Hier findest Du meine Definitionen zu diversen Wörtern die im allgemeinen Sprachgebrauch
oftmals verwirrend unterschiedlich interpretiert werden.
Devot
ist wohl das am häufigsten falsch verwendete Wort im Bereich der S/M - Szene überhaupt.
Laut Duden stammt 'devot' aus dem lateinischen und bedeutet 'unterwürfig'. Somit beschreibt es also eine rein seelisch- emotionelle Eigenschaft.
Aus meinem Blickwinkel ist es das Bedürfnis einer Frau, sich einem Mann unterordnen zu dürfen, sich ihm zu unterwerfen bzw. von ihm unterworfen zu werden. Diese Lust an der Unterwerfung enthält aber nicht zwangsweise auch die (sexuelle) Lust am Schmerz. Viel Frauen lieben es, brauchen es, dass ihr Lebenspartner eine Führungsrolle in der Partnerschaft übernimmt, würden diese aber sofort beenden, wenn er ihr vorsätzlich und zu seinem Vergnügen Schmerzen zufügen würde. Insofern ist die Gleichsetzung von 'devot' = 'masochistisch' grundsätzlich falsch.
Dominant
ist das Gegenteil von 'devot'. Es drückt den Führungsanspruch des Mannes aus, sagt aber überhaupt nichts über seine sexuellen Gelüste aus. So wird ein dominanter Mann sicherlich von seiner devoten Partnerin fordern, ihm auch für jede seiner sexuellen Begierden willig zur Verfügung zu stehen, kann aber daran allen Spass verlieren, wenn sie dann nicht gehorcht. Denn nicht immer ist sein Ziel ihr Ungehorsam den er dann schmerzhaft bestrafen muss/darf.
Masochistisch
ist der Ausdruck für die (körperliche) Lust, Schmerz erleiden zu müssen bzw. zu dürfen. Nicht immer geht damit sexuelle Erregung oder gar sexuelle Befriedigung einher. Oftmals ist es auch (nur?) der Stolz, von 'ihm' z.B. mit Peitschenstriemen als sein Eigentum gekennzeichnet worden zu sein.
Sadistisch
ist der Ausdruck für Lust, einem Anderen körperliche Schmerzen zuzufügen. Auch der Sadist geniest diesen Akt nicht ausschlieslich und zwangsweise in Form sexueller Erregung und Befriedigung.
Safe, Sane, Consensual (SSC)
Sicher, Gesund und im Konsens - das sind die Schlagworte mit denen die "guten" BDSM-ler in öffentlichen Diskussionen darstellen, dass ihre Art miteinander zu spielen grundlegend von realsadistischem Handeln unterscheidet. Aber auch innerhalb der "guten" BDSM-Gemeinde sind diese Begriffe mit sehr unterschiedlichen Bedeutungen besetzt.
Sicher (Safe):
Unter einem sicheren Spiel verstehe ich zum einen, dass die Spieleumgebung sicher gewählt ist. So ist z.B. das Spielen in der Öffentlichkeit immer mit dem Risiko behaftet dass ein beherzter - aber völlig unwissender - Bürger einschreitet und - im harmlosesten Fall - die Polizei ruft oder aber selbst zum Knüppel greift. Zum zweiten verstehe ich darunter, dass genügend persönliche Sicherheit vor kriminellen und/oder realsadistischen Übergriffen hergestellt ist. Gute Möglichkeiten dazu bieten die von diversen Gruppen angebotenen Cover-Services.
Gesund (Sane):
Zu diesem Stichwort gibt es zum einen die formaljuristische Betrachtungsweise: "Körperverletzung" (ggf. in Tateinheit mit Freiheitsberaubung) wird von Richtern dann und nur dann nicht geahndet, wenn es zum einen "auf Verlangen" und zum zweiten auch dann nur innerhalb enger Rahmen geschieht. Wie eng diese Rahmen sind hängt dabei wohl stark vom jeweiligen Richter ab. Der eine akzeptiert längstens drei Stunden lang sichtbare Spuren von der Gerte, der andere auch schon mal ein paar Tage lang sichtbare kleine Hämatome. Zum Zweiten - und eigentlich viel wichtigerem - gibt es die persönliche Betrachtungsweise: Darf der Po nur gerötet sein - oder auch Striemen haben? Wann müssen diese wieder verschwunden sein? Heute noch oder auf jeden Fall Morgen früh oder dürfen (oder sollen sogar) daraus auch blaue Flecken entstehen die tagelang an die Session erinnern? Wird nur mit einfachen, weissen Kerzen deren Wachs nicht sehr heiss ist, gespielt oder doch auch mit Kerzen aus echtem (recht heissem) Bienewachs der zu leichten Verbrühungen der Haut führt? Die Antworten auf derartige Fragen muss jede(r) der Spielpartner für sich selbst suchen und finden und dann intensiv und vollständig kommunizieren.
Im Konsens (Consensual):
Dieser Begriff bringt zum Ausdruck, dass alle BD-D/s-SM - Handlungen zu denen sich zwei (oder mehr) Menschen verabreden und zusammentreffen im allseitigem, gleichlautendem Einverständnis geschehen. In dieser Form niedergeschrieben klingt es gut, richtig und einfach. Gut und richtig ist es sicherlich - aber einfach ganz und gar nicht! Es bedarf recht intensivem Kennen(lernen) bis die Spielpartner voneinander wissen, was sie sich gegenseitig WIRKLICH nehmen und geben können. Auch hier gilt, dass nur durch intensivste Kommunikation wirklicher Konsens gefunden werden kann. Die denkbar schlechteste Basis ist "Bitte, mach' mit mir doch was auch immer Du möchtest, ich bin mit allem einverstanden".
Fortsetzung folgt...