Midgard-Kampagne

Schriftzeichen der zweiten
Weltendämmerung

die Zwergenbinge Tumunzahar

3. Teil

Datum: Sylvesterwoche1993/1994

Spieler Charakter

Christof Petig Zogar, der Zwerg aus den Nebelbergen

Thomas Stein Amonedthorr, der Schamane von der Vulkaninsel Prtlpmpf

Malte Thoma Lyranija, die eranische Elfe (im 1. und 2. Teil)

Elrohir MacConuilh, albischer Thronfolger ( im 2. und 3. Teil)

Spielleiter: André Paus

In dichterischer Freiheit festgehalten von André Paus.

Was geschah:

Auf der Suche nach den Herscherinsignien, die Elrohir seine rechtmäßige Thronfolge ermöglichen können, hat die Gruppe die Zwergenbinge Tumunzahar in den Nebelbergen gefunden. Das letzte was über die MacConuilh Insignien bekannt war, war, daß sie von Ythelwin-Getreuen nach dessen Tod gerettet wurden, und diese, von Schergen Gardwains verfolgt, in die Nebelberge flohen. Niemand kehrte von dort zurück, auch die Verfolger nicht. Nur ein Getreuer konnte entkommen. Er war von den Verfolgern angeschossen worden, vom Pferd gefallen und später aus einer Bewußtlosigkeit aufgewacht. In der Hoffnung, seinen Kameraden noch zur Hilfe eilen zu können, betrat er die Höhlen der Nebelberge. Dort traf er auf eine Geistererscheinung, die ihn angriff und seinen Geist verwirrte. Jahrelang irrte er durch Erainn und Alba und es ist ein Wunder, daß er überlebte. Schließlich fand ihn eine Nathir - Heilerin und ahnte, wer er sei. Sie schickte Nachricht an Camrane, der kenntnisreichen Heilerin des Clans MacConuilh und Schwester Ythelwins, die mit den Nathir-Heilerinnen befreundet ist. Sie konnte ihn nach dieser Odyssee heilen und erfuhr so die letzte Kunde von den Insignien. Das einzige, was der Getreue aus den Nebelbergen noch mitbrachte war das Wort "Tumunzahar" von dem er aber weder wußte, was es bedeutete, noch woher es stammte. Möglicherweise hatte ihm dieses Wort der Geist eingegeben.

Als Elrohir, der Thronerbe, aus seinem Exil heimlich zurückgekehrt war, erhielt er dieses Wort als Nachricht von Camrane. Zogar, auf den er in Corrinis stieß, kannte die Bedeutung des Wortes: Die alte Zwergenbinge in den Nebelbergen, vor Jahrhunderten in dem großen Kataklysmus zerstört, trug diesen Namen. Seine eigenen Ahnen waren damals die Herrscher dieser Binge und ihre Insignien mußten sich ebenfalls noch dort befinden. So machten sich damals Elrohir, Zogar, Amonethorr und Lyranija wieder auf den Weg zu den Nebelbergen.

Die Elfe Lyrania fiel zum Entsetzten ihrer Freunde einem Drachen zum Opfer, der die Schätze der Zwergenbinge hortete. Die anderen konnten ihm die ersten beiden Insignien entwenden und mit Mühe entkommen. Die nächsten zwei Insignien wurden auf einer Insel in einem Säuresee gefunden. Es fehlten nur noch die letzten beiden, Durin's Axt und Feondslaga. Nachdem der gesamte Königstrakt der Binge durchsucht worden war blieb nur noch ein Gang übrig...

 

 

10. Der Gott der Zwerge

 

Nach einigen Schritten durch einen Gang, der von dem Höhlensee allmählich anstieg, erreichten sie wieder die zentrale Gruft, wie sie diesen Raum wegen der Zwergenskelette genannt hatten. Noch immer lagen die zertrümmerten Knochen der untoten Zwergenkrieger verstreut auf dem Boden und im flackernden Licht der Laterne wirkten sie jetzt noch ebenso gespenstisch, wie als sie plötzlich zu Leben erwacht waren und angegriffen hatten. Doch dafür hatten Elrohir, Zogar und Amonedthorr jetzt keine Aufmerksamkeit. Sie blickten zum letzten unerforschten der acht Gänge, die von diesem Raum wegführten.

"Die Macht zu geben dem Leben den Tod, findet das Leben im Tot." . Es war bei den Zwergen Tradition von Generation zu Generation Dichtungen und Verse mündlich weiterzugeben. Dieser Vers war einer von denen, von dem Zogar wußte, daß er sich auf diese Binge und die Zwergeninsignien bezog. Mit der Macht dem Leben den Tot zu geben könnte die letzte Zwergen-Insignie gemeint gewesen sein, Durins Axt. Und wahrscheinlich würde sich dort in der Nähe auch Feondslaga befinden, da sich bisher die Insignien der MacConuilhs immer bei den Zwergen-Insignien befunden hatten. Wie sie dort hingekommen waren konnte niemand erraten. Doch diese im Tot zu finden, hörte sich nicht sehr angenehm an. Nach einem kurzen Moment des Zögerns schritt Elrohir voraus und betrat den dunklen Gang. Die anderen folgten ihm.

Der Gang war eng, schien sehr lang zu sein und stieg leicht an. Er war ordentlich gearbeitet, wenn auch schlicht. Die Schritte hallten im Gang, so sehr sie sich auch Mühe gaben, leise zu sein.

Nachdem sie eine Zeit lang so angespannt vorangeschlichen waren, blieb Elrohir stehen. Als Zogar fragen wollte, warum, legte Elrohir bloß den Finger auf seine Lippen und schien angestrengt zu lauschen. Schließlich hörten es auch die anderen beiden:

Trommeln.

Leise, wie aus weiter Entfernungen von voraus. Sie schauten einander fragend an und einigten sich mit Blicken darauf, noch ein Stück weiter zu gehen, schließlich hatten sie auch keine andere Wahl, wenn sie die letzte Insignie finden wollten .

Sie schraubten die Flamme der Laterne bis zu einem schimmernden Glühen zurück. Als Zwerg konnte Zogar auch bei so schwacher Beleuchtung sehr gut sehen. Die anderen folgten seinen Schritten. Elrohir ging als letzter und schien angestrengt nachzudenken.

Während sie weiter gingen nahm die Lautstärke der Trommeln rasch zu. Nach einigen Metern konnte Zogar eine Ecke im Gang ausmachen. Was auch immer das rhythmische Klopfen verursachen mochte, es schien hinter dieser Ecke zu lauern. In sicherer Entfernung vom Knick hielten sie wieder an. Wer ging voraus, um zu schauen? Es war kein Licht von vorne zu sehen, also sollte es möglich sein, einen Blick um die Ecke zu riskieren.

Zogar ging voraus, da er die besten Augen in dieser Dunkelheit hatte. Noch während er sich dem Knick näherte wurde das Trommeln dramatisch lauter und beschleunigte sich. Entsetzt blieb er stehen. Er blickte sich Hilfe suchend zu seinen Freunden um und sah, daß Elrohir zu ihm kam. Erstaunt meinte er ein Lächeln auf seinem Gesicht zu sein.

Elrohir schritt beherzt um die Ecke und drehte die Flamme weit auf.

Die Trommeln schlugen ohrenbetäubend, doch Elrohir blieb ruhig und winkte die anderen zu sich. Als sie sich um die Ecke wagten, sahen sie, daß dort lediglich ein leerer Gang war. Und plötzlich wurden die Trommelgeräusche ruhiger.

"Ich wußte, daß mir diese Geräusche bekannt vorkamen", lachte Elrohir leise , "Was Ihr hier hört, ist nichts anderes als Euer eigener Pulsschlag!".

"Dieser Gang hat eine phänomenale Akustik!" flüsterte der Zwerg Elrohir zu.

Trotz dem scheints magisch über alle Maßen verstärkten, immer noch zu hörenden Herztrommeln der drei folgten sie dem Gang.. Er stieg noch einige Meter an und endete dann vor einem Portal; in der Wand des Ganges befand sich noch eine zweite, kleinere Tür. Zogar begann sofort, das Portal zu untersuchen. Es war mit Runen und Symbolen verziert, die nur undeutlich im schwachen Licht auszumachen waren.

"Religiöse Symbole. Ich würde schätzen, dort hinter verbirgt sich eine Art Tempel."

Inzwischen hatten Elrohir und Amonedthorr die kleine Tür abgesucht, hatten aber nichts besonders gefunden. Sie öffneten die schwere Tür vorsichtig. Hinter ihr verbarg sich eine kleine, schlichte Steinkammer, deren auffälligstes Merkmal ein großer Steinblock war. Eine längere Durchsuchung brachte noch einige religiöse Roben und einen mit Runen verzierten Steinhammer. Dieser Hammer, erklärte Zogar nachdem er ihn untersucht hatte, sei ein Ritushammer, der bei der Beisetzung von Zwergen eine wichtige religiöse Rolle spielte. Alles in allem sei diese Kammer wohl der Raum, in dem die Toten für die Beisetzung vorbereitet wurde.

"Was habe ich denn hier gefunden?" rief Amonedthorr und brachte eine Kristallvase zum Vorschein, die in einer Ecke versteckt gestanden hatte. In ihr befand sich ein Amulett. Amonedthorr griff hinein und im gleichen Moment stöhnte er leise auf und taumelte zurück. Die andren blickten ihn entsetzt an, aber er schien sich wieder zu fangen.

"Was ist mit dir?" rief Elrohir.

"Ich weiß nicht, mir war auf einmal so komisch, mir ist noch ein wenig schwindelig". Amonedthorr faßte sich an den Kopf. "Aber ich glaube, ich bin wieder in Ordnung."

Elrohir schaute ihn noch ein wenig besorgt an, während Zogar schon das Amulett untersuchte.

Es bestand aus einer ca. 10 cm durchmessenden Bronzescheibe, in dessen Zentrum sich ein roter Edelstein befand. Auf dem Rand waren Runen eingraviert, die er nicht verstand. Über den Sinn dieses Artefakts konnte er sich nicht klar werden.

Nach einem abschließenden Blick verließen sie die Kammer, wandten sich dem großen Portal zu. Sie untersuchten es und die Umgebung nach geheimen Fallenmechanismen ab, konnten nichts finden und zogen schließlich an einem schweren metallenen Ring, um das Tor zu öffnen.

Die Tür schwang langsam , aber fast wie von selbst, einen Spalt weit auf.

Dahinter befand sich ein Raum, eine Art Vorhalle. In der linken und der rechten Wand befanden sich noch zwei Portale, wobei das rechte besonders mit Steinreliefen verziert war. In der Mitte der Halle lag ein großer, grober Steinquader, in dem Metalladern im Schein der Lampe funkelten. Die Wand vor Ihnen und die Wand, durch deren Tor sie jetzt vorsichtig eintraten, anscheinend die eigentlichen Seitenwände dieser kleinen Halle, waren mit Steinrelief-Bildern versehen. Die Halle machte mit ihren breiten Säulen und ihren prächtigen Steinarbeiten einen sehr erhabenen Eindruck.

Elrohir und Amonethorr schritten langsam und beeindruckt durch die Halle und betrachteten die Bilder. Auf der einen Seite stellten sie Szenen aus dem alltäglichen Leben der Zwerge dar: das Graben nach Erzen, das Werken von Schmuckstücken und Feste. Auf der anderen Seite zeigten sie Schlachtszenen. In allen Reliefs aber konnte man, häufig erst nach einiger Zeit, wie durch die Szenen im Vordergrund durchscheinend, ein Ehrfurcht gebietendes Zwergengesicht erkennen.

Derweil zog Zogar der Quader in der Mitte des Raumes an. Mit Kennerblick erkannte er die verschiedenen Metalle, die darin eingeschlossen waren. Da waren neben einigen Eisenadern auch Goldeinschlüsse von erstaunlichem Reinheitsgrad. Und er fand sogar einen kräftigen Mithrileinschluß.

"Ich nehme an, dieser unbearbeitete Quader soll eine Mahnung an alle Zwerge sein, daß sie ihr Leben der Arbeit widmen sollen." sagte Zogar, wie zu sich selbst.

Plötzlich zuckte Amonethorr zusammen.

"Still!"

Er hielt inne, lauschte und wurde bleich.

Schließlich hörten auch Elrohir und Zogar das Flüstern von vielen klagenden Stimmen, die sich scheints weit entfernt befanden, einem manchmal aber auch direkt ins Ohr flüsterten.

"Da sind böse Geister in diesem Raum gefangen!" wimmerte Amonethorr. Er wich in eine Ecke zurück, ein Arm wie abwehrend vor seinem Gesicht haltend, mit der anderen Hand griff er nach einem der vielen Utensilien, die er ständig in seinen Taschen und um seinem Hals hängend hatte und holte eine Rassel hervor. Zu dem rhythmischen Schütteln der Rassel stimmt er einen dissonanten Singsang in seiner Heimatsprache an und begann durch den Raum zu tanzen.

Zogar und Elrohir starrten ihn entsetzt an

"Was soll denn das?"

"Ein Tanz gegen Geister verstorbener, böser Wesen. Aus meinem Heimatland", erklärte Amonethorr, ohne seinen Tanz zu unterbrechen.

Sie ließen ihn. Irgendwie schienen sie tatsächlich durch sein peinliches Verhalten die Furcht abgeschüttelt zu haben und schauten sich nun um, wie weiter vorzugehen sei.

Als sie sich dem verzierten Portal zu wandten meinte Zogar: "Ich habe nicht das Gefühl, daß diese Stimmen böse Absichten haben. Ich kann ihre Worte nicht verstehen, obwohl sie in einer zwergischen Sprache sprechen. Ich spüre einen Zorn, aber er ist nicht gegen uns gerichtet. Möglicherweise sind dies die Geister all jener unglücklicher Zwergenkrieger, die im Kampf gegen Orks und Dämonen gefallen waren, und die nicht nach dem Zwergenritus bestattet worden sind."

Dann untersuchte er das Portal genauer: "Über dem Portal ist ein zwergischer Schriftzug. Aber ich bin des Lesens unkundig."

Elrohir warf einen Blick auf die Schrift: "Ich habe einige rudimentäre Kenntnisse in Zwergenschrift, vielleicht kann ich das entziffern. In etwa: SCHREI AUF UND TRETE EIN. Was soll das bedeuten? Welches Losung muß man denn rufen, um eintreten zu können?"

Zogar runzelte die Stirn: "Es gibt Geschichten, daß Zwerge diese Losungen mit Humor wählten. Auch wenn andere Völker den Zwergen keinen Humor zutrauen." fügte er hinzu, als er Elrohirs erstaunten Blick spürte.

"ZGUUR!" rief Zogar und gab der Tür einen kräftigen Tritt.

Zuerst geschah nichts. Amonethorr war hinzugekommen und wollte gerade eine spöttische Bemerkung von sich geben, als ein Zittern durch das Tor ging und beide Flügel langsam und majestätisch nach innen schwangen.

"Was heißt 'Zguur'?" fragte Amonethorr, während sich das Tor Zentimeter für Zentimeter aufschob.

"Auf", war die lapidare Antwort von Zogar.

Amonethorr starrte den Zwergen ungläubig an. Schrei: "Auf!" und trete die Tür ein war die unglaublich simple Lösung des "Rätsels". Normalerweise hätte er wohl gelacht, doch der Blick, den das Portal nun freigab, schlug alle drei in den Bann.

Hinter der Portal war ein kurzer Gang, ebenso breit wie die Vorhalle, in der sie sich befanden. Er mündete in eine kreisförmige Halle, von der viele schmale Gängen wie Radspeichen wegführten. In der Mitte des Saales befand sich eine Statue, und diese war es, die sie alle anstarrten. Sie stellte einen übergroßen Zwergen von breiter, kräftiger Gestalt dar. Sein grimmiges Gesicht war jenes, das sie schon in den Bildern erkannt hatten. Die Augen schienen sie zu betrachten. Er stand gerade so da, als ob er auf sie gewartet hätte.

In der Händen hielt er Durin's Axt; zu seinen Füßen lag Feondslaga !

"Dies ist Mahal, der Zwergengott!" flüsterte Zogar ehrfurchtsvoll und kniete nieder, aber Amonethorr wollte keine weiteren Erklärungen abwarten und schritt auf die Statue zu, um ihr die Insignien abzunehmen.

Doch auf halbem Wege dorthin kreuzten sich die Blicke von ihm und der Statue. In den Augen ist Leben! erkannte Amonethorr entsetzt; doch es war schon zu spät für einen weiteren Gedanken, denn er erstarrte plötzlich wie zu Stein.

Fassungslos sahen Elrohir und Zogar, was geschehen war. Sie riefen Amonethorr zu, in der Hoffnung, ihn wieder zur Besinnung zu bringen, doch es brachte nichts und niemand wagte den Tempelsaal zu betreten.

"Dieser Dummkopf! Das hat er davon, sich dem Zwergengott ohne Respekt zu nähern!" fluchte Zogar.

Sie berieten, was zu tun sei. Schließlich entschloß sich Elrohir es zu wagen, und mit gesenktem Blick und in Demut sich dieser Gottheit zu nähern. Aber immerhin hielt sie dort seine Insignie, und es war sein Recht, sie zurückzufordern.

Mit diesen Gedanken ging er auf die Statue zu, doch auch er spürte, ohne hinzusehen, wie die Augen der Statue zu Leben erwachten und sich auf ihn richteten; und dann spürte er nichts mehr.

Zogar wurde panisch. Er war als einziger übriggeblieben. Wenn auch er von der Statue verzaubert wurde, so würde niemand mehr in der Lage sein, sie zu retten! Was sollte er tun?

Mehrere Stunden lang raufte er sich die Haare und seinen Bart und grübelte, was zu tun sein. Er hatte nur eine Chance, wenn er sie nicht nutzen konnte waren sie alle verloren! Aber irgendwann mußte er es wagen. Wer weiß, früher oder später konnten die Orks kommen, und der Drache und die Geister in der Vorhalle waren auch noch da. Er war hier nicht sicher.

Schließlich kniete er nieder und betete zu seinem Gott, Mahal, daß er ihn verschonen möge und wollte sich gerade gebeugt der Statue nähern um ihr die Insignien abzunehmen, als etwas Heißes seine Brust versengte. Schreiend riß er es hervor und sah, daß das Amulett, das sie gefunden und das er sich umgehängt und schon vergessen hatte, rot glühte.

Eine Warnung! Dieses Amulett warnt mich vor einer Gefahr! dachte er. Er besann sich wiederum, warum es ihm verboten war, sich der Statue zu nähern. Er erinnerte sich an neue Gebete, und versuchte es wiederum. Doch wieder warnte ihn das Amulett. Schließlich erinnerte er sich an einen alte Regel, daß man von Mahal niemals fordern darf, ohne auch zu geben. Er schaute sich die Statue erneut an und stellte fest, daß sie eine Hand vorzustrecken schien. In der anderen hielt sie Durin's Axt. Zu ihren Füßen lag Feondslaga, als ob es von irgendjemandem dorthin gelegt worden sei, es sich aber nicht von jeher dort befunden hätte.

Diese vorgestreckte Hand. Was kann sie fordern. Vielleicht diesen Ritualhammer?

Er holte ihn hervor und wagte sich langsam auf das Portal zu. Das Amulett blieb kalt! Er zitterte vor Aufregung und wagte sich langsam, Schritt für Schritt vor, jeden Moment das Unglück erwartend, die Augen, die sich bohrend auf ihn richten könnten, aber es geschah nichts, Mahal ließ ihn sich ihm nähern.

Gerade wollte Zogar Mahal den Hammer in die Hand legen, als er eine andere Präsenz spürt. Er wurde wieder nervös, aber er schaute, wer sich dort befand.

Es war der Geist! Jener, dem sie schon in den Orkhölen begegnet war, jener, dessen Kriegshammer er jetzt führte. Es schien, als ob er etwas von ihm wollte und Zogar war sofort klar, was er wollte. Wenn sein Geist hier umging, so könnte das nur bedeuten, daß niemals für ihn das Beerdigungsritual vollzogen worden war.

Was sollte er tun? Den Ritualhammer in Mahals Hand legen, oder dem Geist seine Ruhe geben, wozu er den Hammer benötigen würde? Konnte er es wagen, Mahal den Hammer noch vorzuenthalten? Aber dieser Krieger hatte vor langer Zeit große Taten vollbracht, er konnte ihm nicht die Ruhe vorenthalten, die er verdient hatte. Und langsam ließ er seine zitternde Hand mit dem Hammer sinken, voller panischer Angst, daß dies das Ende sein könne.

Doch Mahal akzeptierte das Flehen des Geistes und Zogars.

Innerlich fiel ein so großer Erzbrocken von Zogars Herzen, daß sich auf den alten, versteinerten Zügen seines Gesichtes ein Lächeln bildete, daß solange dort schon nicht mehr zu sehen gewesen war. Er folgte dem Geist und sah seinen knöchernen Leichnam in einem der Gänge vor einer leeren Grabnische. Vorsichtig legte er die Überreste des Leichnams in sie hinein und meinte erkennen zu können, daß sich die Geistererscheinung ebenfalls dort bettete. Schließlich verschloß er die Nische mit einigen Steinen, die umherlagen, sprach die Worte, die bei einer Bestattung zu sagen waren und schlug mit dem Hammer dreimal gegen das Grab. In seinen Ohren vernahm er ein unendlich langgezogenes, dankbares Seufzen.

Schließlich wandte er sich wieder Mahal zu legte ihm den Hammer in die Hand und nahm die Insignien an sich. In diesem Moment spürte er hinter sich eine Bewegung, seine Freunde waren wieder zu leben erwacht. Warum konnte er nicht sagen. Vielleicht hatte der Geist vor Mahal für das Leben seiner Freund plädiert? Er wußte es nicht.

Sie sahen ein wenig verwirrt um sich. Als Elrohir schließlich sein Fassung wieder gewonnen hatte und erkannt hatte, daß die Insignien zurückgewonnen waren, deutete er den anderen beiden an, ihm zu folgen.

"Du kannst uns später erzählen, was sich zugetragen hat", rief er zu Zogar, "Jetzt sollten wir schnellstmöglich verschwinden. Ich habe auch schon eine Idee, wie wir hier heraus kommen!"

Sie folgten ihm laufend zum unterirdischen See. Noch bevor Amonethorr wieder der Nixe verfallen konnte packten sie ihn ins Boot und Zogar hielt ihn dort fest.

Während Elrohir auf den See hinausruderte deutete er mit dem Kopf auf den Wasserfall, der in den Höhlen-See stürzte: "Wenn hier Wasser hinzu fließt, so muß sich auch irgendwo ein Abfluß befinden."

Nach einiger Zeit entdeckte er, was er suchte. Während das Boot von einem unterirdischem Strom erfaßt wurde und sie in eine Höhle zog, sah Amonethorr auf der Seeoberfläche die Nixe ihnen sehnsüchtig nachblicken.

Doch schon hatte der Felsenschlund sie verschlungen. Ein wilde Fahrt durch die Höhlen folgte. Die Lampe wurde aus dem Boot geschleudert. Zogar und Elrohir hatten Mühe ihre Insignien festzuhalten. In absoluter Dunkelheit schlug das Boot mal hier, mal dort gegen einen Felsen, Schreie, Rufe, Wasser überall, sie stürzten einen kleinen Wasserfall herab, doch schließlich trieben sie in ruhigerem Wasser und konnten Tageslicht ausmachen. Sie hatten die Ruder verloren, aber die Flußströmung trieb sie gemächlich in die richtige Richtung.

Als sie die Höhle verließen, sahen sie, daß es Morgen war. Wie lange hatten sie kein Tageslicht mehr gesehen? Vor ihnen lag die weite, wilde Ebene Éachteara und hinter ihnen die Nebelberge. Sie versuchten den Palast der Zwergenbinge auszumachen, konnten ihn aber nirgends entdecken.

Das Weitere ist schnell erzählt: Der Fluß mündete in einem der vielen Seen Locheantars, der nahe der Festung Ealalinn lag. Dort rasteten sie einige Wochen, bis ein Handelszug den einsamen Vorposten der Zivilisation erreichte. Von diesem wurden sie mitgenommen bis zu der kleinen erainischen Stadt Airthir, die einige Tagesreisen von Tidford entfernt liegt. Es waren nicht mehr allzuviele Tage bis zur Sommersonnenwende, wenn Gardwain in Tidford für einige Tage Recht sprechen und bei dieser Gelegenheit Elrohir von ihm sein Recht auf die Thronfolge einfordern würde. To be continued...