du sicher, daß es eine Armbrust war, ich habe noch nie eine bei den Waeländern gesehen."

"Es sind Armbrustbolzen und er ist tot", bestätigte Amonedthorr.

Während Tuilja sich die Lampe nahm und weiter suchte, begriffen jetzt auch die Waeländer, daß einer von ihnen getötet worden war. Die Männer gerieten in Aufruhr. Eike zwängte sich zu dem Toten durch und riß ihm die Bolzen aus dem Körper und knurrte zornige Worte mit gefletschten Zähnen. Dann brüllte er der Mannschaft etwas auf Waelska zu, daß die Gefährten nicht verstanden und die Männer entzündeten Lampen und begannen wutentbrannt nach dem Mörder zu suchen. Derweil war Sûlvahir eine Idee gekommen. Er ging zu Tuilja und erzählte ihr, was er vor hatte. Ihr Gesicht strahlte auf.

"Das geht? Das kannst Du machen?"

Sûlvahir nickte. Er kniete sich vor den Toten und begann magische Worte zu sprechen. Es verging einige Zeit und Tuilja wurde unruhig. Sie flüsterte ihren Freunden zu, was Sûlvahir vorhatte. Die Seemänner kümmerten sich nicht weiter darum, sondern stellten das Schiff auf den Kopf, um den Mörder zu finden. Gleichwohl musterten einige die Gefährten mißtrauisch und tuschelten miteinander.

Schließlich schien etwas zu passieren. Sûlvahir setzte sich auf und sprach zu dem toten Mann.

"Kannst Du mich verstehen?"

Tuilja beugte sich zu Sûlvahir. "Was ist? Kannst Du mit seinem Geist reden, was sagt er?"

Sûlvahir war verzweifelt: "Ich verstehe ihn nicht, er spricht Waelska!"

Eike, der bei ihnen stand, starrte fassungslos auf Sûlvahir. Tuilja griff nach ihm und schüttelte ihn.

"Was heißt ’Wer hat dich umgebracht’? Was heißt ’Wer hat dich umgebracht’? "

Eike sagte es ihr, grenzenlos erstaunt. Sûlvahir stellte die Frage dem Toten. Aber er konnte immer noch nicht die Antwort des Toten verstehen. Er versuchte in etwa die Laute wiederzugeben, die er vernahm. Es dauerte ein wenig, bis Eike begriff, was die Bedeutung der Worte war, und übersetzte es wieder den Gefährten.

"Er sagt, daß er niemanden gesehen habe, nur daß einige Rucksäcke über Bord geworfen wurden."

"Ich kann ihn nicht länger halten", rief Sûlvahir und dann sackte er zusammen. "Er ist weg."

"Ein Unsichtbarer", sagte Tuilja. "Ein Rucksack wurde ins Wasser geworfen?"

Sofort liefen sie zu ihrer Schlafstätte. Tatsächlich fehlten Tuiljas und Amonedthorrs Taschen.

"Oh nein! Das war schweineteuer, meine rote Toga! Die magischen Dolche!"

Auch Trixom stellte fest, daß ihm was fehlt: sein Geldbeutel.

Auch die restliche Besatzung sah nach ihrem Hab und Gut. Dabei gab es einen Streit. Ein Seemann zerrte einen kleinen Jungen zum Kapitän. Trixom erkannte Ulfur.

"Das habe ich bei ihm gefunden und vorher noch nie bei ihm gesehen! Es wäre ja nicht das erste Mal, daß er gestohlen hätte."

Tuilja konnte ihre Dolche und Trixom seinen Geldbeutel erkennen. Sie griff nach einem und hielt ihn dem Jungen an die Kehle. "Warum hast Du das getan", schrie sie ihn an.

"Ich habe die nicht gestohlen, das war ich nicht", antwortete der Junge verzweifelt auf albisch.

"Lüge nicht!" Ulfur rann mittlerweile ein Blutfaden den Hals herunter.

"Okay, ja, ich habe Trixom heute das Geld gestohlen, aber das war alles, mit den anderen Sachen habe ich nichts zu tun, ihr müßt mir das glauben." Er zitterte vor Angst.

Tuilja seufzte und ließ ihn los. "Ich glaube, er sagt die Wahrheit." Tuilja griff nach seinem Beutel, schüttete ihn aus und nahm ihn an sich. "Der gehört jetzt mir, klar?"

Ulfur wagte nicht, ihr zu widersprechen.

Hülsüm schüttelte den Kopf: "Der Junge kann doch keine Armbrust abschießen."

"Ich nehme an, daß die Armbrust mit den Taschen über Bord geworfen worden ist", vermutete Amonedthorr. "Aber warum sollte jemand uns unsere Sachen stehlen?"

"Er will uns schaden. Er sackt das Geld ein und wirft unsere Sachen weg. Vielleicht weil er neidisch ist."

"Aber warum will er uns schaden?"

"Wahrscheinlich ist der Mörder ja unsichtbar, wir sollten eine Kette bilden und das Schiff nach ihm absuchen!"

Aber jäh wurden ihre Überlegungen unterbrochen. Ein Freund des Toten, der bei ihm kniete starrte die Gefährten finster an und brüllte schließlich auf sie ein. Tuilja verstand nur soviel, daß er ihnen die Schuld an dem Tod gab. Er sprang auf, packte wahllos Amonedthorr am Kragen und schob ihn brutal zur Reling. Tuilja blickte erschrocken zu Sneifir.

"Kannst Du nicht was tun? Hilf ihm!"

Sneifir zögerte.

"Niemand von uns an Bord besitzt eine Armbrust. Nicht daß ich Dir mißtraue, aber wie lange kennst Du denn schon die anderen?"

Mehr Waeländer kamen hinzu und starrten die Gefährten zornig an. Einige liefen zu Amonedthorr und machten Anstalten, ihn über Bord zu werfen. Amonedthorr blickte dem Waeländer finster in die Augen und sagte ihm ruhig, aber drohend: "Hau ab!" Der Mann aber schlug Amonedthorr mitten in das Gesicht.

Sûlvahir nahm Eike zur Seite und flüsterte ihm ins Ohr.

"Wenn ihr wollt, könnte ich euch helfen. Es gibt da Mittel und Wege, die mir zur Verfügung stehen..."

Eike brauste auf und schrie: "Wie könnt ihr es wagen, mir eurer böse Magie anzubieten? Wieso habt ihr euch überhaupt erdreistet, den Geist einer meiner Männer aus Tyggrgard zurückzurufen, bleibt mir mit eurer Seid fern!"

"Seid, Seid", raunte es unter den Männern. Und nun sah die Situation wirklich hoffnungslos aus.

Tuilja krallte sich an Sneifir..

"Nicht wir sind die bösen Hexer, sondern da ist ein Unsichtbarer an Bord. Ihn müssen wir finden. Bitte, ihr müßt mir einfach glauben.."

Tuilja brachte all ihren Charme ein und warf sich Sneifir mit Tränen in den Augen an die Brust.

"Vielleicht könnten wir Mehl ausstreuen, oder er sitzt in den Wanten, dann müssen wir ihn dort suchen, bitte ihr müßt mir helfen!"

Sie hatte schon herausgefunden, welche Tour bei ihm zog und tatsächlich lenkte er ein. Er machte sich von ihr los und ging zu Eike.

Derweil holte Hülsüm seine Sachen und breitete sie vor Eike aus. Schließlich zog er sich auch in strömenden Regen aus, bis er splitternackt vor Eike stand (Tuilja betrachtete ihn interessiert).

"Seht ihr? Ich habe nichts zu verbergen. Ich besitze keine Armbrust ."

Eike warf ihm bloß einen fassungslosen Blick zu. Aber dann hatte er schon wieder genug Mühe seine Leute unter Kontrolle zu halten. Sie hatten mittlerweile auch Sûlvahir gepackt und versuchten ihn über Bord zu werfen. Einige gingen schon auf Tuilja zu, doch die flüchtete sich zu Sneifir. Auch die anderen gerieten in Bedrängnis.

Während ihre Kameraden darum kämpften nicht von Bord geworfen zu werden, versuchten Hülsüm, Tuilja und Sneifir den Kapitän davon zu überzeugen, daß nicht die Gefährten Schuld an dem Tod der Wache wahren.

Schließlich ließ er sich von dem Argument, daß die Gefährten sich wohl kaum selbst bestehlen würden, überzeugen und befahl seinen Männern die Gefährten in Ruhe zu lassen. Dann wies er sie an, eine Kette zu bilden. Diejenigen, die nicht benötigt wurden, sollten sich in einer Ecke des Bootes versammeln. Die Männer fingen an zu Murren, aber als Sneifir sie anfuhr, folgten sie ihm mißmutig. Mit der Kette suchten sie längs das Boot nach dem Unsichtbaren ab. Als sie aber nicht fündig wurden, brach den Gefährten der kalte Schweiß aus. Tuilja wollte noch nicht aufgeben. Sie suchte die Reling ab und tatsächlich: Als sie ganz an der Bugspitze angekommen war, hörte sie ein Klatschen im Wasser. Sie konnte nichts sehen, aber sie rief sofort: "Da ist er! Da ist er! Er ist ins Wasser gesprungen!"

Sofort sprang Hülsüm in das Meer. Auch er konnte nichts erkennen. Er meinte etwas gesehen zu haben und tauchte schnell dort auf, doch es war nur der Schiffsrumpf (er war leider ein wenig kurzsichtig) und er stieß sich den Kopf, so daß er erst einmal außer Gefecht gesetzt war. Aber Tuilja war auch schon hinterhergesprungen. Amonedthorr hatte in der Zwischenzeit Geister des Lichtes gerufen, so daß sie am Rand des Lichtkegels Bewegungen im Wasser sehen konnte. Nach kurzer Zeit hatte sie ihn eingeholt. Sie rang mit dem Unsichtbaren im Wasser. Schließlich kam Hülsüm zu Hilfe, gemeinsam schlugen sie ihn bewußtlos.

Der immer noch Unsichtbare wurde an Bord gehievt und untersucht. Tuilja fand dabei ein Amulett, das sie unbemerkt von den anderen einsteckte. Schließlich fand Amonedthorr, daß er eine Kappe trug. Als er diese abnahm erschien ein Mann. Ein Raunen ging durch die Besatzung. Amonedthorr versuchte zwar, schnell die Kappe zu verstecken, tat das aber so kläglich auffällig, daß Eike sie von ihm forderte.

Hülsüm, der sich inzwischen wieder angekleidet hatte, bat Amonedthorr sie ihm zu geben und sagte, als er sie bekommen hatte: "Dat Dingen hat wirklich genuch Unheil angerichtet", und schmiß es mit einer schnellen Handbewegung ins Meer.

"NEIN", schrien alle gemeinsam auf und reflexartig sprang Tuilja der Kappe hinterher. Sie hatte Glück und fand das begehrte Artefakt, bevor es untergegangen war. Aber der Kapitän verlangte, daß die Kappe ihm gegeben werde.

"Diese Dinge sind Seid und werden unserem Gohdi gegeben. Der wird entscheiden, was damit zu geschehen hat."

Hülsüm stimmte bei, aber Amonedthorr und Tuilja weigerten sich zunächst, die Kappe auszuliefern, doch sie hatten auf dem fremden Schiff keine andere Wahl.

Jetzt waren auch die letzten von der Unschuld der fremden Passagiere überzeugt. Niemand hatte den etwa Vierzigjährigen schon einmal gesehen. Amonedthorr untersuchte ihn und fand, daß er noch am Leben war.

"Wir werden ihn nach Waeland bringen. Dort wird die Sippe entscheiden, ob sie sich mit einem Wergeld zufrieden gibt", beschloß Eike Gunderson. Zu Amonedthorr und Sûlvahir gewandt, drohte er: "Und ihr beide werdet es von nun an an Bord des Wogenwolfes unterlassen, eure schwarze Magie zu praktizieren, wenn euch euer Leben lieb ist. Und ich rate euch, das auch in Waeland zu lassen, sonst könnte es sein, daß ihr nie wieder von dort zurückkehrt."

Am nächsten Morgen verließen sie bei schlechtem Wetter endgültig das Festland. Die Stimmung war auf dieser Fahrt gedrückt. Tuilja zeigte ihnen das Amulett, das sie bei dem Toten gefunden hatte. Es war ein Zeichen des Vraidoskultes. Also schien dieser Mann mit Thalion in einem Bunde zu stehen. Es wurde für sie gefährlich in Albion.

Askeby

iese Tarnkappe ließ Tuilja keine Ruhe. Den ganzen Tag über hatte sie nur einen Gedanken im Kopf: ‘ Ich muß dieses Ding haben.’ Sie schmiedete einen Plan. Wenn man die Tarnkappe stehlen, den Fremden töten, über Bord werfen und ihm die Schuld für den Raub geben würde, das müßte klappen. Sie redete so lange auf Amonedthorr, Sûlvhir und Trixom ein, bis diese zustimmten. Doch erst mußte die Tarnkappe gefunden werden. Und schon dort scheiterte der Plan. Sûlvahir suchte zwar an einigen Orten mit Hilfe seiner Magie nach dieser Kappe, aber er konnte unmöglich das ganze Schiff danach absuchen. Aber es war noch nicht alles verloren. Tuilja würde weiter suchen. Und wenn es ihr hier an Bord nicht gelang, die Kappe zu stehlen, so würde sich bestimmt in Askeby eine Gelegenheit ergeben.

In der nächsten Nacht gab es einen weiteren Aufruhr. Noch bevor Tuilja zu dem Vraidosgläubigen geschlichen war, hatte schon jemand ihr die Aufgabe abgenommen. Der Bruder des Toten hatte in der Nacht den Fremden erstochen. Aber niemand an Bord war darüber überrascht. Es war seine Pflicht seiner Sippe gegenüber gewesen.

Auch am zweiten Tag auf hoher See gab sich Tuilja alle Mühe, die Tarnkappe zu finden, doch vergeblich. Dafür schien jemand anderes die Kappe zu benutzen: Gegen Nachmittag stürzte Orm Langar, der Koch, über das Schiff. Tuilja fragte Sneifir, was das zu bedeuten habe. Der wurde blaß.

"Der Unsichtbare ist wieder da. Orm hat gesehen, wie Gegenstände durch die Luft geflogen sind."

Die Waelände sprangen auf, zogen ihre Waffen und schlugen damit um sich aus Angst, der Geist des Fremden könnte sich rächen. Dabei trafen einige versehentlich ihre Kammeraden, die sich das nicht gefallen ließen. So versank die Knorr allmählich in Chaos. Die Gefährten taten es ihnen gleich. Amonedthorr schwang seine Stabkeule. Tuilja griff nach einem Seil und schwang sich zu Amonedthorr, Hülsüm lief gleich zum Bug des Schiffes und versuchte dort mit seinem Schwert nach dem Geist zu schlagen, aber er traf keinen Unsichtbaren.

"Hier ist er jedenfalls nicht mehr", rief er.

Grutar kletterte die Wanten hoch, um von oben einen besseren Überblick zu gewinnen. Er sah, daß der Koch mit schmerzverzerrten Gesich am Boden lag. Als er sich durch das Durcheinander einen Weg zu ihm bahnte, erkannte er zu seiner Verwunderung, daß Orm keine Schmerzen hatte, sondern sich vor Lachen auf dem Boden wälzte. Auch die anderen bekamen jetzt nach und nach mit, daß sie an der Nase herumgeführt worden waren. Haßerfüllte Blicke trafen der Koch, der von Lachkrämpfen geschüttelt vergeblich versuchte, die Beherrschung wiederzugewinnen.

Kurze Zeit später war es wieder ruhig an Bord. Die Mannen gingen wie gewohnt ihrer Arbeit nach. Nur das klägliche Quäken des Koches, der an einer Leine hinter dem Schiff hergezogen wurde störte den Frieden ein wenig.

Am Abend des selben Tages meldete der Ausguck: "Land in Sicht".

Von den Regenschleiern nur nach und nach freigegeben, zeigte sich eine felsige Küste mit hohen Klippen, und graugrünen Wiesen. Diese Küste gehörte aber noch nicht dem Festland, sondern einer der zahlreichen große vorgelagerten Inseln. Sie fuhren noch einen weiteren Tagen zwischen Festland und Inseln, vorbei an Bergen und Fjorden, an mit Gehöften besiedelten Flußläufen und unbewohnbarem Land , bis sie endlich in einer Bucht Askeby sahen. Ein eher kleiner Fleck, umgeben von einem Palisandenzaun bis in das Meer hinein. Das die Zufahrt verwehrende starke Tau wurde bei ihrer Ankunft abgesenkt und sie gingen nicht an einem Kai vor Anker, sondern es gab nur einen ganz gewöhnlichen Strand, auf den sich der Kiel knirschen schob. Der Ort machte einen trostlosen Eindruck. Keine Gasthöfe, Tempel oder ähnliches, sondern lediglich viele große Holzhäuser mit nur einem Raum, in dem Vieh und Mensch gemeinsam lebten. Die Straßen war lediglich knöcheltiefer Morast und nur die Hauptwege waren durch Holzknüppel einigermaßen begehbar.

Die Gefährten verabschiedeten sich von Eike und der Mannschaft, aber Tuilja hielt einen Lauernden Blick auf Eike. Doch dessen erster Gang war zur größten Blockhütte auf einer Anhöhe, der Königshalle. Zunächst mußten sie aber Asbjorn suchen, um ihm die Botschaft zu überbringen. Sie traten in das einfache aber mit prächtigen Schnitzereien verzierte Haus ein, daß nur aus einem Dach über einem ausgeschachtetem Raum bestand.

So sehr Asbjörn begeistert über ihre Botschaft schien, so unerfreut war er über die Anwesenheit der Gefährten. Denn nach waeländischen Gesetz war er der Gastgeber und hatte ihnen für den ganzen Winter Gastfreundschaft zu gewähren, denn es gab jetzt keine Schiffe mehr, die jetzt noch fuhren. Aber ihm kam die rettende Idee:

"Meine Familie hat eine alte Ehrenschuld gegenüber Thorfinn Hagarsson Sippe, einem alten Freund von mir. Was haltet ihr davon , wenn ihr ihm meine Geschenke für dieses Jahr bringt. Er lebt vier Tagesreisen von hier entfernt auf dem Gehöft Elgstadir am Sandalsfjord. Ich glaube dort wird es euch besser gefallen als hier und auf Elgstadir ist man froh, Gäste von weither zu haben."

Da die Gefährten selbst noch nicht genauer wußten, wie nun vorzugehen war und da man vor Wintereinbruch auch nicht mehr von hier wegkommen würde, stimmten sie zu, wenn sie nur diesem stinkenden Ort hinter sich lassen konnten.

Den Abend verbrachten sie noch in der Jarlshalle. Der Jarl, Leif Haralsson, ließ sich von den Gefährten berichten, was sich an Bord zugetragen hatte und schloß sich der Meinung von Eike an, daß diese Kappe Seid sei und vernichtet werden müsse. Damit waren Tuiljas Bemühungen nun endgültig erfolglos.

Hülsüm und Grutar waren bei Asbjörn geblieben, da die beiden Mägde seines Hauses es ihnen angetan hatten. Nachdem Grutar es Hülsüm vorgemachte hatte, und mit einer Magd einen kleinen Spaziergang machte, traute sich auch Hülsüm an die zweite heran. Doch er gefiel ihr nicht und so saß er übelgelaunt den Abend lang in Asbjörns Haus.

 

Hexen, Trolle, Wichte – Die Reise nach Elgstadir

Bei verhältnismäßig gutem Wetter brachen sie am nächsten Tag auf. Asbjörn hatte ihnen den Weg erklärt und nach nicht allzulanger Zeit kamen sie beim Fährmann an. Sie hatten einige Mühe, ihn zu überzeugen sie überzusetzen, denn er ließ sich nicht bezahlen, sondern setzte nur Leute über, wenn diese einen guten Grund dafür nennen konnten. Grutar wurde das zuviel.

"Wir bringen uns halt selbst ‘rüber, wenn ihr uns nicht übersetzen wollt."

Tuilja mußte ständig dolmetschen, da sie, wenn auch nicht gut, von allen noch am besten Waelska konnte.

"Tut das nicht, es wird ein Unglück geben, wenn ihr gegen meinen Willen meine Fähre benutzt", drohte der Fährmann.

"Laß mich mal", beruhigte Trixom Grutar. "Wir sind auf den Hof Elgstadir eingeladen worden." Er und Tuilja berichteten von der Ehrenschuld und daß sie den Winter dort verbringen wollten.

"Eine Ehrenschuld muß beglichen werden", stimmte der Fährmann zu. "Das ist ein guter Grund, dafür stelle ich gerne meine Kräfte in euren Dienst."

Zufrieden betraten sie das Boot und Hülsüm schenkte dem Fährmann zum Dank eine Axt, die ihm zu schwer wurde. Als sie übesetzten sahen sie einen Schatten unter der Fähre.

"Mein Freund Glubbruzz, der Wassertroll", erklärte der Fährmann.

Nur mit Mühe konnten sie Amonedthorr davon abhalten, zu versuchen mit diesem Troll Freundschaft zu schließen. Sie hatten ja schließlich noch einen weiten Weg vor sich.

Sie folgten dem Lauf des Fyredalsälv durch ein weites, von einem lichten Wald bestandenen Tal. Kleine Steinhaufen markierten ihren weiteren Weg. aber gegen Nachmittag passierte, was passieren mußte, einige Steinhaufen waren von Trollen weggeschafft worden.

"Was wollen diese Trolle mit diesen Steinen, können die sich nicht irgendwo anders welche besorgen", regte sich Grutar auf.

Sie schwärmten in verschiedene Richtungen aus um nach dem Weg zu suchen. Amonedthorr fand schon bald in der Nähe, in Richtung der Berge, den nächsten Steinhügel. Der Weg schien, wie Asbjörn es ihnen auch schon drohen hatte, in Richtung der Berge abzubiegen.

"Ahh! Dumm seid ihr", brüllte Grutar , "das ist eine Falle. Da hat jemand den Steinhaufen umgesetzt!"

"Davon habe ich aber nichts gehört, daß Trolle so intelligent sind, daß sie Steinhaufen umsetzen", zweifelte Amonedthorr.

"Genau, ich denke, wir sollten die fehlenden Steinhaufen wieder richtig aufbauen und weitergehen", beschloß Tuilja.

Die anderen stimmten zu.

"Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt," schmollte Grutar.

Gegen Abend kamen sie in einem Gebirgstal an, in dem ein kleiner Hof war. Aus dem Haus trat eine hochgewachsene, gutaussehende, brünette Frau in mittlerem Alter, die sie scheinbar schon kommen gesehen hatte.

"Willkommen in meinem Haus. Ich bin Hjordis, die Kräuterfrau," wurden sie in Waelska begrüßt.

"Unter der Kräuterhexe, von der Asbjörn gesprochen hat, habe ich mir aber was anderes vorgestellt," flüsterte Trixom, dem diese Geschichte nicht aus dem Kopf gegangen war.

Grutar war sofort von der Frau angetan und entgegnete die Begrüßung mit einem "Hallihallöchen! Wie wär es denn mit uns zweien?", was natürlich erfoglos war, da er kein Waelska sprach.

Tuilja half gegen den Widerstand Grutars aus: "Hallo! Unser Freund Grutar sagte soeben, daß er sie sehr charmant findet."

Grutar errötete.

Hjordis lächelte vielsagend. "Wenn ihr wollt könnt ihr die Nacht hier verbingen. Ich wäre Euch aber sehr dankbar, wenn ihr mir ein wenig zur Hand gehen könntet und das Holz hacken würdet."

Die Gefährten (bis auf Tuilja) versuchten sich gegenseitig in Hilfsangeboten zu übertreffen.

Nachdem Amonedthorr beim Zubereiten der Kräuter geholfen, Trixom, Grutar und Hülsüm Holz gehackt, Hülsüm außerdem die Stube gefegt und Staub aufgewischt, Grutar den Tisch gedeckt hatten und Tuilja sich während dessen mit ihr amüsiert über den Mann als solchen unterhalten hatte, gab es einen deftigen Eintopf, der alle aufs äußerste satt machte. Nach einigen Geschichten und Wissenswertem über die Gegend (sie erklärte ihnen, daß sie den falschen Abzweig genommen hatten, sie hätten bei den fehlenden Steinhaufen weiter gerade aus gehen müssen) gab es vor dem Zubett gehen (für die Gefährten fand sich eine Schlafstatt im Stall) einen selbstgebrauten Kräuterschnaps. Allen mundete der Schlaftrunk sehr gut und würzig, nur Tuilja schüttete heimlich den Schnaps in die Ecke und Sûlvahir stieß mit an, trank ihn aber nicht, was sehr unhöflich war.

Als sie gemeinsam im Stall waren und sich zur Nacht betteten, redeten sie nur noch kurz über ihren Eindruck von der Frau, da sie alle sehr müde waren. Sie waren sich alle einig, daß sie sehr freundlich und sympathisch war. Dem stimmte auch Trixom zu, "aber ich habe das Gefühl, daß sie uns etwas verheimlicht. Vielleicht wird sie es uns morgen erklären, was immer es sein mag."

Tuilja war da skeptischer. "Ich finde, wir sollten Wachen aufstellen." Aber ein Blick auf ihre Gefährten sagte ihr, daß die da ganz anderer Meinung waren. Nur Sûlvahir erklärte sich bereit, die zweite Wache nach Tuilja zu übernehmen.Hülsüm, schmatzte noch leise vor sich hin, während er die guten Sachen verspeiste, die er mitgehen lassen hatte, dann schliefen alle ein. Tuilja meinte noch in der Ferne eine leise Melodie zuhören, aber dann sank auch sie in eine Art Halbschlaf, in der sich Traum mit Tasächlichem vermischte.

Die Tür öffnet sich leise und eine Gestalt betritt geräuschlos den Stall. Es ist Hjordis. Sie kniet neben Amonedthorr nieder und singt leise eine fremdartige Melodie. Amonedthorr steht schlaftrunken auf. Hjordis steigt auf seinem Rücken und mit einem kleinen Stöckchen treibt sie ihn an, den Stall zu verlassen...

Am nächsten Morgen standen alle ausgeruht auf. Tuilja schien irritiert. Sie sah nach Amonedthorr, der als einziger noch nicht aufgewacht war. Als sie die Bettdeck hochschlug stellte sie fest, daß seine Füße furchtbar wundgelaufen waren. Alle tauschten Blicke aus. In dem Moment öffnete sich die Tür und Hjordis trat ein.

"Guten Morgen zusammen! Oh, was ist das? Amonedthorr Füße sehen ja schlimm aus. Er sollte besseres Schuhwerk verwenden. Wartet ich hole ein Salbe, die wird ihm helfen."

Nach einem Erfrischungstrunk und einer großen Schale Frühstück verabschiedeten sie sich von Hjordis und machten sich auf den Weg. Amonedthorr fühlte sich furchtbar zerschlagen, als sei er tagelangang durch die Gegend gerannt. Aber Hjordis Salbe tat ihre Wirkung und heilte die Füße innerhalb weniger Tage.

Am Vormittag des zweiten Tages nach der Übernachtung bei Hjordis, der Hyrkapaß war nicht mehr fern, hielt Amonedthorr sie abrupt an. Sie hörten laute Stimmen vor ihnen, hinter einem Busch. Amonedthorr suchte sofort Deckung hinter einem weiteren Gebüsch und winkte die anderen hinter sich her, die ihm zögernd folgten.

"Das sind bestimmt Trolle," flüsterte Amonedthorr aufgeregt.

"Bist Du Dir sicher?" Tuilja bezweifelte das. "Wenn das Trolle sind, was sollen wir jetzt machen? Sollen wir versuchen, an ihnen vorbeizuschleichen?"

Hülsüm war zornig. "Das kann doch nicht sein! Wir sind viel mehr als die und wir verstecken uns!" Er nahm sein Schwert, stand auf und ging zum Weg zurück. Hülsüm und Trixom folgten ihm.

Sûlvahir hatte in der Zwischenzeit, unterstützt von einem Zauberspruch, die Stimmen belauscht: "Das sind keine Trolle! Dafür sind die Stimmen viel zu hoch. Aber ich verstehe ihre Sprache nicht, es ist, glaube ich, kein Waelska."

Schon nach wenigen Metern gab es Grutar auf zu schleichen und rief laut:"Hallo!" und Hülsüm unterstützte ihn:"Hallo! Wir Freund!" Trixom versuchte derweil, sich von hinter dem Gebüsch her anzuschleichen.

Die Stimmen verstummten. Amonedthorr fiel ein, daß Bergtrolle grau sind und keinen Bart haben. Dann sprang ein kleines Männchen aus dem Busch, musterte sie und fragte dann auf Waelska: "Was wollt ihr?"

Grutar antwortete prompt (auf albisch):"Na, Du Wicht!".

Hülsüm versuchte es auf Waelska: "Wir Freund. Nix verstehen. Frau verstehen, hinten" und brüllte: "Tuuiiljaa, komm ma her!"

Amonedthorr war inzwischen hinzu gekommen und versuchte mit seinem ebenso unzureichenden Waelska zu vermitteln, gab es aber schließlich auf und ging auf Tuilja zu, die sich bis dahin immer noch gemeinsam mit Sûlvahir versteckt hielt. "Tuilja, der Wicht sagt so viel, ich kann ihn nicht verstehen."

Tuilja kroch aus ihrem offensichtlich unnütz gewordenen Versteck mit Zornesröte im Gesicht und brüllte Amonedthorr an: "Du verdammtes *****loch! Kannst Du nicht einmal den Plan halbwegs einhalten? Das kann doch nicht wahr sein, wir liegen hier um eingreifen zu können, falls was passieren sollte und Du gibst unser Versteck preis. Wie kann man nur so beschränkt sein!"

"Nu hör mit Deinem Gezeter auf und komm endlich her," erwiderte Amonedthorr trocken.

Mit dem Nerven am Ende ging Tuilja auf den Wicht zu und fragte in einem aggressiven Ton: "Und, was wollt ihr?"

"Und was wollt ihr?"

"Wir wollen da jetzt durch!"

"Da kommt ihr nicht durch."

"Und warum nicht?"

"Weil da ein Troll ist."

"Gut, äh, ja. Wir gehen aber trotzdem da durch,"

"Ihr könnt da aber nicht durch. Wir müssen auch über den Berg, aber es gibt auch keinen anderen weg, als den Paß."

"Gut, was gebt ihr uns, wenn wir euch da durchbringen?"

"Ihr habt keine Chance gegen das Monstrum! Einen so großen Troll hat man noch nie gesehen. Hauer so lang wie ein Unterarm! Die einzige Möglichkeit ist ein Umweg den Nebelfjord entlang."

"Nein, nein, nein, nein, nein," tönt es aus dem Gebüsch und ein zweiter Wicht kam herausgesprungen. "Vollkommen unmöglich! Wir ziehen den Thjorsadalsälv hinauf bis zur Quelle und gehen dort über die Berge."

Grutar kam das immer merkwürdiger vor. Er packte sein Schwert fester und ging den Weg weiter.

"Blödsinn, Schwachsinn," kam eine dritte Stimme aus dem Busch und ein weiterer Wicht krabbelte hervor. "Wir suchen eine gemütliche Höhle und warten ein paar Tage"

Ein vierter Wicht kam hinterher. "Unfug wir können doch nicht einfach warten!" Und die vier Wicht gerieten in heftigen Streit.

"Hör mal zu, Kleiner", versuchte Tuilja wieder das Wort zu ergreifen, aber die Wichte beachteten sie gar nicht mehr. "Egal. Wir müssen scheint’s nur noch diesem Pfad zum Paß folgen, und dort werden wir auf den Troll treffen."

"Ich nehme an, daß es sich dabei um einen Bergtroll handelt," erklärte Amonedthorr, der sich in Askeby mit Asbjörn ausführlich über Trolle unterhalten hatte. "Die haben keine Angst vor Feuer und Licht, und haben eine eisenharte Haut. Wir müssen vorsichtig sein!"

Die anderen gingen schon weiter, als Trixom einen der Wichte hochhob. Der krakelte laut: "Laß mich runter, laß mich runter! Hilfe!" Die anderen zogen ihre Dolche und Schleudern. Schließlich ließ Trixom ihn wieder gehen. Der Wicht lief schnell auf sichere Distanz zu Trixom. Dann hüpfte er von einem Bein auf das andere, zog Grimassen und rief halblaut: "Arschloch, Arschloch!"

Trixom rief zurück: "Feigling, Feigling!" aber die anderen waren schon weitergegangen, so daß er ihnen schließlich folgen mußte. Die Wichte schienen zurückzubleiben, aber später sahen sie, daß sie ihnen in respektvollem Abstand hinterherschlichen.

Hülsüm und Grutar alberten herum und Tuilja ermahnte sie, doch endlich ruhig zu sein, um wenigstens einigermaßen in die Nähe des Trolls zu kommen, ehe er auf sie aufmerksam wurde. Jetzt aber störte das Gezeter der Wichte hinter ihnen, die immer noch stritten: "Wir sollten ihnen nicht folgen, sie schaffen es doch nicht!" "Doch sie werden den Troll schlagen."

Nach einer Stunde waren sie auf der Paßhöhe. Es nieselte nach wie vor, der Fels glänzte feucht. Links fiel steil eine Klippe ab, rechts stieg der Fels nahezu senkrecht an. Mit einmal schlug dicht vor Hülsüm, der sie anführte, ein Keule auf den Weg. Hülsüm sprang zurück, hinter Grutar, der sofort in Kampfstellung ging und den Gegner erwartete. Hinter einem Felsen kam der Troll hervor, aber er wirkte nicht so furchtbar, wie sie ihn erwartet hatten. Kaum größer als ein Mensch, graue Haut, langes, verfilztes Haar, entstelltes Gesicht. Sofort schlug Grutar, dem Amonedthorrs Geister beistanden und ihm größere Kraft verliehen, mit einem Schrei zu und traf ihn. Der Troll griff an, aber er verfehlte Grutar. Trixoms Versuch, den Troll abzulenken, in dem er ein Goldstück warf, hatte keinen Erfolg. Sûlvahir hielt seinen Rubinsplitter einsatzbereit, wartete aber noch ab. Tuilja versuchte die Felswand zu erklettern, um in den Rücken des Trolls gelangen zu können. Hülsüm schlug daneben, konnte aber auch die Keule mit seinem Schwert abwehren. Der nächste Schlag von Grutar traf den Troll aber am linken Knie, er stolperte rückwärts und fiel. Er war wehrlos. Hülsüm ging zu ihn, Grutar wollte ihn noch aufhalten, aber Hülsüm ließ sich nicht abhalten und gab dem Troll den Tod.

"Haaarrrr!" brüllte Grutar. "Ich! Alle redeten von den ach so gefährlichen Troll und ich habe ihn alleine besiegt!"

Tuilja gab ihm die Hand: "Also ehrlich, ich bin beeindruckt. Ganz toll! Wo habt ihr so kämpfen gelernt?"

"Weiß nich. Gab da so’n Comentang-Spruch vom Kapitän: ‘Lörning bei Duing.’ "

"Aha. Und was heißt das?" wollte Amonedthorr wissen.

"Hab’ ich auch nie so ganz verstannen. Ich kann kein Comentang. Wohl sowas wie: ‘Überleben ist alles.’ "

Kühler Empfang auf Elgstadir

ls sie den Hyrka-Paß überwunden hatten konnten sie bereits unter ihnen den malerischen Sandalsfjord sehen, der sich unter einer grauen, bleiernen Wolkendecke seinen Lauf durch die dunkelgrünen Berge bahnte. Zu ihm stiegen sie hinab und folgten ihm bis zur Abenddämmerung. Das Wetter wurde schlechter, aber noch rechtzeitig kamen sie bei einem großen Hof an, der ein gutes Dutzend Gebäude umfaßte. Sie waren bereits gesehen worden und eine hochgewachsene Frau, die an ihrer Seite ein Schwert und in ihrer Hand ein Trinkhorn trug, empfing sie, begleitet von einigen Waffen tragenden Männern.

Schon aus der Entfernung riefen Hülsüm und Grutar fröhlich auf albisch: "Huhu! Da sind wir!", "Wir sind’s! Die Jungs für den Winter".

Tuilja übernahm es, die Frau ernsthaft in Waelska zu grüßen: "Sind wir hier auf dem Gehöft Elgstadir? Wir sind geschickt worden von Asbjörn, der uns für den Winter hier eingelagert hat."

"Seid gegrüßt Fremde, wenn ihr in Frieden kommt. Ja, dies ist der Hof Elgstadir und ich bin Signy Hildurdottir, die Herrin des Hofes. Nehmt dieses Bier als Willkommenstrunk," sprach die Frau und überreichte ihnen das Trinkhorn.

"Schön, daß ihr uns willkommen heißt," antwortete Tuilja, "aber warum diese Wachen? Bloß weil die beiden einen Troll erschlagen haben," sie wies auf Hülsüm – der das Horn in Empfang genommen hatte und einen nicht enden wollenden Zug tat – und auf Grutar, "müßt ihr nicht gleich davon ausgehen, daß sie Eueren Hof verwüsten."

"Ihr habt einen Troll getötet?" fragte Signy nicht besonders beeindruckt.

Hülsüm setzte schließlich ab und reichte das Horn an Grutar weiter. "Er hat uns angegriffen."

Signy beäugte die Fremden noch einen Moment kritisch, während Grutar feststellen mußte, daß Hülsüm das Horn leergetrunken hatte und es verlegen zum nächsten Gefährten weiterreichte, aber dann nickte sie den Männern zu und sie setzten die Waffen ab und gingen zu ihrer Arbeit zurück. "Folgt mir ins Haus!"

Amonedthorr war die ganze Zeit über nachdenklich gewesen. Im Zurückgehen fragte er Signy schließlich in gebrochenem Waelska: "Wo ist Thorfinn, der Hausherr?" Aber Signy gab keine Antwort.

Die Halle war groß und prachtvoll. Ein großes Feuer brannte und die Wände waren mit prachtvollen Waffen und gewebten Behängen geschmückt. Signy stellte den Gefährten ihre Tochter Gerdis und ihre Ziehtochter Inger vor.

Schließlich gab sie doch noch ein Antwort auf Amonedthorrs Frage: "Ihr seid von Asbjörn geschickt und unter anderen Umständen wären wir sehr geehrt gewesen, Euch für den Winter die Gastfreundschaft anzubieten." Den Gefährten schwante Böses: sollte das heißen, daß sie nicht hierbleiben durften? "Aber mein Mann Thorfinn ist vor zehn Tagen an Wundbrand nach einer Beinverletztung beim Holzfällen gestorben und wir sind alle in tiefer Trauer. Es tut mir Leid, aber ich kann euch für den Winter unter diesen Umständen keine Unterkunft bieten. Und um rechtzeitig vor Wintereinbruch wieder nach Askeby zu gelangen, brecht ihr am besten gleich heute Abend auf."

Nach dem Tuilja übersetzt hatte verschlug es den Gefährten den Atem. So hatte man sich die Gastfreundschaft der Waeländer nicht vorgestellt. Um die peinliche Stille zu überwinden bat Amonedthorr Tuilja zu übersetzen, daß Asbjörn Geschenke mitgegeben hatte.

"Geschenke? Was für Geschenke? Schön, daß ich das erst jetzt erfahre!" entfuhr es Tuilja. Die anderen grinsten verschmitzt, wußten sie doch, daß einige Geschenke nicht angekommen wären, hätte Tuilja von ihnen gewußt. Tuilja faßt sich wieder und übersetzte.

Nachdem sie die Geschenke überreicht hatte versuchte Hülsüm Signy doch noch zu bewegen, ihnen Unterkunft zu bieten: "Wir auch arbeiten."

Grutar schaute sich derweil Gerdis und Inger an und versuchte abzuschätzen, ob es sich wohl lohnen würde einen Winter lang hierzubleiben.

Aber noch während sie versuchten, Signy zu überreden verschlechterte sich das Wetter draußen, so daß es unmöglich war, gleich wieder aufzubrechen. Signy wies ihnen schließlich einen Platz zum Schlafen zu, aber war sonst still und sprach nicht mehr mit den Gefährten Auch die anderen Bewohner des Gehöftes waren sehr merkwürdig und mieden die Fremden.

"Es ist nicht alleine die Trauer um Thorfinn, die über diesem Hof liegt," sagte Trixom zu den anderen, "es ist vielmehr eine Furcht vor irgend etwas."

Tuilja stimmte ihm zu: "Deshalb auch die bewaffneten Männer. Sie haben Angst, daß der Hof von irgend etwas angegriffen wird."

"Eher heimgesucht wird," präzisierte Trixom.

Während sie sich besprachen, bemerkten sie irritiert, daß ein alter Mann von außen Nägel in alle Haustüren schlug.

Das Gewitter war draußen mittlerweile in vollem Gang, in der Halle herrschte eine düstere Stimmung. Man beschäftigte sich mit Spinnen, flüsterte leise miteinander oder schwieg.

Trixom ging zu Signy: "Welche Macht ließe sich nicht von Kriegern, wie hier versammelt, aufhalten. Oder ist es gar eine Macht, die sich nicht mit dem Stahle aufhalten läßt?"

"Ich weiß nicht wovon ihr sprecht," sagte Gerdis und dies war keine Frage, sondern eine Feststellung und Aufforderung, daß Gespräch gleich wieder zu beenden.

"Ich weiß, daß Ihr uns etwas verschweigt," versuchte es Trixom noch einmal, erhielt aber keine Antwort mehr.

Die Gefährten sprachen noch leise miteinander.

"Vielleicht eine Krankheit, vielleicht sogar die Pest?" befürchtete Hülsüm.

"Es soll doch so etwas geben wie Tote, die nicht tot sind," überlegte Tuilja. "Vielleicht kommt Thorfinn heute nacht und sucht das Gehöft heim?"

"Habe ich auch schon dran gedacht," sagte Trixom. "Vielleicht herrscht hier die gleiche Angst, die auch mein Vater hatte."

Als das Gewitter schließlich weiterzog und eine unheimliche Stille eintrat, betteten sich alle zur Nacht, nur Signy blieb brütend auf ihrem Hochsitz.

Als es still war, schlich Gerdis zu den Gefährten: "Was auch immer ihr heute Nacht hier seht, kümmert euch um nichts und verlaßt uns, sobald ihr könnt. Es ist zu Euerem Besten."

Tuilja hielt sie am Handgelenk fest: "Was ist denn los? Vielleicht können wir euch helfen, wir haben einen zauberkräftigen Schamanen bei uns," aber Gerdis entwand sich dem Griff und schlich wieder zurück.

Es wurde still. Trixom hörte das gleichmäßige Atmen der Schlafenden. Er schien der letzte zu sein, der noch wach war, er konnte keinen Schlaf finden. Die Gewißheit, das irgend etwas kam war so groß, daß er Tuilja zuflüsterte: "Es nähert sich etwas."

Tuilja setzte sich auf: "Wo?" Sie horcht angespannt, konnte aber nicht hören.

"Ich spüre es."

"Sehr witzig. Ich dachte du hättest wirklich was gehört," murmelte sie noch und rollte sich dann wieder zusammen.

Trixom legte sich auch wieder zurück und wartete. An Schlafen war nicht zu denken.

Er horcht wieder auf. Da war ein Geräusch an der Tür. Er stupste Tuilja an.

"Was ist denn jetzt wieder?"

Auch Grutar hatte scheints etwas gehört und hatte sich zur Tür geschlichen, um vorbereitet zu sein, falls irgendjemand einbrechen sollte.

Aber es war wieder still geworden.

Sûlvahir legte seine Stirn an die Außenmauer, um mit einem Zauberspruch nachzusehen, ob draußen etwas war, aber noch bevor er den Spruch vollendet hatte, war jetzt eindeutig etwas zu hören.

Ein Tier oder etwas ähnliches kletterte das Dach der großen Halle hinauf.

Entsetzt starrte Trixom im Dunkeln unter das Dach, als ob er mit bloßer Willenskraft mit seinen Augen das Dach durchdringen könnte. Es kletterte zu dem verschlossenen Laden des Rauchabzuges und begann, unentwegt an ihnen zu rütteln.

In der Halle war jetzt deutlich zu spüren, daß niemand schlief. Die Bewohner verkrochen sich tiefer unter ihre Decken, Frauen wimmerten leise vor Angst und die Männer hielten ihre geballte Faust vor ihrem Gesicht.

Es ließ schließlich von dem Laden ab und rüttelte dafür wohl eine halbe Stunde an der anderen Tür, und als es auch dort keinen Erfolg hatte hämmerte es schließlich mit bloßer Gewalt gegen die Wände der Halle.

Die Stimmung stand in der Halle kurz vor Ausbruch einer Panik

Schließlich sprang der alte Gorm tränenüberströmt und zähneknirschend auf, griff nach einem Speer, lief zur Tür, riß sie auf, trat heraus und rief "Komm her, Thorfinn! Ich weiß, was du willst und werde versuchen es Dir zu geben.

Die Gefährten sprangen auf und eilten hinterher, aber nur um zu sehen, wie eine große hühnenhafte, humpelnde Gestalt mit einem Schwerthieb den alten Mann fällte.

Sofort reagierte Trixom und lief in das Dunkel hinaus, um den Untoten von dem Mann abzulenken. Er teilte einen Hieb aus und traf den Untoten mit großer Wucht. Ein normaler Mensch hätte diesem Hieb wohl nicht standhalten können. Doch dem untoten Thorfinn konnte er nichts anhaben. Nun schlug er nach Trixom und traf furchtbar. Trixom stürzte.

Nun kamen auch Tuilja, Hülsüm und Grutar ihrem Freund zu Hilfe. Hülsüm und Grutar konnten nur mit Mühe den Hieben des überlegenen Gegners ausweichen und mußten bald aufgeben. Sie griffen Trixom und Gorm und schleppten sie zur Halle zurück, während Tuilja versuchte Thorfinn abzulenken.

Da dieser humpelte und Tuilja nicht einholen konnte, wandte er sich jetzt wieder Hülsüm zu, der als zweiter Trixom zog. Sûlvahir zauberte eine Feuerkugel, die er der grausamen Gestalt in den Weg stellte. Doch diese kümmerte sich nicht darum humpelte mitten durch die Feuerexplosion hindurch und sah nun aber mit verbranntem Körper und Gesicht noch viel entsetzlicher aus.

Kurz bevor Hülsüm die rettende Halle erreicht hatte, wo man schon darauf wartete die Tür zu schließen, durch die der Untote wegen der Sigildornen, der Nägel, nicht durchkonnte, hatte er Hülsüm erreicht. Ein Schwerthieb traf ihn, während er mit letzter Kraft sich und Trixom in die Halle warf.

Mit ohrenbetäubendem Lärm warf sich die Gestalt gegen die geschlossene Tür, aber erfolglos. Innen waren sie sicher. Aber Sûlvahir und Tuilja waren noch draußen. Gemeinsam gelang es ihnen Thorfinn von der Halle wegzulocken um dann hineinzuspurten und sich so in Sicherheit zu bringen.

Doch Thorfinn gab noch keine Ruhe. Da er seine Wut nun nicht mehr an Menschen auslassen konnte, mußte das Vieh dran glauben. Er brach in einen Stall ein und tötete, bis er schließlich wieder von dannen zog.

Derweil mühte sich Amonedthorr damit ab, Trixom, Hülsüm und den alten Gorm zu verarzten, doch für Gorm war es zu spät. Signy wußte nicht, wie sie den Gefährten danken sollte. Sie erklärte ihnen noch, daß es für Waeländer keinen schlimmeren Tod als den Strohtod, den Tod im Bett durch eine Krankheit oder ein Gebrechen, gebe, daß nur diejenigen, die im Kampfe stürben, nach Tyggrgard an die Tafel der Götter kämen und dies Thorfinn selbst nach seinem Tode keine Ruhe ließe. Nun warteten alle in Elgstadir darauf, daß Helgi, der Sohn, käme um Thorfinn den Tod zu geben, den er suche. Doch der Kummer um Gorm ließ sie schließlich verstummen und erschöpft begab man sich zur Ruhe.

Am nächsten Tag kamen die Gefährten überein, daß sie Signy helfen müßten. Nur Amonedthorr war nach der Nacht verstimmt.

"Es ist abgelaufen wie immer," fuhr er Tuilja an. "Anstatt auf mich zu hören, daß man gegen Geister nicht vorgehen kann wie gegen Lebende, hast Du wieder Deiner Kampflust nachgegeben. Warum wart ihr überhaupt da draußen?"

"Weil ich die einzige bin, die diesem Wesen längere Zeit standhalten kann," verteidigte sich Tuilja.

"Das habt ihr ja gesehen, mit den Dolchen habt ihr es gepiesackt," spottete Amonedthorr.

"Und Du mit Deiner Keule, kleiner schwarzer Mann."

"Ich wußte, daß ich gegen einen Geist so nichts ausrichten konnte."

"Und ich wußte, daß ich es konnte, dank Trixoms Geschenke, der magischen Dolche seines Vaters."

So stritten sie noch den Morgen lang. Schließlich zog sich Amonedthorr zurück. Er entzündete abseits ein kleines Feuer, verbrannte Kräuter und Pulver, sang in seiner unverständlichen Sprache und war so den Tag über damit beschäftigt, seine Geister um Rat und Versöhnung zu bitten.

Derweil schmiedeten die anderen den ganzen Tag über Pläne wie dem Untoten am besten beizukommen sei und trafen Vorkehrungen für den kommenden Kampf

Als der Abend kam bereiteten sie über den ganzen Hof verteilt Lagerfeuer vor, die überall für gute Sichtbedingungen sorgen sollten.

Jeweils zwei hielten Nachtwache, um nicht die Gefahr einzugehen, daß die Wache einschlief.

Dann kam Thorfinn.

Sofort weckten Trixom und Sûlvahir die anderen. Sie spurteten zu den Booten und fuhren mit einem auf den nahegelegenen See. Von dort aus befeuerten sie die Bestie mit Feuerpfeilen. Doch normales Feuer konnte dem Wesen nichts anhaben. Ein Pfeil traf Thorfinn sogar in die Stirn, doch er riß ihn sich einfach aus und ging weiter auf die Halle zu. Es gab nur noch ein Weg: der direkte Angriff. Sie fuhren an das Ufer und stürzten sich in das Gefecht, immer in Reichweite des rettenden Bootes, mit dessen Hilfe sie sich in Zweifelsfalle in Sicherheit bringen konnten.

Der Kampf im unheimlichen Feuerschein der vielen Lagerfeuer schien eine Ewigkeit zu dauern. Das Wesen schien unbesiegbar zu sein. Aber letztendlich, als sie alle schon mit den Kräften am Ende waren und es schien, daß sie den Untoten schon in Stücke zerlegt hatten, hauchte er sein unseliges Leben aus und rührte sich nicht mehr.

Als dann noch am nächsten Tag Helgi heimkehrte, hatte sich alles zum Guten gewendet und man bereitete ein Yulfest vor, wie es Elgstadir noch nicht gesehen hatte.