Sieben kamen nach Corinis

 

Showdown

 

[Dzogar, Amonethorr, und Lyrania hatten mehrere Stunden vergeblich auf den anonymen Autor des Hilfegesuches gewartet.Dzogar und Amonethorr waren schließlich frustriert in LoSan's Drogenhöhle abgetaucht, wurden dort aber von Lyrania hinausgezerrt. Trixom und Sulvahir hatten in der Zwischenzeit noch mal Erkundigungen in der Schwarzen Katze gemacht und erkannt, das der kleine, drahtige Kerl mit dem Verband aus der Nähe kommen mußte. Eine öberflächliche Suche in der Umgebung brachte sie jedoch nicht weiter ]

 

Dzogar war ziemlich schnell wieder zu Vernunft gekommen, aber Amonethorr hatte es schlimmer erwischt. Während er von Lyrania und durch die Gäßchen von Corinis geschleppt wurde, schien er von seiner Umgebung überhaupt nichts mitzubekommen, sonder murmelte unentwegt etwas von Sternen und Milchstraßen.

Sie zogen durch das Osttor, mit über das Gesicht gezogenen Masken, in das Zentrum, um in der Nähe der Bärenkralle, wie verabredet, Trixom und Sulwahir zu treffen. Sie waren in der Zwischenzeit auf eigene Faust durch Corinis' Kneipen gezogen, in der Hoffnung, die Hexe oder den mit der verbundenen Hand (Sywno) zu treffen. Das einzige, was sie aber in Erfahrung gebracht hatten war, daß dieser Sywno irgendwo in der Nähe der "Fauchenden Katze" wohnen soll. Eine oberflächliche Suche in der Umgebung hatte sie aber nicht weiter gebracht.

An der Ecke besprachen sie noch einmal, wie vorzugehen sei. Es war schon spät geworden und sie wußten nicht, ob die Mitglieder des Bundes schon versammelt waren. Sie beschlossen, den Zwerg zunächst in die Bärenkralle zu schicken, damit er in das gemietete Zimmer Stellung beziehen könnte.

Einige Minuten später begaben sich nacheinander Lyrania, Amonetharr, der mittlerweile wieder einigermaßen zu sich gekommen war, und Sulwahir in die Kneipe. Lyrania und Amonethorr fanden in dem Gedränge einen Platz in einer Ecke nahe dem Eingang, von wo aus sie einen guten Überblick über den Raum hatten. Es war der letzte Abend des Snaersend-Festes und die Stimmung in der Stube war ausgelassen. Es stank nach starkem Pfeifentabak und nach Starkbier, Männer grölten Lieder oder unterhielten sich laut, lachten, spielten.

Amonethorr lehnte sich zurück und versank in dieser Wärme wieder in seine Träume. Lyrania durchstreifte mit ihren scharfen Augen den Raum, was aber selbst ihr wegen des dichten Qualms, der spärlichen Beleuchtung und der dichten Menschenmenge nicht leicht fiel. Sie fühlte sich in diesem Gestank und Gelärme überhaupt nicht wohl und sehnte sich nach den Festen ihres Volkes, in den Lichtungen unter dem hohen weiten Sternenzelt, voller feiner Musik und schönen Geschichten.

Da zuckte sie plötzlich zusammen. Gegenüber im Raum, nahe der Tür zum Hinterzimmer, konnte sie das alte, schrumpelige Gesicht dieser Hexe ausmachen, die sie auf dem Flur ihrer Herberge gesehen hatte, als dieses Monstrum die Wand zu ihrem Zimmer durchbrochen hatte. Und neben ihm saß ein kleiner Kerl mit verbundener Hand. Das mußte dieser Sywno sein. Sie stupste Amonetharr an, der nur langsam aus seinen Visionen auftauchte und ihrem Zeigefinger zu den beiden Gestalten folgen konnte, dann wurde er wach. Es war das letzte mal, daß sich der Bund des Bären treffen wollte, und es sah aus, als wenn sich alle zum großen Abschlußtanz eingefunden hätten.

Die Tür ging auf, ein kurzer, kalter Windstoß und einige Schneeflocken wehten herein und Sulwahir betrat die Stube, er durchsuchte schnell den Raum, fand seine beiden Freunde neben sich und folgte ihrem Nicken zu den beiden Gegenspielern. Er überlegte kurz und beschloß, sich nicht zu ihnen zu setzten. Statt dessen zwängte er sich an einigen Menschen vorbei, näher zu der Hexe ran und nahm Platz auf einem freien Stuhl. Die Männer, zu denen er sich setzte schauten ihn ein wenig komisch an, da er scheints keinen Wert darauflegte, sich mit ihnen zu unterhalten. Er nickte ihnen nur kurz unsicher zu, und sie versenkten sich wieder in ihr Gespräch.

Dann blickte er wieder zu der Hexe und zu Sywno. Er saß sehr nahe bei ihnen. Lediglich eine Gruppe von jüngeren Männern und einige Frauen standen zwischen ihnen. Der Kerl und die Alte tauschten nur ab und zu ein paar Worte aus.Ansonsten starrten sie stumm vor sich hin, schienen auf etwas zu warten. Die Hexe saß näher bei ihm. Das Herz klopfte heftig in seiner Brust, als er beschloß, herauszufinden, was sie sich denn zu sagen hatten. Er beruhigte sich langsam, versuchte den Lärm aus seinem Bewußtsein zu verdrängen.

Das Gesicht des alten Bordur, der ihm die ersten Schritte in die Kunst der Magie lehrte, kam ihm wieder in den Sinn.Von den Anderen im Dorf wurde er bloß als schwachsinniger Idiot verlacht. Sein Sohn erzählte jedem, daß er nur darauf hoffe, daß er bald sterbe, um ein Maul weniger durchfüttern zu müssen. "Der taugt ja doch zu nichts mehr, sabbert den ganzen Tag und grinst nur blöde, wenn man ihn anspricht!" Niemand hatte ihn mehr für voll genommen, er sich selbst nicht mehr. Nur Sulwahir. Weil er von den anderen seines Dorfes ebenfalls gemieden worden war, hatte er in dem Alten einen Freund gefunden und festgestellt, daß alles, was er von sich gab einen tieferen Sinn hatte. Von ihm lernte er auch diesen Spruch.

Doch jetzt verdrängte er auch dieses Gesicht und konzentrierte sich ganz auf das magische Feld, das ihn umgab, und das er nutzen konnte, um die Stimmen, die er hören wollte zu verstärken. Er konzentrierte sich auf die beiden unheimlichen Gestalten. Doch dann durchzuckte ihn ein Schock, er spürte die Bosheit der Alten, die ihn bemerkt hatte. Ihm brach der Schweiß aus, er fuhr herum und sah ihr unmittelbar ins Angesicht. Ihr beiden faltigen Augenschlitze fixierten ihn und in dem Moment spürte einen Schmerz in seinem Körper, als wenn seine Eingeweide auseinandergerissen würden. Mit einem unterdrückten Schrei zog er sich zusammen und fiel fast vom Stuhl. Der Atem blieb ihm weg. Die anderen Männer am Tisch schauten erschreckt zu ihm rüber. "Was hat er? He, geht´s Dir nicht gut?". Er hat Mühe die angebotene Hilfe abzulehnen, stützt sich auf den Tisch und schleppt sich zu seinen beiden Freunden. Sie hatten beobachtet, was passiert war. Nachdem er sich ehrholt hatte murmelte Lyrania nachdenklich :"Das war die offene Kriegserklärung! " Aber sie beschlossen ersteinmal weiter abzuwarten.

Eine Stunde verging. Die Mitglieder des Bärenbundes hatten sich scheinbar schon versammelt gehabt, bevor die vier "Die Bärenkralle" betreten hatten. Da sich oben nichts tat war auch Dzorgar wieder heruntergekommen und hatte sich an die Theke gesetzt. Aber sie hatten keine Idee, was sie tun konnten, außer weiter zu beobachten und bereit zu sein, schnell einzugreifen, falls etwas geschen würde, aber was würde passieren? Das etwas passieren würde vermuteten alle, warum sollten sich sonst ihre Gegner hier versammelt haben? Aber was führten sie im Schilde?

Die Gesellschaft wurde immer lauter, immer noch kamen ab und zu neue Leute, all die finsterten Masken, die viele jetzt noch auf hatten, die Luft wurde dicker. Vorsichtig mußterten die vier ihre Gegner, immer nervöser überlegten sie neue Möglichkeiten, was sie tun könnten, was passieren könnte.

Und dann ging plötzlich alles rasend schnell.

Wie auf ein geheimes Zeichen hin sprang ein Krieger auf, der an der Theke neben Dzorgar saß auf, schrie:"Nieder mit Alba!",stieß eine junge Kellnerin beiseite, die gerade die Tür zum Hinterzimmer geoffnet hatte und rannte ins Hinterzimmer. Dort hörte man gleichzeitig einen Schmerzensschrei.Die Alte und der Kleine standen auf, sie drehte sich zur Tür.Die Luft hinter der Tür begann zu verschwimmen und die Gestalt eines Ogers tauchte auf.Nach einer Schreckenssekunde reagierten auch die vier Gefährten. Dzorgar fing Sywno ab und griff ihn an. Sulvahir, Amonethorr und Lyrania versuchten sich durch die entsetzten Besucher zu kämpfen. Dann bracht Panik aus. Tische und Stühle fielen um, Schreie, Geschirr ging zu bruch, die Wache wurde gerufen, Menschen drängten zum Ausgang, Sulvahir und Lyrania griffen die Hexe an, doch Sywno hatte mittlerweile den waffenlosen Dzorgar außer Gefecht gesetzt und verletzte auch Lyrania schwer. Die Hexe floh zum Hinterausgang, Amonethorr versuchte ihr zu folgen.

Was im Hinterraum geschah ließen sich später die vier Freunde von Aneirinn erzählen:Dort hatte sich zu Beginn mittlerweile, der scheints so friedliebende, ruhige Xan-Priester als der Verräter zu erkennen gegeben. Auf ein geheimes Zeichen hin rammte er einen Dolch in seinen Tischnachbar, den Barden Sialwin. Daraufhin öffnete sich zischend ein Tor zu einer anderen Dimension in der Luft. Schwarze Dämpfe umgaben ein grauenhaftes Wesen. Es war menschenähnlich, die Haut schien aus kränklicher, fahlgelber Seide zu bestehen, teilweise bedeckt mit metallisch glänzenden dicken Schuppen. Ein teuflisches Grinsen im Gesicht, bewegte es sich geschmeidig aus den Nebeln hervor, zwischen den Lippen drang der tödliche, ätzende grünliche Atem hervor. In beiden Händen hielt es zwei elegante goldene Sicheln. Doch nach einem kurzen Moment des Entsetztens wehrten sich die Mitglieder des Bärenbundes, allen voran Elrohir. Der Magier Trian Daliot reagierte und sprach eine Zauber über ihn. Übernatürlich schnell sprang Elrohir zu diesem Dämonen hin und hieb schneller, als man ihm zuschauen konnte auf ihn ein. Aber auch das Ungeheuer beherschte den Kampf mit seinen Sicheln mit unmenschlicher Meisterschaft . [ Weiter: siehe Christofs Bericht!]