Huracanas

Heimkehr

 

 

 

 

Datum: 02.03.1995 

Starring:

Andreas Avesing als Syvann, Ordenskrieger aus Ranabar

Alessandro Fillipetti als Sulvahîr, Magier,

Thomas Hölzer als Hülsüm, albischer Seefahrer

Thomas Koch als Trixom Kojol, Glücksritter

Thomas Stein als Amonethorr, Schamane von den Vulkaninseln

Markus Stein als Grutar Mc Hastel, albischer Seefahrer

Malte Thoma als Tuilja, Gauklerin

 

in den Nebenrollen:

Huracana, Barbarin von den Vulkaninseln

Regie:
André Paus

Flucht aus Corrinis

s regnete in Strömen. Die Straßen hatten sich in einen Brei aus Schlamm, Unrat und Kot verwandelt. Huracana wußte nicht, wann sie das letzte Mal die Sonne gesehen hatte. Lange würde sie nicht mehr in dieser Stadt aushalten und sich wieder als Söldnerin einem jener Treks anschließen, zu denen sich Reisende und fahrende Händler zusammenschlossen, wenn sie weitere Strecken zu überwinden hatten. Viele Handelsherren befürchteten zwar, daß sie eine größere innere Gefahr für den Zug darstellte, als ihre Fähigkeiten als Kämpferin äußere Gefahren abhalten konnten. Aber für ihr Geschick mit Waffen war sie berüchtigt, und so fand sie immer wieder eine Anstellung. Das sie genug Sold bekam, darum brauchte sie sich nicht zu sorgen; bevor die Handelsherren das Risiko eingingen ihren Zorn zu provozieren zahlten sie lieber anstandslos den versprochenen Lohn.

Aber würde sie jetzt noch angestellt werden? Die Lage hatte sich geändert, seit diese Hua-Säuferin auf dem "Basar" den Dämon herbeibeschworen hatte. Die Einwohner von Corrinis fanden ihr Vorurteil bestätigt, daß alle Menschen aus dem Süden mit dem Teufel im Bunde waren. Und jeden Tag kamen neue Nachrichten aus anderen Städten von Greueltaten. Die Huachahatschis waren seit ihrem rätselhaften Auszug aus ihrer Heimat, dem Fearann Ruadh (sprich: f’arenn rue ;Rotes Land) der Bevölkerung immer verdächtig geblieben. Niemand wußte genau, warum sie fortgezogen waren, sie selbst sprachen nur von etwas Furchtbarem, das über ihre Heimat gekommen sei, soweit man überhaupt das Fearann Ruadh als ihre Heimat bezeichnen kann, liegen die Wurzeln ihrer Herkunft doch im weit, weit im Süden gelegenen Inselkontinent Huanaca. Auch blieben die Fremden immer verschlossen, sprachen selten mit anderen Menschen, aber sie rotteten sich auch nicht zu Gruppen zusammen, sondern lebten alleine für sich in den fremden Städten und größeren Dörfern, in denen man sie leben ließ. Viele Dörfer ließen sie trotz aller Skepsis ansiedeln, da sie unbestreitbar ein großes Wissen über Kräuter und die Natur im allgemeinen besaßen; viele besaßen auch Wissen über die Zukunft und konnten sie vorhersagen.

Aber nun hatte sich alles verändert. Die Hexen und Hexer hatten ihre Verkleidung abgeworfen, hatten Dämonen beschworen, Kinder ermordet, um ihr Blut und ihre Herzen einem grauenhaften Vampirgott namens Camatzoz zu opfern. Sie weissagten, daß die Welt vor einer großen Veränderung stehen würde. Camatzoz werde vom Himmel steigen und mit seinen Heerscharen von Monstren all jene hetzen, die ihn nicht verehrten. Dann würden alle, Albionis und Erainner, die Rache für all das, was sie seinem Volk, den Huachahatschis, in ihrem Exil, angetan hätten, zu am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Das Grauenhafte war, das scheints alle Nacehual, wie sich die Huachahatschis, die an Camatzoz glaubten, nannten, am gleichen Tag zur gleichen Zeit ihren Gott angerufen und sein Gefolge in Form von Dämonen beschwört hatten. Viele waren noch am gleichen Tag von der Bevölkerung gelyncht worden, so wie ??? in Corinnis, andere wurden von den jeweiligen Fürsten zum Tode verurteilt. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis auch sie, Huracana, dran glauben müßte. Sie mußte fort von hier, das Leben war ihr unerträglich, sie spürte die haßerfüllten Blicke in ihrem Nacken, aber bis jetzt hatte noch niemand gewagt, sie öffentlich anzugreifen. Allen hier in Corrinis, wie anderswo, schien klar zu sein, daß sie und ihresgleichen am Erstarken der finsteren Kreaturen, die nachts durch die Wälder schlichen und denen schon häufiger die Bevölkerung eines ganzen Dorfes in einer einzigen Nacht zum Opfer gefallen war, Schuld hatten. All jene, die Verluste in ihrer Familie oder ihrem Bekanntenkreis erlitten hatten, sahen in ihr den Feind. Dabei war ihr selbst nicht klar, was vor sich ging.

Sie seufzte und blickte sich um. Es goß immer noch in Strömen. Das vorteilhafte am Regen war, daß sich nur diejenigen auf der Straße befanden, die unbedingt mußten, und auch die hatten nichts anderes im Sinn, als möglichst rasch ins Trockene zu kommen. So konnte Huracana, wenigstens für eine Weile, ihrer Herberge, Sherlocs Speerspitze entkommen und ein wenig die durch den Regen sauber gewaschene, frische Luft genießen. Sie sah vor sich das Seetor, auf das sie ohne sich dessen bewußt zu sein zugesteuert war. Sie ging an der Wache vorbei, die sie nur finster anstarrte, und setzte sich unter einem vorspringenden Dach auf eine Taurolle. Außer ihr war niemand auf dem Kai, bis auf einen alten Mann in einem weiten schwarzen Cape, neben ihm ein hohes weißes Roß. Sie wunderte sich, was wohl ihn bei diesem Wetter nach draußen trieb. Ob wohl auch er nicht von hier kam und jenseits des Meeres, jenseits der grauen Wand, die der Regen bildete seine Heimat suchte?

Wo war ihre Heimat? Wie lange war es her, daß sie ihr Dorf auf der Vulkaninsel Prtlpmpf verlassen hatte. Aber sie erinnerte sich kaum an Prtlpmpf. Viel mehr verbunden fühlte sie sich dem Fearann Ruadh, wo sie Smtrll, die Tochter des Fürsten zur Freundin gewann. Ihre Freundschaft wurde so eng, daß sie Blutsschwestern wurden. Smtrlls Vater, der Fürst der Huachahatschis, hatte nur sehr wenig Macht und befand sich in ständigem Kampf gegen die Priester Camatzotzs. Er spielt nur noch die Rolle einer Alibiperson den Huachahatschis gegenüber, er war nicht mehr als eine Marionette und seine Bemühungen waren hoffnungslos gewesen. Smtrll litt unter dieser ständigen Gefahr, in der sie und ihr Vater lebten. Sie war sehr zurückgezogen und konnte sich schlecht gegen andere Menschen zur Wehr setzen.

Als Huracana älter wurde, beschloß sie das Fearann Ruadh zu verlassen, um dem Fürsten zu helfen. Sie wußte, daß die Kämpfe gegen die benachbarten Erainnischen Dörfer, die immer mehr Huachahatschis in die Klauen der Schamanen, die Camatzotz anbeteten, trieben, ständig neu aufflackerten, weil die Huachahatschis Lieferungen mit Eisenwaffen erhielten. Sie selbst waren nur in der Lage, Waffen aus Holz und Stein herzustellen. Diese Lieferungen kamen von einem Mann namens Gundar MacBeorn.

Seit dieser Zeit war sie auf der Suche nach diesem Menschen gewesen. Eine lange Odyssee durch Erainn und vor allem durch Albion schloß sich an. Sie wurde einsam, denn in Albion galt es für Frauen als nicht gehörig, eine Waffe zu tragen, und Huracana wurde als Primitive und Hexe beschimpft. In ihrer Heimat war sie immer sehr umgänglich und mitteilsam gewesen, aber hier wurde sie immer mehr zur Einzelgängerin. Schließlich hatte sie Gundar hier in Corrinis gefunden. Aber so lange sie auch versucht hatte, ihm auf die Schliche zu kommen, nichts deutete darauf hin, daß MacBeorn irgend etwas mit diesen Waffenlieferungen, die gewiß nicht legal waren, zu tun hatte. Aber eines Tages hatte sie Erfolg und konnte einer merkwürdigen Lieferung folgen, die in Richtung der Nebelberge ging. Sie ging an Orcs! Dort traf sie dabei auf Amonethorr und seine Freunde.

Aber endgültig hatte sich das Rätsel vor kurzem aufgelöst: Schmuggler hatten im Namen MacBeorn Waffen geschmuggelt. In wessen Auftrag, das hatten sie leider nicht erfahren können.

Huracana fuhr zusammen.

Da war es wieder, diese Furcht um ihre Blutsschwester Smtrll. Seit der Nacht, in der die Huachahatschis in allen Städten öffentlich Camatzotz angebetet und seine Dämonen beschworen hatten, hatte Huracana diese Angstanfälle, die sie immer in Schüben überkam. Und sie wußte, daß diese Angst nicht grundlos war. Irgend etwas war vorgefallen im Fearann Ruadh. Sie mußte heim, um herauszufinden was und um ihre Schwester zu beschützen.

Es hatte aufgehört zu regnen. Huracana erschauerte in einer feuchtkalten Windböe. Der fremde Mann war fort; sie war so in Gedanken versunken gewesen, daß ihr das erst jetzt auffiel. Einige Arbeiter, die das Ende des Regengusses abgewartet hatten, kamen aus den Häusern auf den Kai. Es war Zeit für Huracana, wieder zu Sherlocs Speer zurückzukehren. Sie freute sich auf die Gesellschaft mit Freunden, die sie so überraschend wieder getroffen hatte. Vor allem Amonethorr, er schien sie wirklich verstehen zu können. Aber auch auf die anderen. Sie schmunzelte bei den Gedanken an Trixom, der nichts auf seinen Vater kommen ließ. Hinter Sulvahîrs unscheinbarem Äußeren versteckte sich ein anständiger Kerl. Zogar war ihr ein wenig fremd geblieben. Sie konnte nie so richtig herausfinden, was hinter seinem nur wenige Gefühle zeigenden Gesicht vorging. Aber sie dachte auch an das Schicksal, daß er als Sklave der Orcs all die Jahre in den Nebelbergen gleich vielen Generationen vor ihm hatte erleiden müssen. Syvann war wohl auch in der Stadt, aber sie hatte ihn noch nicht getroffen. Einzig mit dieser Tuilja wurde Huracana nicht grün. Es war irgend etwas an ihr, daß sie ständig provozierte.

Ihre Schritte hatten sich zunehmend beschleunigt, als mehr und mehr Menschen auf die Straße kamen und jetzt war sie froh vor ihnen in Sherlocs Speer Schutz zu finden. Da saßen auch schon ihre Freunde am Tisch und unterhielten sich. Sie setzte sich zu ihnen und genoß still das Gefühl der Sicherheit. Auch die spitzen Bemerkungen Tuiljas konnten ihr nichts anhaben.

Sie saß noch nicht lange so, als sie Fetzen einer Unterhaltung hinter ihr hörte. Offensichtlich spottete ein Barbar über "diese Wilde". In ihr zog sich alles zusammen. Sie konnte nichts dagegen tun; langsam sammelten sich wieder Haßgefühle in ihrer Brust. Sie wollte nicht, nein, sie wollte nicht immer wider Kampf und Haß, sie wollte nur friedlich hier sitzen und ihren Freunden beim Gespräch zuhören, aber mit jeder Bemerkung trieb sie weiter in ihre Wut hinein.

Der Barbar wurde lauter und legte es offensichtlich auf einen Streit an, die Mehrzahl der Besucher hinter sich wissend.

Ihre Finger wanderten langsam unter den Tisch und spielten mit dem Griff ihrer Peitsche.

Hinter ihr das primitive, dumme Gelächter, da brannten plötzlich sämtliche Sicherungen in ihr durch, die Peitsche flog mit einem zischenden Geräusch durch die Luft und wickelte sich um den Hals des Barbars. Mit einem Ruck riß sie ihn von seinem Barhocker. Mit vor Überraschung weit aufgerissenen Augen versuchte er sich mit einer Hand abzufangen, während die andere sich an seine Fesseln krallte. Aber sie war schon bei ihm, stemmte ihr einen Stulpenstiefel auf seine Brust und zog mit aller Kraft an dem Peitschenriemen.

"Du armseliges, kleines Würstchen, da liegst du am Boden und winselst. Was ist das für ein Gefühl, so unter einer Frau zu liegen. Sonst begräbst du doch wahrscheinlich immer die Frauen unter deinem stinkenden Wanst. Warum wehrst Du dich nicht? Gerade hast du doch noch damit geprahlt, wie gut du mit deinem Schwert umgehen kannst. Bist du mit deinem Kurzschwert zwischen deinen Beinen genauso hilflos?" stieß Huracana in ihrem südländischen Dialekt in rasender Geschwindigkeit hervor.

"Was ist, hat es dir die Sprache verschlagen?" Der Barbar brachte nur ein Röcheln hervor.

In der Kneipe war es still. Einige waren aufgesprungen, alle starrten auf die Szene. Unter Huracana lag mit hochrotem Kopf, nach Atem ringend, der Barbar. Huracanas Freunde wurden unruhig. Würde sie bis zum äußersten gehen, würde sie ihn erwürgen? Amonethorr überlegte, ob er eingreifen sollte. Huracana blickte auf, Besucher wichen vor ihrem Blick zurück, vornehmlich jene, die gerade noch über die Witze des Barbaren gelacht hatten.

"Hat vielleicht irgend jemand sonst etwas dazu zu sagen?"

Niemand rührte sich.

Langsam entspannten sich Huracanas Muskeln.

Ihr Blick fiel wieder auf den Mann unter sich. Sie spuckte ihm ins Gesicht. Aber dann löste sie die Peitsche und trat ihn von sich.

"Ich rate dir: Paß auf daß ich nicht in der Nähe bin, wenn du das nächste mal von mir sprichst, meine Peitsche ist lang!"

Der Barbar kroch hustend über den Boden, versuchte aufzustehen, schaffte es schließlich und stolperte, Verwünschungen geifernd, aus dem Lokal.

Huracana ließ noch einmal ihren glühenden Blick über die Besucher des Lokals wandern, dann verließ sie den Raum und stieg die Treppen zu ihrem Zimmer hinauf. Sofort setzten laute Gespräche ein. Viele waren empört, einige riefen Sherloc zu, der wie immer stumm über seinem Schoppen Wein in der Ecke des Lokals saß, wie er so eine Hexe in seinem Haus übernachten lassen könne. Einer verkündete laut (es war derjenige mit dem der Barbar zuvor gesprochen hatte), er würde solange dieses Haus nicht mehr betreten, wie Hexer und Hexen unter diesem Dach Unterschlupf finden würden. Es gab auch einige, denen dieser Barbar schon lange auf die Nerven gegangen war und die ihm diese Demütigung von Herzen gegönnt hatten. Aber ihre Stimmen waren leiser.

Die Freunde saßen still beieinander und fühlten sich äußerst unwohl und mit kritischen Blicken beäugt. Amonethorr stand schließlich auf und folgte Huracana auf ihr Zimmer.

Dort saßen sie eine Zeit lang stumm beieinander. Ihnen war beiden klar, daß in dieser Stadt kein Platz mehr für sie war. Huracana erzählte von der Angst, die sie um ihre Blutsschwester hatte, und ihrem Plan, nach Quiphuc, das Zentrum des Fearann Ruadh, zu gehen und dort Smtrll zu suchen. Amonethorr beschloß, sie dorthin zu begleiten. Ursprünglich war er ja auf der Suche nach dem Eisenmann, wie er ihn nannte, nach Ageniron gekommen und vermutlich war er irgendwo im Huachahatschi-Land zu finden. Außerdem schien diese merkwürdige Schrift, die niemand entziffern konnte und die immer wieder ihren Weg gekreuzt hatte, ihren Ursprung dort zu haben. Die anderen Gefährten stimmten ebenfalls bei, Huracana ins Fearann Ruadh zu begleiten. Insbesondere Sulvahîr hatte das Anliegen herauszufinden, weshalb er, und wahrscheinlich auch die anderen, diesem Thalion im Wege standen. Es war zweifelhaft, daß er nach dem letzten Fehlschlag aufgeben würde. Nur Tuilja stimmte als letzte zu. Sie geriet in heftigen Streit mit Huracana ob ihres Auftrittes in Sherlocs Speer. Sherloc selbst war ebenfalls nicht angetan von diesem Zwischenfall. Er sagte, ihm sei es ja egal, wer bei ihm übernachte, ob dunkle Hautfarbe oder helle oder grüne, Hauptsache, es werde gezahlt und es gebe keinen Ärger. Störenfriede könne er nicht brauchen. Schließlich ließ er sie aber noch dort wohnen, nachdem sie ihm versprochen hatten, daß sie in Kürze Corrinis verlassen würden und sich in dieser Zeit unsichtbar machten.

Das Problem der Anreise war ebenfalls schnell gelöst. Finn Aonai, der inoffizielle Sohn Gundar MacBeorns, startete eine Expedition nach Etolia, einer Erainnischen Siedlung am Rande des Fearann Ruadh. Nachdem die Gefährten seinen Vater und seinen Ruf gerettet hatten war er nur zu gerne bereit, ihnen zu helfen.

Auf der Suche nach Huracanas Blutsschwester

chließlich war es soweit. Endlich konnte man dem so gefährlich gewordenen Corrinis den Rücken kehren. Im frühen Morgengrauen stachen sie in See. Die Fahrt sollte fast drei Wochen dauern und führte sie zunächst die Cranncaíle (kran kal’é: Bucht der Bäume) hinab. Bis auf Amonethorr, Syvann und Huracana war hatte noch niemand das offene Meer gesehen (Corrinis lag einige Meilen flußaufwärts von der Mündung des Tuarisc) und waren schon gar nicht auf einem Handelsschiff wochenlang über das Meer gereist. Die ersten Tage waren trotz des ernsten Anliegens für Trixom, Tuilja und Sulvahîr aufregend, während Zogar es vorzog, sich unter Deck aufzuhalten. Doch schon bald wurde das Wetter schlechter und Langeweile machte sich breit. Das kleine Handelsschiff war nicht dafür ausgelegt, Passagiere aufzunehmen, und so mußte man sich ein Lager zwischen den Waren suchen.

An Bord waren auch zwei Seefahrer, denen die Gefährten schon während des Kampfes gegen den Dämonen begegnet waren. Sie hießen Hülsüm und Grutar McHastel. Über die Nachrichten von den Huachahatschis und der Schreckensnacht waren sie bestürzt und also keinesfalls davon angetan, zwei aus diesem Volk an Bord zu haben. Aber sie freundeten sich während der langen untätigen Zeit an Bord mit den anderen an und erfuhren durch sie, daß der Zweck der Reise war, eben die Ursachen der Geschehnisse zu erforschen. So bauten sie auch ihre Vorurteile Amonethorr und Huracana gegenüber ab. Während der Fahrt war diese noch stiller als sonst. Als nach einigen Tagen Tuilja auf die Idee kam, Huracana könne ihnen ein wenig Huatisch beibringen, willigte sie ein, denn diese Beschäftigung lenkte sie ein wenig von ihren Sorgen ab.

Die Fahrt führte die Küste von Scuilcéachtar (skol’k’achter: Riedgrasland) entlang, einem trockenen Landstrich mit häufigen Laubbaumhainen. Sie passierten die Wasserstraße zwischen Imlachen (Marsch der Vögel) und der Insel Maraíleann (maril’a:n : Insel der Seefahrer). Finn erzählte, daß die Insel diesen Namen trüge, weil sie in ihren nur dem Ortskundigen zugänglichen Buchten Seeräuber beherberge. Glücklicherweise wurden sie von einem Überfall verschont. Sie passierten die Mündung des Runan (Weisheit), jenen bekannten Flusses, der von den Heiligen Höhen im Landesinnern herabkommt, wo die Töchter der Schlange, die Ingen Nathrach, in Teamhair (t’aur’: Erhebung, Hügel) die Rituale zu Ehren der Allumfassenden Schlange abhalten. Schließlich erreichten sie das Fearann Ruadh, daß seinen Namen zu recht trug, den aus dem Wasser ragten steil Klippen rötlicher bis gelber Farbe auf.

Sie waren bereits zwei Tage die roten Klippen entlang gefahren, als Huracana Finn bat, Ausschau nach Häusern zu halten, sie sei sicher, daß ihre Blutsschwester nicht weit entfernt sei. Finn war das Recht, er suchte nach neuen Handelspartnern, und war auf Etolia nicht unbedingt fixiert. Sie fanden eine Siedlung namens Srath Cadan und legten dort an.

Im Dorf erregten sie großes Aufsehen und wurden herzlich begrüßt. Es war eine kleine Siedlung, die Häuser waren wie fast überall in Erainn von ovalem Grundriß, das Erdgeschoß in hellem Stein, das Obergeschoß aus Holz gebaut. Die Witterung war hier deutlich südländischer, und obwohl der Frühling gerade erst angefangen hatte war es tagsüber schon angenehm warm.

Huracana und Amonethorr blieben bis zum Abend an Bord, sich hier, so dicht an der Grenze zum Huachahatschi-Land der Dorfbevölkerung zu zeigen wäre sicherlich nicht angebracht gewesen. Die anderen verbrachten den restlichen Tag im Dorf. Dort lud sie Ruigan ay Lian zu einem feierlichen Abendessen ein. Als sie sich ein wenig über die Huachahatschis umhörten, erfuhren sie, daß das Dorf gegen sie nicht Krieg führte, ihnen aber auch nicht unbedingt Freundschaft entgegenbrächte. Es habe in der Vergangenheit und auch jüngst wieder Vorfälle gegeben: erainnische Krieger seien tot gefunden worden, die nicht verwesen würden. Sie seine mit unbekannten Schriftzügen bemalt gewesen. Sulvahîr gelang es, bei sich bei der hiesigen Heilerin eine Leiche anschauen zu dürfen: Sie war der gleichen Art Schriftzeichen bemalt gewesen, wie sie sie auch in Llansilin gefunden hatten.

Zu dem Abendessen wurden auch Huracana und Amonethorr eingeladen. Während des Essens sprach Tuilja Ruigan ziemlich direkt darauf, ob er etwas von einer Huachahatschi Frau wüßte, die in sich in diesem Dorf befinde. Ruigan schien daraufhin nervös zu werden und wich der Frage aus, lud sie aber alle noch zu einem vertraulichen Beisammensein mit seiner Frau nach dem Essen ein.

Als sie also spät abends zu ihm gingen, bat er um Verständnis für sein Benehmen:

"Nicht alle hier im Dorf sind gut auf unsere Nachbarn zu sprechen. Tatsächlich hat vor kurzem eine Huachahatschi das Dorf aufgesucht, sie wohnt jetzt bei uns, aber fast niemand weiß davon." Er berichtete, daß wohl der Vater der Frau gestorben sei, und finstere Schamanen nach ihrem Leben trachten würden.

Kurz bevor sie das Haus erreicht hatten, wandte sich Huracana an Amonethorr:

"Ich möchte nicht, daß bekannt wird, wer ich bin. Ich bin mir nicht sicher, auf welcher Seite dieser Ruigan steht. Wenn ich jetzt Smtrll begegne, würde sich das kaum vermeiden lassen. Außerdem bin ich fest entschlossen, zu versuchen, diesem Camatzotz Kult ein Ende zu bereiten. Ich möchte nicht, daß Smtrll sich noch mehr Sorgen macht."

Sie setzte sich als von den anderen ab und verschwand allein in der Dunkelheit.

Als Amonethorr den anderen zu verstehen gab, daß Huracana ihre Schwester nicht sehen will, und wünschte, daß ihre Identität nicht preisgegeben werde, reagierten sie mißtrauisch. Insbesondere Tuilja verdächtigte Huracana eine Schwindlerin zu sein.

Es wurde ein sehr guter Wein aufgetischt und schließlich wurde Smtrll hereingebeten. Sie war ca. 25 Jahre alt, relativ hellhäutig, wie alle Huachahatschis vornehmen Geschlechts. Sie machte einen zurückgezogenen, verängstigten Eindruck, als sie ihre Geschichte erzählte.

"Als mein Volk vor vielen Jahren hier ankam, war es vertrieben worden von den Priestern eines Jaguarordens und hoffte, hier eine neue friedliche Existenz aufbauen zu können. Es war uns aber nie gelungen, die Vorurteile der Erainner, die uns als Primitive sahen, abzubauen. Dann erschien die legendäre Gestalt Mhi’ raqp’ nmonap, die uns den Glauben an den Gott Camatzotz lehrte und daß der Tag der Wiederauferstehung kommen werde, an dem er mit seinen Scharen von Monstren und Dämonen kommen und nur jene verschonen werde, die ihn verehrt haben. Um seine Macht aber zu stärken, müsse man ihn am Kzqlaq-gu, dem Tag der Anrufung, ihm Opfern, und zwar überall. Darum schickte er mein Volk hinaus in die Welt und nun, vor kurzem, war dieser Tag. Um denen, die an ihn glaubten, Macht zu geben, stahl er den Stein, der die Kräfte der Sonne stärkte, und brachte ihn in das Schwarze Herz der Finsternis, einem verborgenen Ort tief unter der Erde. Aus ihm ziehen die Schamanen die Kraft für ihr schlechtes Werk. Aber sie haben es nicht geschafft, den Huachahatschis ihr Vertrauen in ihren Fürsten zu nehmen. Jetzt ist er aber in der Nacht der Anrufung Kzqlaq-gu gestorben, und ich bin die Nachfolgerin. Ich stehe den Schamanen im Wege und bin mir sicher, daß man mich töten will."

Als sich die Gefährten an diesen Stein interessiert zeigten erzählte sie, daß er in dem nicht sehr bekannten Tempelbezirk liege.

"Man kann nur zu ihm mit Hilfe eines Zauberspruches. Nur mein Vater konnte ohne Zauberer zu sein zu ihm. Er hatte ein Amulett in Form eines dreistrahligen Sterns. Er wird jetzt noch 14 Tage im Tempelbezirk aufbewahrt, bevor man ihn verbrennt, an einem Ort, vor dem sechs behauene Steine liegen. Die Priester sind skrupellos und besitzen grauenhaften Mächte, sie können sogar das Tageslicht dir schwarze Düsternis verwandeln!"

Die Reise zum Tempelbezirk

m nächsten Tag beschlossen die Gefährten, Huracana bei dem Versuch, diesen Stein wieder zurückzugewinnen, zu begleiten, um so das drohende Unheil abzuwenden. Als Hülsüm und Grutar von ihren Plänen hörten schlossen sie sich sehr zur Mißfallen Finns, den Gefährten an. Der Dorfvorsteher versprach ihnen seine Unterstützung in Form von allen notwendigen Reiseutensilien und schon am darauffolgenden Morgen brachen sie auf.

Das Land war hier trocken, niedrige Vegetation wuchs auf den Hängen des hügeligen Landes. Nachts wurde es noch sehr kühl. Die Reise war die ersten Tage weitgehend unproblematisch, abgesehen von einer Schlange, die Sulvahîr, der Wache schob, aber gerade noch rechtzeitig entdeckte und unschädlich machte.

Eines Nachts jedoch bemerkten sie unheimliche Schatten, die sie aus der Dunkelheit beobachten. Als Zogar nach Farels Kriegshammer sah, lag auf ihm ein schimmernder Glanz. Dämonen! dachte er. Nach und nach wurden alle wach, denn diese Schemen waren für alle deutlich spürbar. Angst machte sich breit und wurde unerträglich.

"Aber wer hat sie beschworen?" flüsterte Tuilja.

"Vermutlich niemand", antwortete Amonethor. "In vielen Gebieten, in denen die Menschen die Mächte der Finsternis noch nicht verdrängt haben, können diese Wesen existieren, ohne, daß sie gerufen worden sind", und dachte an den Zug mit den Kriegern Llansilins durch die Nebelberge zurück.

Grutar plädierte dafür nicht länger zu zögern, sonder anzugreifen. Die anderen konnten sich dazu nicht entschließen, um den Lagerplatz war unübersichtliches Dickicht, denkbar schlecht geeignet für einen Kampf.

Aber schließlich hielt es Grutar nicht mehr aus. Mit einem Schrei stürzte er auf die Schatten zu, die in alle Richtungen auseinander liefen. Er versuchte einem zu folgen, aber ehe er den Schatten erreicht hatte, waren die anderen auf einmal hinter ihm und griffen ihn an.

Dies war das Zeichen für die anderen, einzugreifen. Zogar griff nach seinem Hammer und stürzte sich mit den anderen in den Kampf. Nach einigen erbitterten Minuten war es ihnen gelungen, ohne großen Schaden genommen zu haben, die Dämonen zu vertreiben.

Nach einer Woche, als sie gerade ein weit gestrecktes Tal durchquerten trafen sie unversehens auf einige Hua-Frauen, die vom Wasserholen kamen. Schreiend liefen sie ins Dorf zurück. Tuilja lief ihnen nach um zu sehen, ob das Dorf sie jagen würde, aber es hatte den Anschein, daß die Dorfbewohner eher von den Fremden einen Angriff befürchteten, als daß sie sie verfolgen würde.

Am Abend des 10. Tages, nachdem sie Scrath Dacrom verlassen hatten, es mußte der 3.Luchsmond gewesen sein, wies Huracana auf einen Hügel jenseits des Tales, über dem sie sich befanden.

"Dies sind die Tempelhöhen. Am rechten Hang kann man gerade so eine Kultstätte sehen. Ich selbst war nie näher am Tempelbezirk, als wir uns jetzt befinden. Das muß sechs Jahre her sein."

Sie diskutierten noch darüber, ob sie außerhalb der Sichtweite der Kultstätten mit Feuer lagern sollten – Feuer war notwendig, um dämonisch Wesen auf Distanz zu halten – oder ob sie riskieren sollten, ohne Feuer zu übernachten und dafür heute in der Dämmerung schon nahe an den Hügel zu gelangen. Sie entschieden sich für das letztere und hatten Glück, die Nacht verlief ereignislos.

der Tempelbezirk

m frühen, kühlen Morgengrauen des nächsten Tages packten sie still ihre vom Tau klammen Sachen zusammen und machten sich mit noch schläfrigen Gliedern auf den Weg zum Tempelberg. Sie hatten schon gestern abend einen breiten Pfad gefunden, der hinauf führte; dem folgten sie jetzt. Je höher sie kamen, desto beklommener wurde ihnen. Als der Weg noch breiter wurde beschlossen sie, von nun an äußerst vorsichtig weiterzugehen: einer sollte immer in Sichtweite vorausgehen, um den Weg zu erkunden. Tuilja erklärte sich dazu bereit.

Sie wählte den schmaleren, linken Pfad, als sie an eine Abzweigung kam, dort machte sie ein wenig später eine sehr merkwürdige Entdeckung. Sie winkte die anderen zu sich heran und zeigte, hinter einem Busch versteckt, auf ein sehr schönes Mädchen, daß in einem durchscheinenden Gewand gekleidet und vor sich hinsingend ihr Haar kämmte. Sie schien sie bemerkt zu haben und blinzelte Amonethorr erst lächelnd und dann verführerisch an. Nur die Nähe von Huracana hielt ihn davon ab, auf die Frau zuzugehen. Aber Hülsüm sah keinen Grund, dieser Frau zu mißtrauen, und eh die anderen, selbst vom Anblick gefangengenommen reagierten, ging er schon auf die Schöne zu, um sie zu anzusprechen. Aber sie blickte ihn aus ihren dunklen Augen an und reichte ihm ihre Hände; und sein Willen schmolz wie Wachs dahin. Er umarmte sie zärtlich und legte seine Lippen auf ihre; doch ihre Lippen waren hart und kühl. Da durchzuckte ihn ein Schlag und er prallte zurück. Vor ihm stand, wo sich eben noch die Frau befunden hatte ein Fels. Aus der Ferne meinte er ein leises spöttisches Lachen zu hören.

Die anderen standen mit offenen Mündern da, doch dann konnten sie sich nicht mehr halten, der Anblick, als Grutar zärtlich diesen Felsen umarmt und geküßt hatte, war zu komisch gewesen.

Grutar aber war eingeschnappt und blieb schmollend zu Füßen des Felsen sitzen. Aber Huracana rief sie wieder zur Vernunft und sie ließen Grutar da sitzen, in der Hoffnung, daß er ihnen schon folgen würde.

Sie folgten also wieder dem alten Pfad. Zwei Kilometer weiter hielt Tuilja an. Ihr war, als ob der Weg vor ihr verändert wäre. Als sie eine schweren Stein warf, brach unter ihm der Weg zusammen und offenbarte eine mit Dorngestrüpp ausgefüllte Fallgrube.

"Das hätte schmerzhaft werden können", bemerkte Hülsüm, "aber sagt, wo ist mein Kollege geblieben?"

Er schien ihnen nicht gefolgt zu sein, niemand war das aufgefallen. Hülsüm machte sich auf den Weg, um ihn zu suchen, aber nicht allzuweit entfernt schlich er ihnen schon schmollend hinterher. Er war jetzt sichtlich erbost, nicht nur wegen des Spottes, sondern auch weil ihn niemand vermißt hatte.

Sie übersprangen die Fallgrube und folgten weiter dem Weg eine halbe Stunde lang. Dann hatten sie die Schulter des langgezogenen Hügels erreicht und entschieden bei einer Wegkreuzung, dem Pfad entlang des Höhenzuges weiter aufwärts, also nach rechts, zu folgen. Schon bald stießen sie hier auf aufrecht stehende ein bis zwei Meter hohe Steine. Sie hofften schon, dies weise auf den Ort hin, wo der Fürst läge, dessen Amulett sie als erstes finden mußten, doch schnell stellte sich heraus, das unzählige dem Weg entlang aufgestellt waren.

Sie folgten dem Weg bis zum höchsten Punkt des Hügels. Von hieraus konnte man einen Überblick gewinnen. Auf der anderen Seite im Tal floß ein Fluß. Jenseits von ihm erhob sich eine weitere Erhebung, an dessen Flanke man große Felsen erkennen konnte, die teilweise auch durch Menschenhand geschaffene Mauern aufwiesen, eine weitere Kultstätte schien sich dort zu befinden.

Einen Kilometer weiter trafen sie auf eine Kreuzung und dahinter wieder stehende Steine, jetzt aber zu Formen von Kriegern behauen und dort hinter erhoben sich mächtige Monolithen, unter denen eine Öffnung hindurchführte. Nachdem sie auf die beiden abzweigenden Wege einen Blick geworfen hatten – der linke schien schmal, während der rechte sehr häufig benutzt wurde – beschlossen sie zu erforschen, was sich jenseits der Öffnung befand.

Arhagr–erster Kampf gegen die Dunkelheit

uilja, Amonethorr und Huracana schlichen sich vorsichtig an den Stelen vorbei und in den Eingang hinein. Aber ehe ihre Augen etwas in der dunklen Höhle erkennen konnten erscholl ein lauter Warnruf. Nur einen Moment dauerte der Schreck, dann stürzte Tuilja auf den nur schemenhaft zu erkennenden Krieger, während Amonethorr durch den Gang lief, um zu schauen, ob andere Wachen dem Ruf folgten. An einem Abzweig vorbei lief er auf einen großen Felsen und Mauern umgebenen, offenen scheinbar leeren Platz.

Aber hinter ihm kamen zwei weitere Wachen aus dem abzweigenden Gang heraus. Sie waren nur spärlich bekleidet und mit Keulen bewaffnet. Inzwischen waren auch Zogar, Hülsüm und Grutar da und griffen die Wachen an; Tuilja hatte bereits die erste durch einen Hieb auf den Kopf erschlagen. Der Gang war eng, so daß nur Huracana und Tuilja gegen die Wachen kämpfen konnten. Amonethorr versuchte zu helfen, indem er die Kräfte der Erdgeister um Hilfe für seine Freunde bat, doch es war im Gang zu dunkel und der Kampf zu unübersichtlich. Nur Zogar konnte er deutlich erkennen. Der Zauber gelang und Zogar fühlte ungewohnte Kräfte in seinen Armen.

Schließlich war es ihnen gelungen die Wachen ohne größere Verletzungen zu besiegen. Sie saßen eine Weile erschöpft mit zitternden Gliedern, um ein wenig Kraft zu sammeln, ehe sie die weiter Anlage untersuchen wollten. Doch noch ehe sie zu Ruhe gekommen waren erfüllten markerschütternde, gequälte Schreie den düsteren Gang. Sie kamen von außen, und als sich die Gefährten langsam erhoben, während ihr Herzen vor Furcht wild hämmerten, warfen vier schwarze Gestalten ihren Schatten in den Gang. In ihrem Schatten leuchtete ein Glanz auf Gurthrauk.

Die Geister griffen an. Sulvahir, Zogar und Huracana stellten sich ihnen in den Weg, so daß nur zwei Geister kämpften, während die hinteren nicht eingreifen konnten. Ein Hieb der Kurzschwerter, mit denen die Schatten kämpften, konnte Sulvahir nicht mit seinem Magierstab abwehren und brach seinen linken Arm. Auch Huracana, die mit einer Axt kämpfte, und Zogar wurden schwer bedrängt und mußten zurückweichen. Jetzt kamen auch die hinteren Geister durch.

Währenddessen hatten die übrigen Gefährten alle Hände mit zwei Huachhatschis zu tun, die aus einer der Kammern, die auf den inneren Platz führten, kamen. Tuilja und die beiden Seefahrer stürzten auf sie zu, doch ehe sie sie erreicht hatten, schwand das Licht und pechschwarze Dunkelheit breitete sich um sie aus, so daß sie nicht die Hand vor Augen sehen konnten; und aus der Dunkelheit kamen gezielte Dolchstöße auf Gruatar.

Sulvahir wurde von den Geister eingeholt und beschloß todesmutig, einen waghalsigen Zauber anzuwenden. Vor ihm zauberte er eine Feuerkugel und wartete auf die Geister. Im letzten Moment, bevor sie ihn erreicht hatten lies er sie direkt vor ihm explodieren, auf das Amulett vertrauend, daß er bei seiner Aufnahme in die Gilde des blauen Vogels erhalten hatte. Doch es war einen Moment zu früh, die Geister konnten noch ausweichen. Aber die Hitze des Feuers brannte das Amulett aus und Sulvahir wurde von der mörderischen Explosion weggeschleudert.

Amonethorr, der von außen sah, wie sich ein Teil des Platzes verdunkelte, beschwor die Geister des Lichtes. Licht rang mit Dunkelheit, schwarze Schatten wirbelten durch die Luft und wurden niedergerungen. Es wurde wieder hell und Grutar sah den Priester vor sich, der ihn angegriffen hatte. Tuilja stieß mit ihrem Dolch nach dem Kopf des Gegner und traf, der Priester sank mit einem Schrei nieder. Daraufhin begab sich Tuilja in die Kammer, aus denen die Priester gekommen war und durchsuchte sie. Gerade als die Seefahrer den zweiten Priester besiegt hatten, drohte neue Gefahr: Die Geister, die jetzt nicht mehr von Sulvahir aufgehalten wurden stürzten sich auf Amonethorr, Grutar und Hülsüm. Sie versuchten zu fliehen, doch ein Geist traf Hülsüm am Bein: er stolperte und fiel.

In einer Tür zu einer weiteren Kammer erschien jetzt ein prächtig gekleideter Priester. Auf seinem Gewand befand sich das Wappen der albischen Vraidos-Priester, ein grüner Kreis mit Sechs nach innen weisenden, goldenen Dreiecken. Er setzte zu einem furchtbaren Zauber an, alles schien verloren. Doch in diesem Moment kam Tuilja wieder aus der Kammer in der sie verschwunden war und mit einem Schlag hatte sie ihn niedergestreckt. Aus dem Eingang kamen jetzt auch Huracana und Zogar und lenkten die Geister von Hülsüm ab. Auch Amonethorr – schon den ganzen Kampf über heftig hin- und herspringend – drehte um und rannte jetzt wieder auf die Geister zu. Gemeinsam schließlich gelang es ihnen sie zu besiegen.

Amonethorr lief zu Sulvahir, der regungslos ab Boden lag; sein Körper war in den Flammen der Feuerkugel von Brandwunden übersät, aber mit viel Glück hatte er die Explosion überlebt. Der Schamane sprach Zauber der Heilung, die den Schmerz linderten und Sulvahir es ermöglichten, ohne Stütze zu gehen. Auch Hülsüms Wunde wurde behandelt. Tuilja und Zogar unterdessen überzeugten sich davon, daß die besiegten Gegner tot waren, wer noch lebte wurde erstochen. Als Amonethorr sah, was die anderen getan hatten, war er von ihnen entsetzt. Er setzte sich abseits und war nicht ansprechbar.

Nachdem sie eine Weile gerastet hatten, fing Tuilja an, die Kultstätte systematisch zu durchsuchen. Sie fand unter anderem zwei Bücher, Tagebücher scheinbar, in albionisch geschrieben von einem Huachahatschi, die den Exodus der Huachahatschis vor einem halben Jahrhundert beschrieben. Auf den Felsen fand sie eine Felsplatte, die am Boden lag. Ein mit schwarzem Sand bedeckter Gang führte zu ihr. Auf ihr war eine Vertiefung in Form eines dreistrahligen Sterns. Nach und nach kamen auch die anderen hinzu. Allen war unwohl in der Nähe der Felsplatte. Sie, oder was unter ihr war, verbreitete Kälte und Unbehagen.

"Die Form des Sterns sieht genauso aus wie ein Amulett, daß der Fürst trug. Könnte sein, daß wir hier den Eingang zum Schwarzen Herzen gefunden haben," vermutete Huracana.

"He, Zauberer, komm mal her, so was ist deine Aufgabe," rief Tuilja Sulvahir zu. Der quälte sich die Leiter auf den Felsen hoch und kam zu ihnen. Nachdem er die Platte grob untersucht hatte legte er seine Stirn auf sie und konzentrierte sich. Dann, unter großer Anstrengung, durchdrang sein Blick den Fels. Es war dunkel. Einen Teil der Konzentration darauf nutzend, den ersten Zauber aufrecht zu halten, verwandte er den anderen Teil darauf, die Fähigkeit seiner Augen zu erweitern.

"Die Platte scheint kalt zu sein, aber ihre Wärme reicht dennoch aus, den darunterliegenden Gang zu erleuchten," erklärte Sulvahir langsam. "Eine Leiter führt senkrecht hinab... ich sehe den Grund, da ist ein horizontaler Gang... mehr kann ich aber nicht erkennen."

Sie versuchten gemeinsam, die Platte von der Stelle zu schieben, aber sie bewegte sich keinen Millimeter.

"Keine Chance, wir brauchen dieses Amulett, um darunter zu kommen, schätze ich...", bemerkte der Hülsüm. Die anderen stimmten bei.

"Aber diesmal werde ich die Führung übernehmen," sagte Trixom. "Wir haben großes Glück gehabt, daß wir hier keinen stärkeren Gegner gehabt hatten. Aber das nächste Mal könnte das unser Ende bedeuten, so planlos in einen Kampf zu stolpern."

Die anderen stimmten bei, und so führte Trixom die Gruppe an. Als sie die Kultstätte verlassen hatten sahen sie vor sich die Stelen.

"Halt! Ich habe keine Lust gleich wieder auf ein paar von diesen Geistern zu treffen. Möglicherweise kamen sie aus diesen Steinen, nachdem wir sie herbeigerufen hatten, als wir zwischen diesen Stelen hindurch gegangen waren," meinte Trixom.

"Aber außen an ihnen vorbei kann lange dauern: seht, wie dicht das Gewächs ist, das den Weg säumt," sagte Tuilja." Wir könnten über ihnen hinweg klettern," und da die anderen keine bessere Idee hatten, machte sie es ihnen gleich vor. Sie kletterte auf die erste Stele, sprang von einer Spitze auf die anderen und hinter der letzten wieder auf den Boden. Nichts war geschehen, keine neuen Geister hatten sich gezeigt. Hülsüm macht es ihr nach, doch den anderen schien die akrobatische Übung zu waghalsig und so schlugen sie sich doch einen Weg durch das Macquia, wie hier der Name für das dichte Bodengewächs war.

 

Das alte Sonnenheiligtum

ie wählten auf der Kreuzung den Weg nach Westen, der sie in das Flußtal auf der anderen Seite des Hügels brachte. Auf halber Höhe stießen sie wieder auf einige behauene Stelen. Tuilja’s Vorschlag wieder über sie zu klettern wurde diesmal abgelehnt, und so machten sie sich die Mühe einen neuen Pfad außen herum zu schlagen.

Schließlich erreichten sie den Fluß und mußten feststellen, daß keine Brücke über ihn führte. Es war nicht gerade ein mächtiger Strom, aber das Wasser floß zu schnell, um hindurch zu schwimmen. Aber auf der anderen Seite führte deutlich sichtbar ein Weg weiter. Ratlos blickten sich die Gefährten um. Grutar entdeckte einige Schritte entfernt eine schmale, mannshohe Felssäule, in die zwei sie umfassende Rillen geschlagen worden waren. Auf der anderen Seite befand sich ein ähnliches Gegenstück. Sie rätselten über den Sinn dieser Einrichtung, womöglich diente es als Befestigung für eine Seilbrücke. Glücklicherweise hatten sie ausreichend Seil dabei, doch der Fluß war breit und es war keineswegs einfach, die Felssäule mit der Seilschlinge zu treffen. Weder Hülsüm, noch Tuilja gelang es, erst als sich Sulvahir daran versuchte, hatte er
Erfolg. Tuilja, akrobatisch geschult, balancierte auf diesem Seil über den Fluß, wofür sie einen Applaus ihrer Freunde erntete. Auf der anderen Seite entdeckte sie, daß dort in der Rillen der Stele schon Seile waren, die in den Fluß führten und auf der anderen Seite hinter einem Gebüsch versteckt endeten. Nachdem die Gefährten diese Seile an der diesseitigen Stele befestigt und so eine primitive Seilbrücke aus zwei Seilen geschaffen hatten, konnte auch sie den Fluß überqueren. Um ein Haar wäre dabei Trixom in die Fluten gefallen.

Aber schließlich waren alle wohlbehalten auf der anderen Seite angelangt, und sie folgten dem Weg aufwärts auf den nächsten Hügel. Einige Zeit später trafen sie auf eine Abzweigung, aber sie folgten dem ursprünglichen Weg weiter zur Kuppe hinauf. Als sie diese endlich erreicht hatten war es bereits Mittag und die heiße Sonne stand im Zenit. Von oben konnten sie wieder einen Überblick gewinnen. Hinter ihnen lag die Kultstätte, die sie erforscht hatten und vor ihnen führte der Pfad hinter einer Biegung auf einen breiten, symmetrisch von ebenmäßig behauenen Stelen gesäumten Weg. Dieser mündete in einem Steinkreis. Der Boden dieses Weges war von hellem, sauberen Sand bedeckt und die Anlage schien nirgendwo von Macquia bewachsen, als ob eine Macht dem Gestrüpp Einhalt gebot. Langsam schritten sie den Weg hinab, denn dieser Ort strahlte ein Gefühl von Sicherheit aus.

Aber auf halben Weg zum Steinkreis war es ihnen unmöglich weiter zu gehen. Ehe sie sich darüber klar wurden, was genau sie aufhielt, vernahmen sie eine Stimme.

Kein Gold, kein Silber kann heller
kein Vogel in Lüften kann schneller,
kein Pfeil durchdringender sein;
verwahret Fenster und Riegel,
er bricht nicht Stäbe noch Siegel
und dringt doch plötzlich hinein.

Sie schauten sich gegenseitig an, um sich zu vergewissern, daß auch die anderen die Stimme gehört hatten.

"Ein göttliches Rätsel, nur die richtige Antwort wird uns Zutritt verschaffen," flüsterte Huracana ehrfürchtig.

"Vielleicht Liebe," riet Tuilja.

Amonethorr stimmte ihr bei, also spracht Tuilja das Wort noch einmal deutlich aus, aber nichts geschah, eine nicht festzumachende Kraft versperrte ihnen weiterhin den Weg.

"Licht ?" fragte Sûlvahir und Trixom gleichzeitig und sofort spürten alle, daß der Bann gebrochen war.

Vorsichtig und ergriffen schritten sie in den Steinkreis. Irgend etwas hier gab ihnen das unbeschreibliche Gefühl von Ruhe und sie hatten das Gefühl, daß es hier heller war. In der Mitte des Steinkreises stand ein 2 Meter hoher, viereckig geschliffener Monolith aus weißem Stein. Tuilja ließ sich von Hülsüm anheben und warf einen Blick auf die obere Seite des Steins und entdeckte dort eine runde Vertiefung.

"Wie geeignet, um dort eine Kugel hineinzulegen," sagte Tuilja.

Hülsüm nickte. "Hierher müssen wir also diesen magischen Stein bringen, wenn wir ihn gefunden haben sollten."

"Und überlebt haben sollten," fügte Grutar hinzu.

Sulvahir untersuchte unterdessen die äußeren Menhire, die den Steinkreis bildeten. Sie waren ebenfalls von rechteckigem Querschnitt und geglättet, aber aus grauem Granit gefertigt und nicht so hoch wie der mittlere. Erstaunt stellte er fest, daß das Macquia zwar bis dicht an den Fels wucherte, diesen aber nirgendwo berührte.

Sie rasteten noch eine Weile und aßen ein wenig, machten sich dann aber wieder auf zur Suche nach dem toten Fürsten und seinem Amulett.

Cucrzu–die zweite Kultstätte

iesmal gingen sie den abzweigenden Pfad entlang, den sie schon entdeckt hatten, als sie den Hügel erklommen hatten. Nicht allzuweit waren sie ihm gefolgt, da konnten sie einen ähnlichen Zugang ausmachen, wie sie ihn schon bei der ersten Kultstätte gesehen hatten. Sie zogen sich erst einmal wieder ein Stück zurück, um sich zu besprechen.

"Diesmal kein so planloses Vorgehen wie beim erstenmal!" schärfte Trixom ihnen ein. "Zunächst werden wir auskundschaften, ob auch hier Huachahatschis leben. Wer wird das übernehmen."

Letztendlich beschlossen sie wieder, daß Tuilja dies übernehmen sollte, war sie doch in solchen Dingen wie Schleichen die beste von ihnen. Um ihr aber nicht vollkommen ausgeliefert zu sein, begleitete sie Trixom ein Stück. Der Rest sollte zurückbleiben und sich bereithalten, falls etwas schief gehen sollte. Beide schlichen sich also an, aber diesmal wollten sie nicht den Eingang benutzen. Statt dessen erklomm Tuilja die Mauer und warf von oben einen Blick auf die Anlage.

Sie bestand wieder aus einem Platz, der Umgeben war von einer Mauer aus natürlichen Felsen und aufgeschichteten Steinen. Mehrere Zugänge führten zu Kammern innerhalb der Mauer. Den hinteren Abschluß bildete eine steil abfallende Felsenklippe. In der Stätte gingen eine Handvoll Huachahatschis alltäglichen Besorgungen nach. Tuilja beschloß auf der Mauer noch ein Stückchen weiter zu schleichen, um einen genaueren Überblick zu gewinnen.

Die anderen wurden allmählich nervös und Amonethorr winkte Tuilja heftig zurück, aber sie bekam davon nichts mit. Als sie direkt über dem Kopf eines Mannes war, der Korn mahlte, rutschte einige Steinchen von der Mauer. Sie preßte sich flach auf den Boden und hielt den Atem an. Der Mann stand auf, ging einige Schritte zurück, bis er Tuilja dort liegen sah. Sie blickten sich in die Augen, der Mann schien grenzenlos erstaunt. Tuilja lächelte ihn verlegen an. Inzwischen waren auch einige andere auf die Besucherin aufmerksam geworden, und einer verständigte das Oberhaupt. Sich ihrer lächerlichen Lage bewußt werdend stand Tuilja aus dem Schmutz auf und grüßte die Menschen freundlich. Den Priester schien aber nicht so entgegenkommend zu sein und brüllte einige Worte, woraufhin einige Huachahatschis eine Treppe hinaufgelaufen kamen. Nun rief Tuilja auch ihren Freunden die Lage zu, aber die hatten schon das Verhängnis mitbekommen und kamen auf die Kultstätte zugelaufen.

"Phantastische Planung," knurrte Trixom, aber es war keine Zeit mehr für geordnetes Vorgehen.

Um die Huachahatschis zu beeindrucken holte Tuilja das blutbefleckte Gewand des Vraidos-Priestes hervor, aber statt sich damit die beeindruckten Männer vom Leib zu halten erreicht sie das Gegenteil: Nur einen Moment währte das Erstaunen, dann gerieten sie außer sich. Der Priester hob beschwörend die Hände und stieß einen Fluch auf Tuilja aus, aber in diesem Moment kamen schon ihre Gefährten in die Anlage gerannt. Hülsüm rannte die Steintreppe hinauf, um von oben einen Pfeil auf den Priester zu schießen, Trixom erschlug mit einem Hieb einen Hua, der sich ihm in den Weg stellte.

Aber nun senkte sich wieder eine mit den Augen undurchdringliche Dunkelheit auf die Charaktere. Die Dunkelheit schien die Huas aber nicht zu behindern, denn ein Hieb ging um Haaresbreite an Tuilja vorbei, die mittlerweile von den beiden Huas erreicht worden war, auch Hülsüm wurde angegriffen. Doch Amonethorr beschwor bereits wieder die Geister des Lichts, die in der Luft die Dunkelheit niederrangen. Die Gegner wurden wieder sichtbar. Huracana ließ ihre Peitsche knallen und traf den Priester derart, daß er mit einem schmerzverzerrten Gesicht aufschrie und zu Boden ging. Ohne die schützende Dunkelheit konnten die Huas nicht viel ausrichten, und in kurzer Zeit hatten Trixom, Tuilja und Hülsüm die anderen Huachahatschis erschlagen. Huracana fesselte mit einem weiteren Hieb ihrer Peitsche den Priester, Hülsüm und Trixom stürzten sich auf ihn und hielten ihn fest. Sie versuchten noch eine Weile, ihn zum Reden zu bringen, aber nachdem er nur Flüche und einmal eine erneute Dunkelheit auf sie herabrief, entschieden sie, daß es zu gefährlich sei, ihn am Leben zu lassen und warfen ihn die Klippe hinunter. Amonethorr blickte weg.

Aber nun kam ein erneutes Donnerwetter auf Tuilja herab:

"Wie konntest Du? Wir hatten ausgemacht, daß Du lediglich einen Blick auf die Stätte wirfst und nicht, daß Du waghalsige Unternehmung auf eigene Faust startest!" fluchte Trixom.

"Er hat recht, gottverdammt! Diese Frau ist ein zu großes Wagnis für uns. Sie richtet mehr Schaden an, als sie taugt," stimmt Huracana bei.

"Es ist ja gut," verteidigte sich Tuilja, "es wird nicht wieder vorkommen, ehrlich. Ich habe es nur gut gemeint. Das nächste mal werde ich vorsichtiger sein."

Sulvahir hatte die Kammer des Priesters entdeckt und dort eine Schriftrolle gefunden, auf der in Zauberschrift der Zauber Stimmenwerfen, festgehalten war.

Sie entdeckten wieder einen Zugang mit einem dreistrahligem Stern, aber wiederum ließ sich der schwere Stein nicht von der Stelle bewegen.

"Was bleibt jetzt noch, wo könnte der Fürst jetzt noch sein," fragte Grutar.

"Da war noch ein Abzweig, ganz zu Beginn, an dem Weg mit den vielen Steinen," meinte Zogar, "es bleibt uns nichts anderes übrig, als wieder dorthin zurückzugehen."

 

Der Fürst

ie marschierten also wieder zum Fluß, überquerten ihn, durch den selbstgeschlagenen Pfad an den Menhiren vorbei, die lange Steinallee entlang, bis sie schließlich, der Tag ging allmählich zur Neige, wieder den Abzweig erreicht hatten. Sie folgten ihm einige Meter und sahen einen großen, innen hohlen Felsen.

Vor ihm standen 6 Menhire. Endlich. Hier mußte der Fürst aufgebahrt sein.

"Diesmal bleibt Tuilja zurück und ich werde mir die Sache anschauen," beschloß Amonethorr.

Er schlich zum Eingang. Würziger Rauch drang daraus hervor. Er brauchte einige Zeit, bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Aber der Priester im Innern hatte die Gestalten draußen schon längst wahrgenommen. Jetzt, wo sich eine soweit genähert hatte blieb ihm nichts anderes übrig, als die Menhirgeister zu beschwören. Mit lauter Stimme sprach der die Formel. Amonethorr stürzte noch halbblind auf den Mann zu, um ihn zu stoppen, aber gerade als er ihn erreicht hatte ertönten vier gellende Schreie, als sich aus den Menhiren schwarze Geister schälten. Aber dies war die letzte Tat des Mannes, nach einem kurzen Kampf war er Amonethorr unterlegen. Sein Gefährten fochten derweil einen Kampf gegen die Geister und obsiegten schließlich.

In der Kammer lag tatsächlich der Fürst, ein bärtiger, etwa 60 Jahre alter Mann. Seine Leiche war in prunkvollen, blutroten Gewändern gekleidet. Er trug einen kronenartigen Kopfschmuck aus einem schwarzen, ledernen Stirnband und mehreren roten Federn. Auf seiner Brust fanden sie ein Amulett aus schwarz glänzendem Stein, kreisrund, auf der Vorderseite einen dreizackigen Stern in einem Kreis eingraviert.