Auf der Suche nach Ceorl Irenhead

 

 

 

Datum: Anfang Oktober 1995

 

Personae dramaturgis:

Amonethorr prtlmpfischer Schamane Thomas Stein

Trixom Kojol albionischer Glücksritter Tom

Tuilja albionisch Gauklerin Malte

 

 

lso diesmal zogen nur wenige von unserer bunten Schar aus, um wieder einmal eine Feuerechse zu besichtigen, nachdem unsere letzte Begegnung mit solch fleischgewordenem Elementar in den Nebelbergen recht kurz und warm gewesen war. Hm, besser gesagt heiß, ein paar Brandnarben zieren jetzt noch meine Unterschenkel. Warum Zogar sich resolut weigerte mitzukommen weiß sich nicht, aber ich habe einmal gehört, daß zwischen dem Volke der Zwerge und dem der Drachen so eine Art Erzfeindschaft bestehen soll – irgendwie schon klar, Zwerge sammeln ja haufenweise Metallklumpen aller Art, und Drachen setzen sich dann einfach drauf und rücken nix mehr raus, Da wär ich auch sauer. Kurzum: Tuilja, Trixom und ich waren neugierig genug, einmal "Feuerberg live" zu erleben. Trixom wohl, um sich mal eine kleine Erholungspause von seinem neuen Lieblingskind, dem Burgenbau zu gönnen, Tuilja aus der ihr innewohnenden Neugier gegenüber allem Lebendigem, und ich aus Interesse an der feurigen Natur dieses Wesens. Tuilja’s Begleitung erschien mir schon allein deshalb angenehm, um tags und nachts genügend Kurzweil zu haben (sie kann auch sehr feurig sein, auch wenn sie nicht an Huracana’s Glut heranreicht). Trixom hingegen war seit unserem Aufenthalt im Karmodin, wo er erste Zusammenhänge zwischen materieller Welt und Geisterwelt einzusehen begann, nun sehr mit dem Aufbau seiner (!) Burg beschäftigt, und schien für seine alten Kampfgefährten kaum noch Zeit zu haben. Dauern faselte er von irgendwelchen Gewichten und Reisen, bis mir der Kopf brummte und ich mich wieder in meine Geliebten Wälder zurückzog.

 

unja, immerhin ging es endlich los. Die Reise selbst bot für mich wenig neue Erkenntnisse, aber unweit der Drachenhöhle sah ich IHN dann: Ein Wacholderbusch, stolz und hochgewachsen in den Himmel die Wurzeln voller Kraft fest in der Erde verankert, ein Fürst unter den Seinen. Ich konnte förmlich hören, wie er Lebenskraft aus dem Erdreich sog. Ich setzte mich zu ihm, und nach einer Weile des Lauschens konnte ich die sprachlose Sprache der Essenz dieses Wesens vernehmen. Viel zu dem Drachen konnte SIE mir aber auch nicht sagen. Nach einer Zeitspanne, deren Länge wenige Minuten oder auch viele Stunden betragen haben mochte (die Spätnachmittagssonne war am Himmel zu sehen) verabschiedete ich mir leise und fand bald darauf meine beiden Gefährten im hiesigen Wirtshaus wieder, Tuilja, wie sie gerade einen gewagten Tanz über den Tischen aufführte, und Trixom im noch etwas zaghaften Flirt mit einer sympathischen jungen Frau, die ich bald darauf als Gwendolinea ni Beorn kennenlernen sollte. Oha, unser guter Burgherr auf der Suche nach einem Burgfräulein? Nun gut, ich bemühte mich zuerst um etwas Flüssigkeit nach der langen Reise. Bier ? Nö, viel zu bitter, ich brauchte schon was Richtiges, einen Gebrannten, oder auch zwei oder drei, oder so. Und ‘ne Frau. Tuilja war grad’ beschäftigt. Was nun? Der Gebrannte kam, nur die Frau ließ auf sich warten. Mist, muß mann hier denn alles selber machen, bei allen Geistern und Wurzelzwergen (oh, Zogar, dies sollte keine Beleidigung sein !) ? Na gut. Erstmal den Gebrannten (das ist auch so’n Betrug – gebrannt dürften die gar nicht heißen, weil, sie brennen ja noch Ta-honck! Zumindest beim Trinken.) – ja, also, den Gebrannten wegkippen (es war schon der zweite) und nach einer Frau Ausschau halten. Oh, da war tatsächlich eine, aber ihr hingen die Männer schon an wie Trauben an der Rebe, die wollte ich hetzt doch nicht alle herausfordern. Außerdem war der Boden hier inzwischen merkwürdig wackelig geworden – so ‘ne Gemeinheit, alle bösen Erdgeister hatten sich hier wohl verschworen. Oh Huracana! Ich wünschte, ich könnte in die Totenwelt reisen und sie von dort zurückholen – denn, was es mich auch kosten würde, ich weiß, ich würde es tun!

Nun blieb es mir aber nur, diese wackelige Gaststube zu verlassen, obwohl, viel besser war der Erdboden an der frischen Luft auch nicht – vielleicht ein kleines Beben, wer weiß?. Die Erdgeister zürnen, hoffentlich nicht mir. (DAS wäre vielleicht ein Gebiet, wo Zogar mich besser verstehen würde). Irgendwie schaffte ich es zurück zum Wacholderbusch. Kurz nachdem ich mein Nachtlager dort aufgeschlagen hatte, hörte ich leise Schritte, dann Tuilja’s wohlvertrautes Kichern: "Hier steckst Du also, hab’ dich schon überall gesucht". So hatten die Geister meinen Ruf nach einer Frau doch erhört. Fein (auch wenn Tuilja hinterher die Geschichte verbreitete, ich hätte auf halbem Wege schlappgemacht – aber zum Glück kennt Trixom mich gut genug, um solchen Schauergeschichten keinen Glauben zu schenken).

Später in der Nacht wachte ich auf und wieder einmal holten mich diese schrecklichen Bilder ein, wie ich sie seinerzeit vor meinem inneren Auge sah. Wieder jagte mein Geist durch Lichtstreifen und tiefste Finsternis auf den Mittelpunkt der dunklen Geister zu. Uralte, mit feinen Ornamenten überzogene Steinsäulen schließen mich in ihre Mitte; menschliche Gesichter sind auf ihnen erkennbar, die sich erst langsam, dann immer deutlicher zu gequälten Fratzen verziehen und schreien – und mit diesem Schrei lösen sie sich Schatten gleich aus den Stelen, geisterhafte Schemen in der materiellen Welt. Sie suchen ein Opfer für ihre Rache, für Jahre der Qual und Verdammnis und sie haben sie gefunden ! Näher und näher kommen ihre furchtbaren Mäuler, in denen sich nadelspitze weiße Zähne vor blutroten Rachen abheben. Ihre schwarzen Augen sprühen mir ihren Haß entgegen, näher, näher, näher ... Tahooooooonkh!

 

er nächste Morgen brachte neben einem dumpfen schmerzhaften Pochen im Kopfe den Aufbruch zur Drachenhöhle. Hier sollten wir also diesen Magietheoretiker Erasmus finden, ebenso den Altkämpen Ceorl Irenhead. Warum dieser überhaupt ein Held war und wer ihn denn zurück haben wollte wußte ich nicht so genau. In der Eingangshöhle, welche übrigens von einer schwebenden Lichtkugel erhellt wurde, empfing uns eine Arg Echsenwicht, der sich mit "Dschipp" vorstellte. Er besaß die Frechheit, für die Passage über den träge die Höhle durchquerenden Flußvater Münzen zu verlangen – eine Unsitte dieserorts, mit der ich bis heute nicht richtig klarkomme. Hurrps! Er war einfach im Weg, aber wir kamen trotzdem vorbei. Und dann – ja, das glaubt mir eh’ niemand (Sûlvahir wird wohl wieder annehmen, ich hätte mich wider einmal in meine Geisterwelt verzogen – und Zogar hält ja eh’ nichts von Kontakten zu Geistern, auch wenn er dies nie so sagt. Hier werden wir wohl trotz aller Freundschaft kaum an einem Baume zusammenkommen.)

Aber zur Sache: Nachdem wir eine Türe in dem nun folgendem Gangstück entdeckt und nach kurzer Beratung geöffnet hatten, erblickten wir UDO. UDO war Knochensammlung mit Stil, säuberlich sortiert und gut verpackt in schwarzem Cape und Hut. Und er sprach Erainnisch. Ziemlich genervt gab er uns unwichtige Auskünfte, alles Wesentliche mußten wir ihm mühsam aus seiner knochigen Nase ziehen. Aber dann sprach er, Kobolde sollte es hier geben. Und auch einen Zauberer. Immerhin etwas. Die Kobolde hatten wir in den nun folgenden Gängen schneller gefunden und alarmiert, als es uns lieb sein konnte – was blieb, war vorerst die Flucht, welche aber ein jähes Ende vor einem schweren Eisengitter fand. Dahinter erblickten wir im trüben Schein von Trixom’s Fackel einen großen schlafenden Schuppenberg – und hinter uns hörten wir nun den Lärm einer heranstürmenden Horde Kobolde. Trixom’s Bihänder sorgte aber schnell für Ruhe. Inzwischen hatte Tuilja das Ungetüm aufgeweckt, und nach einigem Hin und Her verriet es uns dann freundlicherweise, daß wir Ceorl und Erasmus wohl in einem Spiegel hier in der Nähe finden würden. Wohl gemerkt, in einem Spiegel. Diesen hatten wir auch schnell entdeckt und blitzschnell hatte ich ihm eins mit der Stabkeule übergebraten, ehe er noch einmal GNUPSS sagen konnte. Hehe.

Uuups, da kamen jede Menge Leute heraus, die dann auch noch anfingen, sich zu prügeln. Aber schließlich entdeckten wir Ceorl und fanden alle fünf heile heraus. Von ihm erfuhren wir, daß Erasmus sich unglücklicherweise in ein Schwein verwandelt hatte und als Spießbratenbrötchen endete – nicht sehr rühmlich für einen "gelehrten" Zauberer. Gelohnt hatte sich die ganze Geschichte eigentlich nur wegen dem Busch und der Nacht mit Tuilja..-.

 

etzt sitze ich inzwischen wieder am Kaminfeuer in Trixom’s Thronsaal, meine Kräuter werden immer knapper und ich grübele wieder über die Gemeinschaft der weißen Flagge nach – und diese merkwürdigen Schriftzeichen.

Ach was, soll sich doch unser Bücherwurm Sûlvahir, der Magier (er ist ja jetzt ein richtiger Magier, seit er diesen Mummenschanz äh die Prüfung bestanden hat) damit herumschlagen – ich werd’ derweil einmal kompetentere Wesen dazu befragen.

Aber vielleicht noch einige andre Überlegungen und Fragen, die sich mir in den langen, einsamen Nächten hier aufdrängen.

Ich bin müde. Oh ihr großen Geister, gebt mir uhe und Kraft, meinen Teil unserer Aufgabe zu Ende bringen zu können...

Und laßt mich, vielleicht ein letztes Male, sehen, was meinen Augen verschlossen bleibt.

 

Amonedthorr

Wandernder Schamane der südlichen Inseln