Tuiljas Geschichte

Mëires Tochter

Die Schreie der Magd verhalten im Bailowald, dessen Bäume mit einer malerischen Schneehaube bedeckt waren. Der Mond beleuchtete die Szene, während sie dieses Kind verfluchte, das sie nie gewollt hatte. Doch die Soldaten, die letzten Sommer auf Mairolds Hof Halt machten, waren in der Nacht in ihre Stube eingedrungen und hatten sich wie Tiere auf sie gestürzt, nicht ohne sich ihres Schweigens durch eine, dicht über ihrem Hals schwebende, Dolchklinge zu vergewissern. Sie dachte immer noch voll Abscheu an diese ,,treuen Soldaten``, wie die Herrin sie nannte. Natürlich, die Herrin hatte ja auch keine Ahnung (oder wollte keine haben) wie sich Söldner benehmen, sobald keine reichen Leute mehr in der Nähe sind, vor denen sie sich benehmen müssen. Mëire wußte, daß es ein ungünstiger Zeitpunkt war, vor allem da, sie, seit sie nicht mehr mit Mairold schlief, keine Bitterbohnen mehr vorrätig hatte. Und so verwunderte sie es nicht sonderlich, kurze Zeit später festzustellen, ein Kind unter dem Herzen zu tragen. Sie war sofort zu Mairold gegangen, doch der fürchtete sich nur vor den Verdächtigungen, die seine Frau anstellen würde, wenn diese davon erfahren würde. Als seine Frau damals, vor drei Jahren, hinter ihr Verhältnis gekommen war, hatte sie ihm gedroht, ihn vom Hof (den sie von ihrem Vater geerbt hatte) zu vertreiben, falls das noch einmal vorkommen sollte. Mairold hatte sich jedoch bis jetzt an sein gegebenes Versprechen gehalten (auch wenn Mëire in seinen Augen immer noch Begierde aufblitzen sah, sobald er sich unbeobachtet glaubte), da seine Existenz von diesem Hof abhing. Die Herrin hatte ihr Benehmen Mëire gegenüber seit damals deutlich verändert, es als unterkühlt zu bezeichnen wäre noch beschönigend gewesen, doch in diesen Zeiten mußte sie froh sein, überhaupt irgendwo einen Platz zum Schlafen und etwas zu essen zu bekommen.

Aus Angst vor seiner Frau hätte Mairold Mëire, seine einstige Geliebte, am liebsten sofort vom Hof vertreiben, nur Mëire Zusage, die Herrin werde nichts von dem Kind erfahren, rettete Mëire zunächst davor, Mairolds Hof verlassen zu müssen. Die folgenden Monde schnürte sie sich feste Binden um ihren Leib, die die Schwellung des Bauches genügend zu verbergen mochten und trug weite Kleider. Gestern Abend spürte sie dann, daß es soweit war. Mëire schlich sich in der Nacht aus dem Haus, in der Hoffnung bis Tagesanbruch das Kind irgendwo im Wald verscharrt haben zu können und zurückgekehrt zu sein; und dann war es plötzlich vorbei, die Schmerzensschreie der Magd wurden abgelöst von dem Schrei eines Neugeborenen. Mëire blieb noch eine Weile, mit zurückgelegtem Kopf an den Baum gelehnt, hocken, bevor sie ihren Kopf senkte um sich das blutige Bündel, das zwischen ihren Füßen lag anzuschauen. Von irgendwo ertönte der Ruf eines Käutzchens, wie Mëire mit überraschender Klarheit zu Bewußtsein kam, während sie das Kind abnabelte und auf die Nachgeburt wartete. Da sie das Geschrei des Kindes nicht ertrug (sie schaute sich bereits nach einem geeignetem Platz um, an dem sie ein Loch in die Erde schaufeln konnte), wickelte sie es in ihre Decke und legte es an ihre Brust. Es hörte tatsächlich auf zu schreien und fing statt dessen an, nach ihren Brüsten zu suchen. (Der Boden war größtenteils hartgefroren, es würde ein hartes Stück Arbeit bedeuten, eine etwas weichere Stelle zu finden.) Um den Druck in ihren Brüsten etwas zu lindern gab sie dem Drängen des Kindes schließlich nach (vielleicht sollte sie bis Morgen warten, dann würde die Sonne den Boden etwas angetaut haben). Als das Kind sich sattgetrunken hatte und einschlief, mußte sie zurück, es dämmerte bereits. Das Kind konnte sie über Tag im Schuppen verstecken, den die Herrin nie betrat; unter dem Heu bekäme das Kind genügend Luft und gleichzeitig würde sein Schreien gedämpft. Am Abend, wenn sie etwas Zeit hatte, würde sie es in den Wald tragen. Der Tag verging ohne Besonderheiten, die Herrin schien nichts zu merken und Mairold lies sich zumindest nichts anmerken. Mëire schaute ab und zu nach dem Kind und stillte es. Jetzt erst stellte sie fest, daß es ein Mädchen war. Da der Tag keine Komplikationen brachte, beschloß Mëire die Nacht bei dem Säugling in der Scheune zu verbringen, um einen günstigen Moment abzuwarten, es im Wald zu verscharren, doch sie war erschöpft und schlief mit dem Kind, das sie Tuilja nannte ein. Auch in den folgenden Nächten fand Mëire immer einen guten Grund nicht in den Wald zu gehen, mal war es zu kalt, mal zu dunkel, mal war sie zu müde, dann schien die Herrin noch wach zu sein, ein anders Mal vermeinte sie Wolfsgeheul zu vernehmen, und so wurden aus Tagen Wochen und schließlich sogar Monate. Große Sorgen machte sich Mëire erst wieder, als sie merkte, daß ihre Milch zu versiegen begann. Sie merkte, daß sie Tuilja, die inzwischen schon ganz schön gewachsen war, nicht mehr einfach so aussetzen konnte aber es wurde auch immer schwieriger sie zu verstecken. Sie hatte lange mit dem Gedanken gespielt den Hof mit Tuilja zu verlassen, aber in diesen dunklen Zeiten hätte das den Tod beider bedeutet. Als sie schließlich überhaupt nicht mehr weiter wußte, wurden ihre Gebete endlich erhört: Ein kleiner Zirkus machte zufällig (ein Wagenrad war gebrochen) auf ihrem Hof für eine Nacht Halt, und eine Seiltänzerin erklärte sich, da sie selber offenbar keine Kinder bekommen konnte, bereit, Tuilja aufzuziehen. Da Mëire keinen andern Ausweg sah, übergab sie schweren Herzens ihr Kind der Seiltänzerin und deren Mann. Ihre Tochter sollt Mëire niemals wiedersehen.

Die Jahre im Zirkus

Sechs Jahre alt war Tuilja, als sich die Seiltänzerin bei einem Sturz das Genick brach. Ihr Stiefvater, der Tuilja nie als seine eigene Tochter angesehen hatte, kümmerte sich jedoch weiterhin um sie, da er es seiner Frau versprochen hatte, starb jedoch fünf Jahre später bei einer Wirtshausschlägerei, als unvermutet ein Messer gegen ihn gezogen wurde. Tuilja hatte ihn zwar nie geliebt, aber mit seiner spröden Art war er ihr doch zu einer lieben Gewohnheit geworden. Dank der Kunststücke, die sie inzwischen gelernt hatte, wurde ihr vom Impresario Calverion erlaubt, beim Zirkus zu bleiben und sich mit ihnen ihr Brot zu verdienen. Den Wagen, den sie mit ihren Zieheltern bewohnt hatte, mußte sie an eine andere Familie abgeben; sie selbst lief neben dem Zug her und schlief am Feuer. Als sie fünfzehn war, und aus dem kleinen Wildfang eine hübsche junge Frau geworden war holte sie Calverion zu sich in den Wagen. Da sie von nun an etwas mehr zu essen erhielt und auch nicht mehr im Freien übernachten mußte, fügte sie sich seinen Wünschen. Unerträglich war es nur, wenn Calverion zu viel getrunken hatte und sie schlug. Anfangs geschah das selten doch wurden die Zeiten immer härter und schließlich hatten die Leute kaum mehr Geld für reisende Gaukler übrig; und so versuchte Calverion seine Entäuschung immer öfter im Wein zu ersäufen. Als er dann, Tuilja war inzwischen siebzehn Jahre alt, eines Nachts in den Wagen wankte, nach der Peitsche griff und sie anschrie dieses Mal würde er sie totprügeln, da sie ihm nicht oft genug zu Diensten sei, zerriß etwas in Tuilja: Sie griff nach ihrem Dolch schloß die Augen und stach zu. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie wie Calverion, seine rechte Hand, zwischen der Blut hervorquoll, auf seinen linken Oberarm preßte. Im seinen Augen glühte Haß, als er sie anstarrte, langsam die Peitsche weglegte und nach seinem Schwert griff. Tuilja überlegte nicht lange, sondern griff ihr Bündel, stieß Calverion um und rannte in die Nacht hinaus.

Das Überwasserhaus

Abenteuer: Myrkdag    
Datum: 30. Mai, 25 Juni und 21. Juli 1994
Spieler: Christof Petig Ernesto Ordenskrieger
  Stephan Probst+ Dwynnar Waldläufer
  Andreas Avesing Lashirnifar Priester des Laran
  Malte Thoma Tuilja Gauklerin
Spielleiter: Thomas Stein    

Der erste Abend

Ich verlief mich schon bald im Wald, und so war froh, am Ende des dritten Tages Licht in der Ferne schimmern zu sehen; es schien durch die Fenster des Überwasserhauses, wie ich später erfahren sollte. Den Namen verdankte es dem Bach, der unter dem Haus verschwand. Daß die Zeit in diesem Haus zu einem Alptraum werden sollte, konnte ich noch nicht ahnen, doch selbst wenn ich es gewußt hätte, wäre es mir in diesem Moment, zerschunden, hungrig und müde wie ich war, vermutlich egal gewesen. Es begann damit, daß der Wirt Rafnor, ein ausgesprochener Choleriker (er bekam zwei Tage später einen Herzanfall), mir nicht erlaubte, mir mein Abendessen und das Nachtlager mit ein paar Kunststücken zu verdienen. So blieb mir nichts anderes übrig als auf meine sehr geringe Barschaft zurückzugreifen. Ein Gast, Lashirnifar, stellte sich als sehr freundlich heraus, er wollte mir zwar etwas über irgendeinen Gott erzählen, aber sonst war er ganz in Ordnung. Im Laufe des Abends erfuhren wir, daß das Überwasserhaus sich im Besitz eines Heilerordens befand. Dieser wurde hier vertreten von dem Lehrmädchen Menellin, dem Wundheiler Leffi, dem blinden Conariu und nicht natürlich dem Vorsteher Roderik. Dieser sollte zwar eigentlich schon von einem gewissen Ffylk abgelöst worden sein, da seine angebliche Unfähigkeit schon bis zu den zuständigen Stellen durchgedrungen war, doch Ffylk war durch einen mysteriösen Unfall schwer verwundet worden und lag nun, bislang unerkannt, in einem ruhigen Zimmer des Hauses. Diese Geschichte erfuhren wir von dem etwas später angekommenen Ernesto, der ebenfalls zu diesem Orden gehörte und hier noch dem rechten sehen sollte, da man noch keinerlei Nachricht von Ffylk bekommen hatte. Außerdem bevölkerten die Schankstube noch ein paar Holzfäller und Bauern aus dem benachbarten Dorf, ein Verwundeter, der schweigend sein Abendessen einnahm und ein Barde. Dieser wurde allerdings gleich nach dem ersten Lied über einen ,,Alcwyn den Roten`` von Rafnor rausgeschmissen wurde, weil dieser der Meinung war, der Barde würde mit seinem bedrückenden Gesang die Gäste vertreiben. Der Sage nach war Alcwyn ein Geist, der hier einmal im Jahr, am Myrkdag, erscheint. Mit der Schlinge, die in der Wirtsstube von der Decke hing, ,,Alcwyns Strick``, sollte er sich angeblich erhängt haben. Ich machte mir einen Spaß daraus, den Strick öfters abzunehmen, doch nicht nur ich schien meinen Schabernack damit zu treiben, denn ein anderer hängte den Strick immer wieder auf. Nachdem ich allerdings ein loses Brett, im Schlafsaal über dem Schankraum, das sich ,,zufällig`` genau über dem Strick befand, wieder festgenagelt und den Strick verbrannt hatte, hörten diese Späße auf. Erwähnen sollte man von den Geschehnissen dieses ersten Abends noch zwei Dinge: Zum einen, daß Conariu, die blinde Heilerin, ein Vision hatte, in der sie die kommenden Dinge voraussah, zum anderen daß der herrische Landvogt Kon mit mir Streit anfangen wollte, nachdem ich die Behandlung seiner Knechte kommentiert hatte. Er mißhandelte sie mit Fußtritten, weil sie ihm die Schuhe nicht schnell genug auszogen. Doch Lashirnifar gelang es, Kon zu beruhigen. Zu meiner Genugtuung, fand der Landvogt einen toten Holzfäller in seinem Bett, der sich mit einer Axt ins Bein gehackt hatte und dem Wundfieber erlegen war. Er sollte ursprünglich von der sonderlichen Conariu in den Keller gebracht werden. Sie hatte dies aber offensichtlich vergessen. Zu allem Überfluß liefen dem Landvogt in der Nacht seine Knechte davon.

Die nächsten Tage

Die Ereignisse, die auf diesen Abend folgten, in ihrer Reihenfolge zu beschreiben, wäre ein hoffnungsloses Unterfangen, und so sollen nur die wichtigsten Vorkommnisse erwähnt werden. Der Waldläufer Dwynnar fand am Morgen nicht nur die Pferde, die die Knechte vertrieben hatten, sondern auch die Leiche Lafnurs, des Kochs, der vor ein paar Tagen verschwunden war. Seinem entsetzten Gesichtsausdruck und seinen Händen zufolge, die er um den Hals gekrampft hatte, war er keines natürlichen Todes gestorben. Bei einer Besichtigung des Kellers stellten Dwynnar, Ernesto, Lashirnifar und ich fest, daß dem Holzfäller aus Kons Bett, der inzwischen in einen Sarg gelegt worden war, ein Auge ausgestochen worden war. Als ich in der Nacht noch mal in den Keller schlich, um den verschlossenen Weinkeller zu besichtigen sah ich plötzlich das Auge. Es schimmerte in einem milchigen Licht als es durch eine Wand drang. Langsam drehte es sich in meine Richtung und glotzte mich an. In meinem Entsetzen schlug ich nach dem Auge und traf es eher zufällig. Das Auge zerplatzte und löste sich auf. Da Ernesto um Ffylks Leben fürchtete, bestand er darauf, ihn zu bewachen. Wir stellten schon bald fest, wie recht er damit hatte, denn der gerade Wache haltende Lashirnifar mußte feststellen, wie sich Ffylks Gesundheitszustand auf einmal verschlechterte. Als wir bei einer genaueren Untersuchung eine Bißwunde unter der rechte Achsel feststellten, fiel Lashirnifar ein, kurz vorher ein Trippeln im Raum gehört zu haben, dem er da allerdings noch keine Beachtung geschenkt hatte. Das Trippeln sollten wir noch öfter hören, meistens dann, wenn wir uns unbeobachtet glaubten und grade Pläne schmiedeten. In der Mitte des zweiten Tages fand ich dann Lashirnifar im Weinkeller, zuerst dachte ich, er sei besoffen, deutete doch die zerbrochene Flasche Wein neben ihm und der Geruch darauf hin, doch es stellte sich heraus, daß er ermordet worden war. Bei ihm war dieselbe Handhaltung und derselbe entsetzte Gesichtsausdruck wie bei Lafnur, dem Koch, festzustellen. Als beim Abendessen dann auch noch Menelin, deren Teller wahrscheinlich für Ffylk bestimmt gewesen war, vergiftet wurde, beschlossen Ernesto und ich, die Iniziative zu ergreifen. Schnell wurde uns klar, daß Landrys, die neue Köchin, die verdächtig schnell nach dem Verschwinden Lafnurs aufgetaucht und ihre Dienste angeboten hatte, eine undurchsichtige Rolle in diesem makaberen Spiel spielte. Als ich durch das Küchenfenster beobachtete, wie sie das Essen, von Menelins Teller wegkippte, obwohl sogar Rafnor ihr sagte, sie solle es erstmal aufheben, riß bei mir der Geduldsfaden. Ich beschloß, in ihr Zimmer einzudringen und mich dort umzuschauen. Da sich das Schloß als äußerst widerspenstig erwies, stieg ich durch das Fenster ein. Bevor ich mich jedoch genauer umsehen konnte, sah ich ein weißes Wiesel unter der Tür hindurchschlüpfen, was das Trippeln erklärte. Da ich annahm nun nicht mehr viel Zeit zu haben, durchwühlte ich nur noch die Truhe, und fand tatsächlich ein Fläschchen, von dem Ernesto und ich anfangs annahmen, es würde Gift enthalten. Leider stellte sich das als Trugschluß heraus, denn der Versuch, Landrys mit ihrem eignen Gift umzubringen, scheiterte. Sie aß den Teller, den ich mit dem Gift eingerieben hatte, leer, ohne irgendwelche Vergiftungserscheinungen zu zeigen. Später stellte sich heraus, daß es sich bei dem Zeug um Haselnußöl, ein beliebtes Färbemittel, handelte.

Das Finale

Am letzten Tag schließlich, dem Myrkdag, fiel uns auf, daß Landrys dem anderen Kranken, der sich im Überwasserhaus aufhielt, das Essen aufs Zimmer brachte. Auf Ernestos Nachfrage bei Leffi, erfuhr er, daß Adrian, so hieß der Kranke, seit kurzem irgend etwas mit den Augen habe. Da fiel uns das Auge im Keller wieder ein, und wir beschlossen, uns diesen Adrian doch einmal näher anzuschauen. Dazu ließ ich mich mit Ernestos Hilfe vom Dachgebälk an einem Seil herunter, und schaute durch sein Fenster. Bevor ich allerdings näheres feststellen konnte, riß das Seil. Ernesto gelang es glücklicherweise noch das Seil zu ergreifen und so meinen Sturz aus drei Metern Höhe zu verhindern. Dann sah er aus dem Augenwinkel noch, wie das Wiesel, das das Seil durchgenagt hatte, flüchtete. Natürlich hatte Adrian den Lärm wahrgenommen, da jetzt sowieso alles egal war, trat ich sein Fenster ein und glitt ins Zimmer. Ich war erstaunt, als er plötzlich eine Streitaxt unter dem Bett hervorholte und mit erstaunlicher Treffsicherheit nach mir schlug. Glücklicherweise waren seine Abwehrbewegungen nicht so zielgerichtet, und so lag er kurz darauf mit durchschnittener Kehle am Boden. Durch den Kampflärm und Adrians Hilfeschreie hatte sich fast alle Bewohner des Hauses vor Adrians Zimmertür eingefunden und versuchten sie aufzubrechen. Ernesto reagierte leider zu langsam, als Landrys mit einem magischem Gegenstand die Tür öffnete und mich über die Leiche gebeugt vorfand. Doch Landrys war nicht schnell genug um mich an meiner Flucht aus dem Fenster zu hindern. Ich versteckte mich vorerst im Wald, beobachtete das Haus aber weiterhin und gab dem Waldläufer in Ffylks Zimmer (den wir inzwischen in ein anderes Zimmer verlegt hatten) zu verstehen, daß sie mir ein Zeichen geben sollten, falls sich diese Nacht noch etwas ereignen würde. Später erzählten mir Ernesto und Dwynnar, was sich in der Zwischenzeit zutrug: Ernesto versteckte sich in Ffylks alten Zimmer, auf den oder die Attentäter wartend, wurde aber von irgendjemandem eingeschlossen. Dwynnar wurde von einer aus dem Nichts auftauchenden Landrys überrascht und von einem Wurfmesser verwundet. Doch irgendwie gelang es ihm, Landrys zu vertreiben. Schließlich wurde ich von Ernesto gerufen, ich sollte in den Keller kommen. Während ich durch ein Fenster in den Schankraum des Hauses eindrang, kam gerade Ernesto mit dem von ihm geweckten Roderik die Treppe herunter. Roderik, der mich als Mörderin von Adrian erkannte, zauberte, es sollte sein letzter Zauber sein, und eine bleierne Müdigkeit überkam mich. Kurz darauf wurde ich allerdings von Ernesto wieder wachgerüttelt und in den Keller gezerrt. Hier bot sich uns ein grauenhafter Anblick: Die Rückwand des Weinkellers war eingestürzt. Durch das dahinterliegende Gewölbe strömte der Fluß. Aus den Fluten stieg ein roter Geist, der auf Roderik zuschwebte. Ernesto und ich taten wohl gut daran dieser furchterregenden Gestalt Alcwyns aus dem Wege zu gehen. Roderik floh nach oben, aber das sollte ihm nichts helfen, denn kurz darauf hallte sein Todesschrei durch das Überwasserhaus. Als der Geist verschwunden war, sahen wir, wie Landrys in den Fluten stand und uns entsetzt anstarrte, in ihren Händen hielt sie eine kleine Statue, die sie wohl aus dem Wasser gefischt hatte. Irgendwie gelang es ihr aber doch an Ernesto, den sie schwer verwundete, und mir vorbeizukommen. Die anderen Leute, die die Szene beobachteten, verzichteten darauf sich ihr in den Weg zu stellen und so gelang es ihr zu fliehen. Der sonderlichen Conariu fielen am nächsten Tag wieder einige längst vergangene Ereignisse ein: Vor vielen Jahren war Alcwyn der Vorsteher des Überwasserhauses gewesen und durch Roderiks Schuld am Myrkdag in den Fluten ertrunken. Er hatte sich nicht erhängt, wie die Legende weismachen wollte. Kurze Zeit darauf sei der Geist Alcwyns in sie gefahren und sie habe die Erinnerung an jene Geschehnisse verloren. Offensichtlich hat Alcwyns Geist letzte Nacht seine Rache an Roderik erfüllt und Ruhe gefunden. Zum Ende dieser Episode bleibt nur noch zu erwähnen, daß es mir gelang den Mordverdacht von mir auf Landrys abzuwälzen, so daß ich mich jetzt in aller Ruhe von Ernesto und Dwynnar verabschieden konnte, bevor wir wieder getrennte Wege gingen.

Midgardkampange: Schriftzeichen der zweiten Weltendämmerung

Abenteuer: Der Thronerbe    
Datum: 15.-17.Juli 1994
Spieler: Christof Petig Zogar Zwergenkrieger
  Andreas Avesing Syvann Ordenskrieger
  Thomas Koch Trixom Glücksritter
  Alessandro Filipetti Sulvahir Magier
  Thomas Stein Amonedthorr Schamane
  Malte Thoma Tuilja Gauklerin
Spielleiter: Andre (Sam) Paus Elrohir (Dvarhelm)  

Der Thronerbe

Eine chaotische Truppe

Ich hatte mich schon seit längerem in diesem verschlafenem Nest gelangweilt, und so freute ich mich zuerst, als diese Aufregung versprechende Truppe eines Abends die Wirtschaft besuchte, in der ich gerade auftrat. Insbesondere der dunkelhäutige, gutausehende Wilde und der stämmige Zwerg waren mir auf Anhieb sympathisch. Also setzte ich mich, nachdem ich meinen Auftritt beendet hatte, neben den Zwerg, der sich mir als Zogar vorstellte und machte ihn drauf aufmerksam, daß sein dunkelhäutiger Freund sich besser nicht zu intensiv mit Lorena abgeben sollte. Böse Zungen könnten jetzt zwar behaupten, daß ich etwas eifersüchtig auf sie war, doch darum ging es mir diesmal nicht. Sicher, ein näheres Kennenlernen des exotischen Kriegers mit der Stabkeule, Zogar nannte ihn Amonedthorr, hätte ich nicht verachtet, aber im Moment wollte ich ihn nur davor warnen, in eine Falle zu tappen. Lorena lockte nämlich mit Hilfe ihres tiefen Dekolletés regelmäßig ahnungslose Reisende in einen Stall, wo sich zwei ihrer, mit Keulen bewaffneten, Freunde der Reisenden und deren Geldbörsen annahmen. Doch ich unterschätzte Amonedthorrs Triebe, denn bevor Zogars Warnung zu seinem Verstand durchgedrungen war, riß er der schockierten Lorena an Ort und Stelle die Kleider vom Leib und warf sich auf sie. Der Tumult, der dabei entstand, fiel allerdings in der bereits entstandenen Schlägerei nicht weiter auf. Ein weiteres Mitglied dieser Reisegesellschaft hatte sich nämlich wiederholt lauthals über den Geschmack des Biers und Essens beklagt, was einigen Stammgästen auf die Nerven ging, so daß bald eine Prügelei im Gange war, der sich schnell die anderen Gäste anschlossen. Zogar, der Magier und die sich ständig im Hintergrund haltende, offensichtlich über die Geschehnisse sehr erzürnte Gestalt, verließen mit mir die Gaststube und warteten dort die weiteren Geschehnisse ab. Zogar stellte mir grade den Magier als Sulvahir und den so erzürnten Gelehrten als Dvarhelm vor, als Lorena, die sich von Amonedthorr hatte losreißen können, aus der Gaststube stürmte. Doch damit nicht genug: Syvann, durch Lorenas herunterhängende Kleider offensichltlich nicht unbeeindruckt geblieben, verließ den Kampf, den er verschuldet hatte, um ihr zu folgen. Froh, ein neues Opfer gefunden zu haben, machte sie ihm auch gleich schöne Augen und tänzelte in den Stall. Syvann raste ihr hinterher und verschwand im Dunkeln. Zogar und ich folgten ihm, wohl wissend, was Lorenas Freier erwartete, und rissen die Tür auf, doch es war zu spät, Syvann fiel uns bewußtlos entgegen.

Der Anfang einer langen Reise

Wenig später befand sich die illustre Gesellschaft im Schlafsaal meiner Herberge ein, in die wir Syvann getragen hatten. Dort erfuhr ich, daß die Truppe in die größere Stadt Tidford wollte. Auf meine Nachfrage, ob sie mich mitnehmen würden, reagierte der Gelehrte Dvarhelm erstaunlich heftig: Sie würden mich nicht kennen, und man könnte mir nicht trauen. Das kam mir schon etwas merkwürdig vor, aber dieser Gelehrter, der sich so vornehm im Hintergrund hielt, war offensichtlich derjenige, vor dem alle kuschten. Auch Zogar und Amonedthorr, die ein gutes Wort für mich einlegten, konnten ihn nicht umstimmen. Als die sechs am nächsten Tag dann aufgebrochen waren, kaufte ich mir ein Pferd (Syvanns war so freundlich gewesen mir während seiner Ohnmacht etwas zu borgen) und ritt ihnen in einigem Abstand hinterher. Die Chance, endlich mal wieder ein paar interesante Leute kennenzulernen, wollte ich mir von diesem arroganten Gelehrten nicht nehmen lassen. Am Abend erreichten wir die nächste Ortschaft, und hier sollte ich dann erst richtig neugierig werden. Doch zunächst begrüßte mich Dvarhelm mit einem vernichtenden Blick, nachdem ich die Gaststube betreten hatte; die Blicke der anderen waren allerdings eher als neugierig bis erstaunt. Der Wirt erlaubte mir aufzutreten, und so hatte ich die Gelegenheit mir mein Abendessen zu verdienen. Als ich zum Schluß an den Tisch meiner neuen Freunde trat, beschimpfte mich Syvann auf einmal, ihm die Geldbörse gestohlen zu haben. Glücklicherweise konnte ich durch Umkrempeln der meinen beweisen, daß das nicht sein könnte denn Syvann behauptete über sechzig Goldstücke zu besitzen, ich besaß jedoch lediglich ein paar paar Silbertaler. Bis auf Syvann konnte ich alle von meiner Unschuld überzeugen, als plötzlich der Wirt an den Tisch trat und sich entschuldigte, er benötige den Schlafsaal diese Nacht für eine größere Gesellschaft, für Dvarhelm und seine Gefolgschaft seien jedoch zwei seperate Zimmer bezahlt worden. Der Grund für diese Verlegung war mir zwar schleierhaft, aber mein Kommentar, daß dies nach einer Falle rieche, nachdem ich im Schlafsaal nachgeschaut hatte und dort noch viele Lager frei vorfand, wurde von Dvarhelm damit abgeschmettert, daß sie das selber wüßten. Ich legte mich also leicht schmollend im Schlafsaal zur Ruhe nieder, während die anderen nach oben gingen.

Das Attentat

Mitten in der Nacht rissen mich Schreie aus dem Schlaf. Ich sprang aus dem Bett, rannte nach oben und öffnete die erste Tür, durch die Schreie zu hören waren. Vor dem Fenster stand Sulvahir, der, als er mich bemerkte, mich darüber informierte, daß auf Dvarhelm ein Mordanschlag verübt worden war. Er deutete aus dem Fenster, und dort erkannte ich, wie sich gerade Amonedthorr bückte, wohl um einem Wurfmesser auszuweichen. Um ihm gegen die dunklen Schemen, die wir vom Fenster aus ausmachen konnten, beizustehen, sprang ich kurzerhand aus dem ersten Stock auf die Straße und stellte mich einem der Attentäter entgegen. Als auch Zogar die Treppe heruntergeeilt war, dauerte es nicht lange bis der letzte noch lebende Assassin flüchtete; seine Flucht konnten wir leider nicht verhindern. Als die Stadtwache sich dann, wie üblich zu spät, am Ort des Geschehens einfand und erst einmal uns festnahm, stellte ich fest, daß der Dolch, den ich nicht hatte abwehren können, vergiftet gewesen war, und sich das Gift jetzt in meinem Körper ausbreitete, denn mir wurde langsam schwarz vor Augen. Irgendwie konnten Zogar und Amonedthorr mit der Hilfe des Wirtes die Stadtwache aber von unserer Unschuld überzeugen, und schließlich trafen wir uns in Dvarhelms Zimmer. Trixom, der Dvarhelm eben hier beigestanden hatte, kämpfte offensichtlich auch mit den Nachwirkungen eines Dolchstoßes, denn er war ebenso bleich wie ich mich fühlte. Mir wurde gedankt und erzählt, daß der letzte Attentäter von der Stadtwache geschnappt wurde. Dann bat mich Dvarhelm ,,feundlichst``, ins Nachbarzimmer zu gehen, man hätte etwas Internes zu besprechen. Da ich eine Mütze voll Schlaf gut gebrauchen konnte, begab ich mich ohne zu meckern dorthin und legte mich ins Bett. Vor dem Einschlafen vermeinte ich noch ein paar Gesprächsfetzen mitzubekommen, doch ich kann mich auch getäuscht haben, denn wieso hätte ich ein ,,Sicherheitsrisiko`` sein sollen?

Die Reise nach Tidford

Am Morgen weckte mich Amonedthorr und teilte mir mit, daß beschlossen worden sei, mich bis Tidford mit ihnen reisen zu lassen. Die weitere Reise bis dorthin verlief recht ereignislos. Nur ein Überfall einiger herumstreunender Orks war zu verzeichnen. Diese zeigten sich allerdings von Zogars Kriegshammer, der zu leuchten begann, als die Orks sich uns näherten, so beeindruckt, daß sie flohen. Im Laufe der Reise wurde mir einiges klar: Dvarhelm war offensichtlich nur ein Decknahme, denn den Gefähren rutschte ab und zu so etwas wie Elkhelm heraus, oder aber ein Elrrrhh ging in ein Husten über, wenn der Betreffende von seinem Nebenmann einen heftigen Rippenstoß bekam. Ein kostbares Schwert, das Dvarhelm immer in Decken eingehüllt mit sich rumtrug, gehörte möglicherweise auch zu dem Spiel. In Tidford schien er etwas Bestimmtes vor zu haben, was der Herrscher Gardwain MacConuilh möglichst nicht erfahren sollte, und Dvarhelm wollte Tidford heimlich erreichen, denn wir reisten nur auf Feldwegen und übernachteten fernab von jeder menschlichen Behausung in der Wildnis. Syvann verließ die Reisegesellschaft kurz vor Tidford, da er dort mit einigen Schwierigkeiten rechnete. Er hatte nämlich ein gegebenes Hochzeitsversprechen nicht eingelöst und mit dem Brautvater war wohl nicht zu spaßen. Leider gelang es mir bis Tidford nicht, das Geheimnis, das diese Gruppe umgab, zu lüften, aber ich machte ihnen trotzdem das Angebot zur Verfügung zu stehen, falls man meine Hilfe benötigte. Als Dvarhelm mich daraufhin wie eine Idiotin behandelte, mich überrascht anschaute und fragte, wieso ich denn annähme, er könne Hilfe benötigen und mich mit der Begründung wegschickte, daß ich um Begleitung bis nach Tidford gebeten hatte, wir nun da seien und ich ihn nun bitte in Ruhe lassen solle, hatte ich die Nase voll. Zu allem Überfluß bemerkte Sulvahir, der den Assassinenüberfall seelenruhig vom Fenster beobachtet hatte, während ich mein Leben für Dvarhelm riskierte, auch noch, daß für feige Elemente, wie mich, kein Platz in der Gruppe sei. Die nächsten Tage zierte ihn ein blaue Auge, das ihn daran erinnerte, wer von uns beiden feige ist. Ich griff also nach meinem Bündel und überlegte, während ich die letzten paar hundert Meter Richtung Tidford in Angriff nahm, wieviel mir Gardwain wohl für Dvarhelms Kopf zahlen würde. Letztendlich war es wohl Amonedthorr zu verdanken, daß Dvarhelm nicht verkauft wurde, denn der eilte hinter mir her und erzählte mir, daß der edle Gelehrte in einer strittigen Erbschaftsangelegenheit unterwegs sei und mich, sollte alles gut gehen, reich entlohnen würde, bis dahin wäre es am besten, wenn ich, wie sie, in der Herberge ,,Zur Rose und zum Dorn`` absteigen würde, so könnte er mich unauffällig auf dem Laufenden halten. Da ich Amonedthorrs Lächeln nicht widerstehen konnte, verzichtete ich vorläufig darauf, Dvarhelm zu verkaufen, und mietete mich im vorgeschlagenen Gasthof ein. Am selben Abend traf ich noch Zogar, mit dem ich mir im Drachenzahn einige Biere teilte. Auch der redete mir gut zu, ich würde schon rechzeitig erfahren was Dvarhelm am Gerichtstag, der in wenigen Tagen stattfinden sollte, Großes vorhabe.

Die Tage vor dem Gerichtstag

Da an den Tagen vor dem Gerichtstag in Tidford immer ein großer Jahrmarkt stattfindet, verbrachte ich die Tage meist dort, um mit ein paar anderen Gauklern aufzutreten. Zwischendurch bekam ich nur mit, daß die Gruppe sich mit allen möglichen Leuten in Verbindung setzte, darunter ein Juwelier, ein Rechtsgelehrter und ein Schreiber. Trixom, derweil als Bettler verkleidet, beobachtete Dvarhelm sobald dieser das Haus verließ. Die Vorbereitungen der Gruppe für den großen Tag störten wohl Gardwain und seine rechte Hand Preolas, denn deren ,,Bluthunde``, eine übele Schlägertruppe, führten, kurz nachdem sie Amonedthorr auf offener Straße zusammenschlagen wollten, was von mir mit Hilfe einiger Bürger verhindert wurde, eine Razzia in sämtlichen Herbergen durch. Dabei fanden sie Amonedthorr, nahmen ihn mit Sulvahir zusammen fest und steckten sie ins Gefängnis. Meine Pläne für eine Befreiungsaktion scheiterten zunächst daran, daß Trixom andere Sorgen mit seinem Bettlerfreund hatte, und Zogar alle Aktionen vorher mit Dvarhelm absprechen wollte. Trixom konnte mir jedoch, da er vor kurzem selber mal für ein paar Stunden wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses inhaftiert gewesen war, verraten, daß die Zellen im Untergeschoß sind und daß dort regelmäßig zwei Wachen Dienst tun. Da Amonedthorrs und Sulvahirs Freunde sich nicht um deren Schicksal kümmerten, machte ich mich alleine daran, sie zu befreien und beobachtete erstmal das Gefängnis. Mitten in der Nacht öffnete sich auf einmal die Pforte und einer der beiden Wächter rannte zum etwas entfernten Wachrevier. Da sah ich meine Chance gekommen und sprintete in das Gefängnis hinein. Dort schlich ich vorsichtig die Wendeltreppe herunter. Die verbliebene Wache schien aufgeregt nach irgend etwas zu suchen. In einem günstigen Moment sprang ich hervor und versuchte, der Wache meinen Dolch zwischen die Rippen zu stechen. Leider drehte sie sich im letzten Moment weg, sah mich und schrie auf. Plötzlich kam Amonedthorr hervor, der einer Ratte befohlen hatte, den Zellenschlüssel zu ihm zu bringen und sich so befreit hatte, und stürzte an der verdutzten Wache vorbei. Dicht gefolgt von dem Wärter rannte ich dem sehnigen Körper Amonedthorrs hinterher. Sobald wir die Straße erreichten, verloren wir uns aus den Augen, da wir uns, um die Wache zu verwirren, trennten. Der Wächter versuchte Amonedthorr einzuholen, hatte aber dessen durchtrainierten Körper nichts entgegenzusetzen, und so gelang uns beiden die Flucht. Später erfuhr ich, daß Sulvahir in einer Zelle neben Amonedthorr eingesperrt war, im Gegensatz zu diesem aber an Händen und Füßen gefesselt, so daß die Zeit, ihn auch noch zu befreien, nicht reichte. Den nächsten Tag hatte ich genug damit zu tun, nicht von der Stadtwache entdeckt zu werden. Gegen Mittag traf ich Amonedthorr, der mich endlich darüber aufklärte, daß Dvarhelm in Wirklichkeit Elrohir war, der seit langem verschwundene rechtmäßige Thronerbe. Nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters, des weisen Ythelwin MacConuilh und dessen gesamter Familie, hatte sich Gardwain des Throns bemächtigt. Elrohir, Ythelwins ältester Sohn, war allerdings den Häschern Preolas entkommen und wollte nun am Gerichtstag Gardwain zu einem Duell fordern, das den rechtmäßigen Herrscher bestimmen sollte. Aufgrund dieser Ausführungen wurde mir vieles klar, insbesondere auch die Gründe für das Attentat.

Die letzte Nacht

Am Abend schlich ich durch die Gassen zurück zur ,,Zur Rose und zum Dorn``. Elrohir war inzwischen der Mehrzahl seiner treuen Gefolgschaft beraubt. Zogar war inzwischen wie Sulvahir festgenommen worden, Amonedthorr wurde gesucht, Syvann hatte sich schon vor Tidford verabschiedet und Trixom war auch verschwunden. Nun war er mir auf einmal ganz dankbar, als ich ihm anbot, die Nacht bei ihm zu verbringen. Wir wurden dann auch, wie befürchtet, überfallen. Elrohir versuchte, den Trupp, der durch das Fenster eindringen wollte, von seinem Vorhaben abzubringen, ich stellte mich denen entgegen, die durch die Tür ins Zimmer stürmten. Glücklicherweise hatte Elrohir im benachbarten Schlafsaal ein paar Söldner postiert, ohne die ich sehr schnell überrannt worden wäre. Trotzdem schaften es die Assassinen, eine Lücke für Preolas, der sich unsichtbar gemacht hatte, freizukämpfen, so bewegte er sich unbemerkt auf Elrohir zu und holte zum tötlichen Stoß aus. Doch er hatte Pech, Elrohir wurde nur leicht verletzt, und als Preolas, da er nun enttarnt war, in eine Fledermaus verwandelt, aus dem Fenster zu entkommen versuchte, wurde ihm der Schwertstreich eines Söldners zum Verhängnis. Der Freund Gardwains wurde auf die Straße geschmettert, wo er sein Leben aushauchte. Ich selbst bekam von den Geschehnissen in Elrohirs Zimmer nicht viel mit, da ich Amonedthorr, der den Überfall aus der Ferne beobachtet hatte und herbeigeeilt war, auf dem Dach des Hauses beistehen mußte. Ihm war seine Stabkeule zerbrochen und er schrie um Hilfe, da er dem Attentäter nun hilflos gegenüberstand. Nachdem ich jedoch durch ein Fenster zu ihm auf das Dach geklettert war, gelang es uns zusammen diesen zu vertreiben.

Der Gerichtstag

Der nächsten Tag brachte dann endlich den lang erwarteten Gerichtstag. Um nicht allzusehr aufzufallen und einen guten Überblick zu bekommen, mischten Amonedthorr und ich uns unter die Schaulustigen, die sich auf den Häuserdächer befanden, während sich Trixom zwischen dem Fußvolk rumtrieb. Zogar und Sulvahir wurden in Begleitung einiger anderer Inhaftierter vorgeführt. Gardwain wirkte äußerst unruhig, weil er offensichtlich Preolas vermißte. Als dann endlich Elrohir vortrat, die Insignien präsentierte und sein Recht forderte, wurde Gardwain bleich, mußte sich aber unter dem Druck der Menge schließlich dem Herausforderer zum Duell stellen. Schnell wurde klar, wer von beiden der bessere Schwertkämpfer, und somit der wahre Herrscher, war. Doch als Elrohir zu dem entscheidenden Schlag ausholen wollte, Gardwain lag bereits am Boden, zuckte er auf einmal, wie von Schmerzen gepeinigt zusammen. Alle waren völlig ratlos, aber Amonedthorr sprang vom Dach, raste auf ein leerstehendes Gebäude zu und rief nach Sulvahir. Später erzählte Amonedthorr, daß er in einer Vision eine Deichsel über den Platz auf Elrohir hat zurasen sehen, und da vor dem verlassenen Gebäude an einem Schild ebenfalls eine Deichsel hängen sah, kam ihm ein schrecklicher Verdacht. Während Amonedthorr versuchte, durch ein Fenster im Obergeschoß ins Haus zu gelangen, öffnete Sulvahir die Haustür, brach aber vor Schmerzen auf der Türschwelle zusammen. Amonethorr bemerkte dies, kletterte geschwind die Hauswand herunter und trat in den dahinterliegenden Raum, auch er krümte sich aufgrund plötzlich einsetzender Schmerzen zusammen, konnte sich aber auf den Beinen halten. Durch die Feuerwand, die diesen Raum beherrschte, konnte Amonedthorr eine unheimliche Stimme vernehmen, deren Klang er kannte: Sie gehörte Thalion, seinem alten Feind. Dieder verhöhnte sie und meinte sie hätten besser in den Nebelbergen bleiben sollen. Zogar und ich rannten jetzt ebenfalls auf das Haus zu, doch auch mit vereinten Kräften gelang es uns nicht, Thalion habhaft zu werden, der sich unsichtbar machte, und sich mit einem scheinbar reiterlosen Pferd unserem Zugriff entzog. Zurück blieb nur sein hämisches Lachen

Ausklang

Elrohir hatte gesiegt. Er hatte der Gerechtigkeit zum Sieg verholfen. Ob es allerdings weise ist Gardwain am Leben zu lassen, mag ich nicht beurteilen, ich wäre nicht so großzügig gewesen, aber was soll´s. Dem Volk ist es weitgehend egal, wer es regiert, Hauptsache es bekommt nicht allzuviel davon mit, und es läßt sich gut leben. Da Elrohier sich in dieser Beziehung deutlich geschickter als Gardwain zeigt, dürfte er ein beliebter Herrscher werden. Seinen Freunden und mir gegenüber zeigt sich der neue Fürst äußerst großzügig, denn wir dürfen an seinem Hof bleiben, bis es uns wieder nach neuen Abenteuern gelüstet.

Das zweite Gesicht und Gefährliche Träume

Datum: 20. August 1994
Spieler: (Christof Petig) Zogar Zwergenkrieger
  (Andreas Avesing) Syvann Ordenskrieger
  Thomas Koch Trixom Glücksritter
  Alessandro Filipetti Sulvahir Magier
  Thomas Stein Amonedthorr Schamane
  Malte Thoma Tuilja Gauklerin
Spielleiter: Andre Paus & Thomas Stein    

Amonedthorr dreht ab

Seit meiner letzten Erzählung ist inzwischen ein dreiviertel Jahr vergangen. Wir haben es uns an Elrohirs Hof und in Tidford mit den verschiedensten Dingen beschäftigt, aber so langsam begann, zumindest mich, das Leben dort doch anzuöden. So kam Sulvahirs Einladung nach Corrinis grade recht, er sollte mit allen Ehren in die dort ansässige Magiergilde aufgenommen werden. Die Reise nach Corrinis verlief ereignislos, doch kaum hatten wir die Stadt betreten, sollten sich dunkle Wolken über unsern Häuptern zusammenbrauen. Zunächst begann jedoch alles ganz harmlos. Wir besuchten Sulvahir in der Magierakademie des blauen Vogels, in der Annahme, er hätte für unsere Unterkunft gesorgt. Dies war jedoch nicht der Fall, und so stiegen wir in der Herberge ,,Sherloc Speerspitze``ab. Trixoms Versuche, eine Arbeit zu finden, endeten nämlich hier: Als Tellerwäscher! Naja, jeder macht halt das, wozu er sich berufen fühlt. Ich, für meinen Teil, zog es vor, abends durch die Kneipen zu tingeln, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sulvahirs Magierweihe war zu diesem Zeitpunkt noch zehn Tage entfernt. Am nächsten Morgen begannen dann langsam die Gewitterwolken aufzuziehen: Ich wollte gerade ein paar Salti machen, um den Schlaf aus meinen Knochen zu vertreiben, da sah ich Amonedthorr. Er saß auf seinem Lager, starrte in die Luft und brabbelte wirres Zeug: ,,Etwas großes Grünes kommt von da her, wo wir herkommen, es ist gefährlich, wir müssen es finden. Das Gesicht des Bären greift nach mir, es hat uns etwas genommen.`` Das alleine wäre nicht weiter bemerkenswertes gewesen, hielt ich es zunächst für eine von Amonedthorrs dunklen Prophezeihungen, doch er reagierte überhaupt nicht auf mich. Selbst als ich ihn bei den Schultern packte, ihn schüttelte und ins Gesicht schlug, blieb er apathisch. So langsam begann ich mir Sorgen zu machen. Er schien auf einem ziemlich üblen Tripp zu sein, hatte jedoch noch nicht einmal eine Alkoholfahne. Ich wollte mich gerade abwenden, da ging es wieder los: ,,Sie kommen aus dem Dunkeln, strahlen so hell wie die Sonne, so lieblich, so stark. Der grüne Habicht der Sonne stürzt in mein Herz, zerreißt es, zerhackt es. Eine große Gefahr kommt auf uns zu, wir können sie nicht hören.`` Dann wurden seine Worte leiser und unverständlich. Nach dem Frühstück suchte ich Sulvahir auf, in der Hoffnung, daß er Amonedthorr vielleicht helfen könne, schließlich ist er Magier, kennt Amonedthorr länger (wenn auch nicht unbedingt besser) als ich und kennt sich mit Schlafzaubern und ähnlichem aus. Doch er war keine große Hilfe. Als wir zusammen bei Amonedthorr eintrafen, fing dieser wieder an vor sich hinzumurmeln: ,,Die weißen Wogen des Nebels lichten sich`` Dann nach einer kurzen Pause schrie er panisch: ,,Ich werde sterben``. Sulvahir machte nur ein betrübtes Gesicht und meinte: ,,Amonedthorr ist vermutlich von einem Geist besessen.`` So gelang es Sulvahir wieder einmal, mich auf eindrucksvolle Weise mit seiner Weisheit zu beeindrucken. Schließlich ist Amondethorr nach eigenen Angaben immer von einem Geist besessen, vor allem wenn er Visionen hat. Trotzdem war diesmal etwas anders. Da uns nichts anderes einfiel, beschlossen wir, Amonedthorr erstmal in Ruhe zu lassen, vielleicht würde ja die Zeit ihre Wirkung tun.

Messerstiche

Da sich Amonedthorrs Zustand am Abend immer noch nicht gebessert hatte, (inzwischen hatte er zu allem Überfluß auch noch angefangen zu singen), kam Trixom und mir die Idee, ihn unter Menschen zu bringen. Vielleicht würde er in Gesellschaft anderer Menschen wieder zu sich finden. Also schleiften wir ihn in die ,,Fauchende Katze``, in der es nach Sulvahirs Aussage allabendlich einen Fingerstechwettbewerb geben sollte. Nach kurzer Einweisung Sulvahirs in die Spielregeln stellte sich heraus, daß dieses Spiel genau nach meinem Geschmack ist. In kürzester Zeit war ich um neun Silberstücke reicher, während meine Gegner sich fluchend die blutige linke Hand hielten. Amonedthorrs Geist blieb jedoch, trotz aller Bemühungen, entrückt, nicht einmal das Bier, das Trixom und ich ihm einflösten, half. Die Nacht war schon weiter vorgerückt, als Trixom und ich Amonedthorr wieder nach Hause schleppen wollten. Sulvahir war schon früher gegangen, da er sich am nächsten Tag wieder seinen Büchern widmen mußte. Trixom und ich ärgerten uns gerade über Amonedthorrs Gewicht, als vor uns plötzlich eine vermummte Gestalt aufschreckte, die sich über einen am Boden liegenden Menschen gebeugt hatte. Mir schien es, als hielte sie einen blutigen Dolch in der Hand. Ich schrie und versuchte die Gestalt zu erwischen, doch sprang sie auf und rannte in die Gassen Corrinis, wo sie in der Dunkelheit verschwand. Der Sterbende griff nach meinem Arm, als ich mich neben ihm niederkniete, und zog mich zu ihm herunter. Ich legte mein Ohr an seine Lippen und horchte auf seine letzten Worte: ,,Mein Herr ... oh, ich habe ihn ... wo er wohl ist ... helft ihm ... diese Verbrecher``. Dann war er tot. Ich durchsuchte noch schnell die Leiche, bevor ich mit Trixom das Weite suchte. Schließlich sollte hier kein falscher Verdacht aufkommen. Kaum waren wir bei ,,Sherloc`` angekommen, als uns einfiel, das wir Amonedthorr in der Eile vergessen hatte. Also gingen wir zurück zum Tatort, an dem sich inzwischen ein Menschenauflauf gebildet hatte. Gerade wurde den Wachen erzählt, daß die Täter ein Mann und eine Frau gewesen seien. Damit konnten nur Trixom und ich gemeint sein. Zum Glück war es dunkel gewesen, und so beschränkte sich die Beschreibung auf ,,klein bzw. kräftig``. Amonedthorr saß, selig lächelnd, in der Gosse. Jene, denen er auffiel, hielten ihn offensichtlich für besoffen. Da niemand zu wissen schien, wer der Tote war, schnappten wir uns Amonedthorr, begaben uns zu ,,Sherloc`` und legten uns ins Bett.

Eine Lösung und viele neue Rätsel

Am nächsten Morgen schaute ich dann erstmal in die beiden Beutel, die die Leiche in den Taschen gehabt hatte. In einem fand ich ein wenig Geld, im anderen waren zwei Schlüssel und ein Stück helbraunes Leder mit zwei Bären und ein paar Strichen drauf. Sulvahir gelang es, die Striche als ,,B M G`` zu identifizieren. Wir beschlossen, den letzten Wunsch des Sterbenden zu erfüllen und seinem Herrn zu helfen. Als erstes mußten wir herausfinden, wer denn der Herr des Toten gewesen war. Ich versuchte mein Glück in der besseren Gegend der Stadt. Da ich jedoch an keinem Haus die beiden Bären entdecken konnte, beschloß ich dem Wirt der ,,Bärenkralle``, die auf meinem Weg lag, das Leder zu zeigen. Dieser war ausgesprochen hilfsbereit und meinte, daß ihm zu diesem Zeichen der Name ,,Gundar MacBeorn`` einfiele, der in der Drachenallee wohne. Als ich Sulvahir und Trixom mitttags in der ,,Speerspitze`` wiedertraf, hörte ich, daß die anderen ebenfalls Erfolg gehabt hatten. Sulvahir hatte herausgekriegt, daß es sich bei dem Toten um Gundars ehemaligen Leibdiener handelte und Trixom, der inzwischen zum Kellner befördert worden war, hatte sich unter den Gästen der ,,Speerspitze`` umgehört und von diesen erfahren, daß Gundar ein Stammgast des Luxus Bordells ,,M`` ist. Während wir uns noch unterhielten, fing auf einmal ein Rowdy am Nebentisch an laut zu stänkern: Er würde diese dunkelhäutige Schönheit schon noch flachlegen, dieses hinterhältige Weibstück hatte sich ihm doch tatsächlich verweigert. Bei näherem Hinsehn viel uns eine rote Strieme auf, die das Gesicht des Kerls zierte. Sulvahir stutzte und wurde ein wenig blasser um die Nase. Dann erinnerte er an vergangene Abenteuer: Quaheta in Lanselin und eine weitere dunkelhäutige Frau in Corrinis hatten den Gefährten schon öffters das Leben schwergemacht. Diese Frauen stammen anscheinend aus Amonedthorrs Heimat und sind so etwas wie böse Hexen. Plötzlich erinnerte ich mich auch wieder an die dunkelhäutige Frau, die uns am Abend vorher begegnet war, sie schien besoffen zu sein, aber war sie es wirklich? Als nächstes gingen wir zu Gundars Haus. Wenn es eine Antwort auf Fragen gab dann hier - dachten wir. Doch die zwei Wachen vor dem Haus verhöhnten uns und meinten, mit uns hätte Gundar bestimmt nichts zu bereden. Schließlich gelang es Trixom doch, durch Andeutungen auf Gundars Leibdiener, die eine Wache zum Nachfragen zu bewegen. Doch Gundar hatte anscheinend kein Interesse etwas über seinen Leibdiener zu erfahren, da er uns wegschicken ließ. Eigentlich hatten wir nun unsere Schuldigkeit getan, denn wie soll man jemandem helfen, der keine Hilfe will, doch Trixom meinte, wir sollten uns noch ein wenig umhören, und die ganze Angelegenheit als ,,Erfüllung eines letzten Willen`` sehen. Da Trixom zurück zu ,,Sherloc`` und Sulvahir zu seinen Büchern mußte, war ich also mal wieder alleine auf mich gestellt und beschloß mich mal im ,,M`` umzuhören. Mir gefiel der Laden ganz gut, jedenfalls besser als ein alter Jahrmarktswagen, aber auf meine Anfrage nach Arbeit wurde ich leider abgewiesen, da im Moment genügend Mädchen zur Verfügung ständen. Aber so schnell gab ich natürlich nicht auf. Einem Kunden, der das ,,M`` verließ, folgte ich und stellte ihm ein paar Fragen nach Gundar. Ich hoffte zu erfahren, daß dieser eine besondere Lieblingsfrau hatte, doch der, durch meine Fragen, sehr verunsicherte Kunde teilte mir mit, daß dies nicht so sei. Am Abend stellten Trixom und ich ein paar Theorien auf, die uns aber alle nicht weiterbrachten. Eine davon ging davon aus, daß es sich bei dem grünen Habicht, von dem Amonedthorr gesprochen hatte, um ein Gift handele. Trixom beschloß daraufhin den Alchemisten Plescar aufzusuchen, den er von seinem letzten Besuch in Corrinis her kannte. Leider konnte uns dieser Plescar auch nicht helfen, behauptete allerdings ein Mittel gegen Amonedthorrs Verwirrtheit auf Lager zu haben. Leider war es zu teuer, als daß wir es uns hätten leisten können und so verließen wir den Laden. Ich war gerade an der Türschwelle angekommen, als ich mich auf einmal von einem Auge beobachtet sah. Es guckte aus einer Flascher heraus, quoll dann ganz heraus und zerplatzte mit einem leisen ,,Plopp``. Mit einer Gänsehaut auf dem Rücken schloß ich schnell die Tür hinter mir. Inzwischen wartete Sulvahir in der ,,Speerspitze`` auf uns. Er hatte Amonedthorr von dem Gildenmagier Hogather Grauauge, einem Tuather, untersuchen lassen. Dieser konnte Amonedthorr jedoch auch nicht helfen. Er meinte nur, daß sein Zustand unter Umständen noch ewig anhalten könnte. Schöne Aussichten! Als es ganz dunkel war, schlich ich mich nochmal zu Gundars Haus; während Trixom Schmiere stand, versuchte ich die Hintertür mit den Schlüsseln des Leibdieners zu öffnen, doch erstaunlicherweise paßten diese Schlüssel nicht. Was für Schlüssel schleppt ein Leibdiener mit sich herum, wenn nicht die vom Haus seines Herren? Nach diesem letzten Abenteuer legten wir uns erschöpft ins Bett.

Ein neuer Freund und eine alte Freundin

Am nächsten Morgen kam mir die Idee noch mal in der ,,Bärenkralle`` vorbeizuschauen. Und tatsächlich: Mein Instinkt sollte mich nicht täuschen, der Wirt bot mir nämlich nicht nur an, am Abend bei ihm aufzutreten, sondern erzählte mir auch von Gundars unehelichem Sohn Finn Ainai. Dieser hatte, wie ich erfuhr, vor langer Zeit im ,,M`` das Licht der Welt erblickt. Offiziell weiß natürlich niemand, daß er Gundars Sohn ist, aber Finn erhält bei erstaunlich vielen Geschäften Gundars Unterstützung. Niemand würde es jedoch wagen, sein Wissen über diese Verbindung Gundar gegenüber offen zuzugeben. Da der Greifenpfad, in dem Finn Ainai ein kleines Haus bewohnte, nicht weit entfernt war, beschloß ich ihm gleich einen Besuch abzustatten. Kurze Zeit, nachdem ich an Finns Haustür geklopft hatte, öffnete sich die Tür, und ein Mann, der sich mir als Finn vorstellte, bat mich ins Haus, nachdem ich erwähnt hatte, daß ich mit ihm über seinen Vater reden wollte. Ich war zuerst etwas unsicher, da Finn Besuch von einem Kapitän hatte, doch Finn zerstreute meine Bedenken indem er versicherte, ich könne offen reden. Also erzählte ich den beiden von dem Überfall auf den Leibdiener, daß wir den Täter beobachtet hatten und vom letzten Wunsch des Sterbenden. Als ich erwähnte, daß Gundar sich geweigert hatte mit uns zu reden, zog Finn erstaunt die Augenbrauen in die Höhe, eine Erklärung dafür hatte er aber auch nicht. Doch er hatte Gundars Leibdiener ein paar Tage zuvor im ,,Goldenen Löwen`` mit einer dunkelhäutigen Ausländerin sprechen sehen. Ich mußte mich sehr zusammenreißen, um ihn jetzt nicht mit offenem Mund anzustarren, bekam ich doch so langsam das Gefühl, daß wir hier in eine ganz große Sache hineingerieten. Vorerst verabschiedete ich mich bei den beiden und versprach in den nächsten Tagen nochmal vorbeizuschauen. Auf dem Weg zum ,,Goldenen Löwen``, der als nächstes auf meinem Programm stand, traf ich Sulvahir, den heute eine auffallende Blässe zierte. Er kam von der Stadtwache. Dort wollte er etwas über den Mord an Gundars Leibdiener erfahren, hatte aber keinen Erfolg gehabt. Der Blässe schenkte ich zunächst unglücklicherweise keine weitere Beachtung. Im ,,Goldenen Löwen`` setzten wir uns in eine Ecke und tauschten die neusten Nachrichten aus, als Sulvahir plötzlich mitten im Satz innehielt und über meine Schulter in die gegenüberliegende Ecke des Raumes starrte. Ich fragte ihn, was er denn sehe. ,,Die dunkelhäutige Hexe sitzt dort drüben beim Mittagessen``, war alles was er herausbrachte; ich drehte mich um. Sie schenkte uns keinerlei Beachtung, löffelte nur schweigsam ihren Eintopf. Sulvahir hatte inzwischen offensicht- lich irgend etwas gemacht, denn plötzlich zuckte ihr Kopf hoch und sie fixierte mit ihren dunklen Augen Sulvahir. Der sprang nun auf und rannte freudestrahlend durch den Saal und begrüßte die Fremde mit ,,Huracan, kennst Du mich noch, Sulvahir!`` Ich brauchte einen Moment, bis ich mich wieder in der Gewalt hatte, dann trat auch ich an den Nebentisch. Die Frau, die meinen Freunden Amonedthorr und Zogar in den Nebelbergen zur Seite gestanden hatte, mußte ich einfach kennenlernen. Meine Freude über die neue Bekanntschaft wurde jedoch schnell getrübt, denn sie erwies sich als arrogant und selbstherrlich. Mehrmals an diesem Nachmittag hielt mich nur ihre Bekanntschaft zu meinen Freunden davon ab, über sie herzufallen. Helfen konnte bzw. wollte sie uns nicht. Sie machte sich zwar Sorgen über Amonedthorr, konnte ihm aber auch nicht helfen. Meine Frage nach ihrem Kontakt zu dem ehemaligen Leibdiener Gundars wollte sie zuerst überhaupt nicht beantworten. ,,Das geht Euch nichts an``, war ihr Kommentar. Erst als ich ihr drohte, die Stadtwache könne sich vielleicht dafür interressieren, daß sie mit dem Leibdiener Kontakt gesucht hatte, gab sie zu, mit ihm gesprochen zu haben. Sogar zu einer persönlichen Meinung über Gundar ließ sie sich hinreißen: ,,Gundar ist ein fieses Arschloch, ich wollte etwas Geschäftliches mit ihm besprechen, deswegen trat ich an den Diener heran, aber irgend etwas stimmt nicht mit Gundar.``Nach diesem, mit Abstand längsten ihrer Sätze, versank sie wieder in trotziges Schweigen.

Probleme und Theorien

Nach einem Ausritt auf meinem Pferd, der mir half, meinen Ärger auf Huracan abzubauen, war es Zeit für meinen Auftritt in der ,,Bärenkralle``. Später erfuhr ich, während mir der zufriedene Wirt ein Bier spendierte, noch weitere Einzelheiten über MacBeorn, er hätte sich überraschend aus einem ganz großen Auftrag zurückgezogen und hätte außer Finn noch andere Kinder. Wieder zurück in der ,,Speerspitze`` erzählte mir Trixom, daß er Gäste über Banditen in der Stadt habe reden hören. Die Nacht verlief ruhig, beim Frühstück erfuhren wir jedoch von einem totenblassem Sulvahir, daß sich der Vraidoskult, ein Kult dessen Anhänger sich mit Drogen in traumähnliche Zustände versetzen, in der Stadt stark ausbreiten würde und daß der Stadtvogt eine Giftmischerin heiraten will. Auf meine Nachfrage hin teilte er uns auch noch mit, daß er schon seit mehreren Nächten nicht mehr richtig geschlafen habe. Er sieht sich, sobald er die Augen schließt, von Wölfen durch einen Wald getrieben. Wir hatten nun mehrere Probleme:
1.
Amonedthorrs Alptraumvisionen
2.
Der letzte Wille von Gundars Leibdiener
3.
Huracans überraschendes Auftauchen in der Stadt
4.
Sulvahirs Schlaflosigkeit
5.
Das Fehlen von Zogar und Syvann.
Das Hauptproblem ergab sich daraus, daß wir nicht wußten, inwieweit die einzelnen Fälle (mit Ausnahme des letzten) miteinander zutun hatten. Wir versuchten methodisch vorzugehen. Als erstes überlegten wir, ob Gundar möglicherweise durch die Drogen des Vraidoskult in irgendwelche Traumwelten (möglicherweise dieselben, in denen Amonedthorr weilt?) entrückt sei und deshalb nicht mehr in Erscheinung trat. Auch zu Sulvahirs Alpträumen ließe sich so vielleicht eine Verbindung finden. Wir stellten jedoch schnell fest, daß Gundar nicht in irgendwelchen Traumwelten wandelte, da wir beschlossen sein Haus zu beobachten und Trixom ihn am Abend in sein Haus gehen sah. Ich erfuhr inzwischen im ,,M``, daß Gundar schon seit über einer Woche keines der Mädchen mehr aufgesucht hatte und gestern nicht einmal gegrüßt hatte, als meine Gesprächspartnerin ihn in Begleitung eines Fremden sah. Den restlichen Tag über legte ich mich schlafen, um für eine lange Nachtwache fit zu sein. Als ich Sulvahir dann um Mitternacht ablöste war zu seiner Farblosigkeit auch noch Schüttelfrost gekommen und so langsam mache ich mir echt Sorgen um seine Gesundheit. Die Nacht über war es ruhig, aber als ich morgens dann von Trixom abgelöst wurde, drängte es mich, nochmal bei Finn vorbeizuschauen. Er war inzwischen auch sehr besorgt über das Verhalten seines Vaters, hatte dieser doch sämtliche Kontakte, auch zu seinem Sohn, abgebrochen. Finn versprach sich umzuhören und mir bei ,,Sherloc``eine Nachricht zukommenzulassen, sollte er etwas erfahren. Nach dem Frühstück legte ich mich dann für ein paar Stunden ins Bett.

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The translation was initiated by Christof Petig on 1998-08-26


Christof Petig
1998-08-26