Radurlaub in Bratislava

Radurlaub in Bratislava 2003 - Land im Aufbruch

@(#) Jun 28 2004, 17:53:28

Der folgende Bericht dreht sich nur in zweiter Linie um das Radfahren - so aufregend war der kurze Urlaub aus sportlicher Sicht nicht. Umso interessanter war die Bekanntschaft mit der Slowakei nach der Wende, von der man nur sehr wenig hörte (und dann auch nicht viel Positives). Ich schildere hier also eher einige Eindrücke von einem Land, das gerade "erwacht" und schon in einem Jahr EU-Mitglied sein kann (vorausgesetzt, das Referendum im Mai geht positiv aus). Ein wenig sollten wir uns für unsere neuen Nachbarn schon interessieren.

Doch auch für "Nur-Radfahrer" sollte der Bericht etwas bringen, denn man braucht wirklich einige Regeln, um auf den Straßen der Slowakei zu überleben. Wir glauben, in sechs Tagen eine repräsentative Auswahl von Touren abgefahren zu haben; empfehlenswerte Routen hänge ich an.

Um es vorwegzunehmen - der Unterschied zu Tschechien ist mittlerweile größer als vermutet. Man muss mit dem Land erst einmal klar kommen, findet aber mit der Zeit immer mehr Positives.

26.4.2003

Tria-Peter, den ich schon seit der Radfernfahrt Berlin-Neapel 2000 kenne, und ich wurden von unserem Freund Lubos zu einem kleinen Radurlaub nach Bratislava eingeladen. Ich war dort vor 30 Jahren zum letzten Mal und hatte alles sehr angenehm in Erinnerung. Außerdem erzeugt Lubos den breitesten Windschatten, den man sich überhaupt vorstellen kann, wie ich voriges Jahr auf der Friedensfahrt-Sporttour erleben durfte. Also nichts wie hin. Geplant war eigentlich eine Woche Sporthotel, doch es gab Probleme mit Lubos' Arbeit (das Hotel liegt 200km weiter östlich), und so reservierte er eine Pension in der Stadt.

Schon 7.20 Uhr klingelte Tria-Peter bei mir zu einem kurzen Kaffee. 3 Stunden hatte er von der Braunschweiger Ecke bis nach Dresden gebraucht. Die anschließende Fahrt verlief glatt; von der Hochwasserkatastrophe im Erzgebirge vom Vorjahr war zwar noch einiges Erschreckende zu sehen, doch die Straße führte bereits wieder durch bis auf den Kamm. Über die "Nuttenmeile" nach Zinnwald konnte sich diesmal Peter amüsieren; eine tanzte gerade in Unterwäsche hinter Glas. Aber die vom Hochwasser zerstörte Straße war schon fast vollständig wieder in Stand gesetzt.

Auch von den noch vor wenigen Jahren berüchtigten Kontrollen an der slowakisch-tschechischen Grenze spürten wir wenig. Zum Verständnis: Die Slowakei hatte sich ja nach der Wende - etwas überraschend für den Außenseiter - von der Tschechoslowakei "abgespalten". Wir wussten früher gar nicht, wo die Grenze genau verlief, denn sie spielte keine Rolle. Man hörte von langwierigen Kontrollen, von der Weigerung, das slowakische Geld wieder zurückzutauschen, von gravierenden wirtschaftlichen Problemen und so weiter. Die Zigeuner waren schon immer der neuralgische Punkt in diesem Land, und keiner weiß mehr, wieviele Prozent der Bevölkerung sie eigentlich stellen; man redete von 20%, allerdings nicht gleichmäßig verteilt. Auch gegen die ungarische Minderheit soll es ziemliche Repressalien gegeben haben. Das erinnerte mich unangenehm an Rumänien, das mit Abstand schlimmste Land in Osteuropa.

Schade, denn die Slowakei war (und ist es wieder) ein beliebtes Urlaubsland - die Hohe und Niedere Tatra, das Kurbad Piestany und das Slowakische Paradies seien nur als bekannte Beispiele genannt. An schönen Landschaften herrscht dort wahrlich kein Mangel.

Wir fuhren nach 7 Stunden Fahrt bei bestem Wetter ein, und dank Handy - das Mobilfunknetz ist wie vermutlich überall in Osteuropa gut ausgebaut und für die "Eingeborenen" fast so preiswert wie das Festnetz - trafen wir sehr bald Lubos, der uns per Rennrad zur Pension führte. Ich staunte über die großzügig und autobahnmäßig ausgebauten Straßenanlagen, die schon zu sozialistischen Zeiten entstanden waren. Es ist eine Frage der Prioritäten, aber nicht zuletzt war (und ist?) die Slowakei ein bedeutender Rüstungsproduzent, wodurch bestimmt entsprechend Geld ins Land kam. Der Verkehr schien allerdings ziemlich brutal zu sein.

Einzel- wie Doppelzimmer in der Pension kosteten 35 Euro ohne Frühstück. Wir hatten in der Stadt keine Tiefstpreise erwartet, aber das war doch ziemlich fett, auch wenn es ein Neubau war. Wir zogen also zusammen in ein Zimmer, so wie immer. Alles andere war für uns trotz gehobener Preise in der Stadt sehr preiswert bis billig. Das Tanken und zwei Autobahnvignetten sowieso - 35 Euro hatte uns die gesamte Anreise gekostet ...

Die Pension Dominika lag mitten in einem riesigen Neubaugebiet, das erdrückend wirkte. Die Häuser standen zwar nicht so dicht, waren aber hoch und ziemlich verfallen. Es wirkte alles nicht so recht gemütlich.

Lubos bot den sichersten Abstellplatz für Peters Auto, den man sich vorstellen kann: Er arbeitete beim österreichischen Zoll und "beschlagnahmte" es. Dafür mussten wir bei ihm 6 Sack Kartoffeln "Freundschaftsgeschenke" (oder was es sonst war) mit hochtragen. Lubos wohnte im fünften Stock eines Plattenbaus, der im Innern einen recht düsteren Eindruck machte. Es erinnerte mich manches an Polen (dort hatte ich in den 70er Jahren in allen möglichen Wohnungen gelebt), doch der Zustand der Bauten in Bratislava war mittlerweile schlechter. Lubos erzählte das, was ich fast erwartete: Unter der postkommunistischen Regierung Meciar blühte die Korruption, und das Land wurde regelrecht heruntergewirtschaftet. Erst ab etwa 1998 ging es aufwärts. Während Tschechien, Polen und Ungarn fleißig auf einen EU-Beitritt hin arbeiteten und schon in der NATO waren, bekam Bratislava regelmäßig "Mahnbriefe" aus Brüssel. Das wurde alles binnen der letzten zwei Jahre erfolgreich nachgeholt.

Wir gingen in die Altstadt und aßen einfach vorzüglich. Für etwa 3 Euro bekam man z.B. eine große Pfanne mit Fleisch, Wurst, Kartoffeln und Spiegelei, sehr gut gewürzt und angerichtet. Leute mit Knoblauchallergie sollten allerdings von einem Besuch Abstand nehmen. Das Bier war natürlich genauso gut wie in Tschechien.

Bratislava hat eine sehr markante Hängebrücke mit einer Gaststätte in einem UFO-artigen Pylon in großer Höhe. Ich hatte sie schon 1971 im Bau erlebt, kam aber auch 1973 nicht hoch. Inzwischen war alles zu. Der Pächter hatte mit der Stadtverwaltung Dumping-Pachtpreise ausgehandelt und sich unter der neuen Verwaltung geweigert, andere Preise zu zahlen sowie die Räumung verweigert. Also wurde alles, auch der Aufzug, versiegelt. Die Brücke, nach der Burg das Wahrzeichen der Stadt, war total mit Graffitis beschmiert und rostete an vielen Stellen. So manches war wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. Dafür war die große Altstadt schon fast fertig restauriert, mit unzähligen Straßenrestaurants und Cafes, sehr schön. In den Hinterhöfen gab es noch einiges zu tun. Man staunte aber über die Geschwindigkeit, mit der sich hier offenbar alles veränderte. Es wurde noch sehr viel gebaut, überall.

Als Fußgänger hatte man so seine Probleme, Wege zu finden und über die Straße zu kommen. Gegen Ende der Woche hatte sich aber auch Peter an die (noch) vorherrschende Gesetzlosigkeit gewöhnt. Die Polizei hatte offensichtlich Wichtigeres zu tun, als auf Verkehrsregeln zu achten. Trotzdem: Kein Vergleich zu Neapel, auch wenn man dort einfacher über die Straße kam.

27.4.2003

Der Sonntag begrüßte uns mit regnerischem Wetter. Wir liefen zum großen Einkaufszentrum Aupark, das geöffnet hatte. Wir waren nicht in Deutschland - die Kaufhalle bei unserer Pension, wo wir uns täglich das Frühstück holten, hatte folgende Öffnungszeiten: Mo-Fr 6-20, Sa 6-14, So 7-12 Uhr. Der Aupark noch länger. Er war hochmodern und machte von Sortiment und Ausstattung einen besseren Eindruck als das neueröffnete Einkaufszentrum Webergasse in Dresden, das angeblich einen Preis gewonnen hatte. Vor allem gab es einen Plan, wo welches Geschäft zu finden war. Ich entdeckte ein paar traumhafte Sandalen von Bata für 40 Euro, made in Italy. Bata ist eine seit Jahrzehnten berühmte Schuhfabrik, die sogar in den USA verkauft und produziert. Bei uns ist sie offenbar als Konkurrenz unerwünscht. Die Sandalen passten auf Anhieb an meine komischen Füße. Außerdem erstand ich für den Preis, der bei uns für 1 Blatt Shell-Karte verlangt wird (7.50 EUR), einen erstklassigen Autoatlas von der Slowakei und Tschechien, 1:200.000, mit Stadtplänen und GPS und so weiter. GPS brauchten wir natürlich nicht, aber ab sofort konnten wir Touren planen.

Wir liefen noch über die Hängebrücke und bemerkten, dass sie enorm vibrierte. Kein Wunder, sie war ganz aus Stahl. Die US-Botschaft in der Altstadt war mit Sperren aus Betonteilen, Maschendrahtzäunen und bewaffneten Armeeposten abgesichert. Die britische wurden "nur" von Armeeposten bewacht. Die Spanier hingegen schienen sich für Terroranschläge weniger wichtig zu halten (nur darum geht es letztendlich): Ein normales Haus.

Das Wetter konnte sich nicht recht zu Regen entschließen. Also entschlossen wir uns, und zwar zum Radfahren. Ich plante einen "Pass" in den Kleinen Karpaten nördlich von Bratislava, so etwa 70km. Die Ausfahrt war die Hölle. Auf der autobahnartigen E75 konnte man wirklich kaum fahren, aber unsere Versuche der Umgehung schlugen immer wieder fehl. Endlich, die Straße 2, doch da wurde es auch nicht viel besser. Irgendwelche Verkehrsregeln schien es nicht zu geben - na gut, man fuhr vorwiegend rechts.

Nach 20km setzte Platzregen ein. Wir fuhren noch ein Stück und bogen dann nach links ab, am VW-Werk vorbei. Diese Straße war einsam und sehr gut. Nach einigen Orientierungsproblemen gelangten wird zum Vorort Dubravka auf dem Berg und fuhren flott (und inzwischen trocken) kilometerlang vierspurig bergab in die Stadt auf schlechten Straßen zurück. Boah, mit dieser Stadt und diesem Verkehr muss man wirklich erst einmal klarkommen. Das musste alles einst viel besser ausgesehen haben. Die Neubauten hatten teilweise eine tolle Architektur. Dazwischen schon ganz moderne Bauten, wie in westlichen Städten.

45km mit reichlich 23 Schnitt lautete das würdige sportliche Ergebnis des Tages. Von den Eindrücken her waren es jedoch weit über 200km.

Lubos wollte an diesem Tag eine RTF in Österreich fahren. Die erschien uns nicht so interessant (rund um den Neusiedler See), und außerdem: Wer allein für einen Transponder 5 EUR Leihgebühr und 40 EUR Pfand verlangt, soll sehen, wo er Teilnehmer her bekommt. Es wäre auch eine Wind-und-Wasserschlacht geworden. Und Lubos fiel selbst aus: Er bekam eine schlimme Allergie und musste per Rettungswagen ins Krankenhaus. Damit wurde nichts mit Windschatten in diesem Urlaub. Wenn wir mal dicht hintereinander fuhren, spielte ich den Lubos.

28.4.2003

Na, endlich - ordentliches Wetter, wie hier unten zu erwarten. Die Sonne lachte nur so vom Himmel, es war warm und ziemlich windig (wie den Rest der Woche auch). Also gleich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und die große Tour nach Piestany angegangen. Peter hatte eine klasse Idee, aus der Stadt besser herauszukommen. Nach 4km wildem Anfang ging es links ab an der Donau entlang Richtung Devin, der Burg Theben. Wenigstens ein Foto von dieser mächtigen Anlage musste werden, und noch eines von zwei Störchen in einem Nest am Rand der immer noch ziemlich stark befahrenen Straße. Aufpassen hieß es sowieso - man durfte sich nicht auf irgendwelche Regeln beim Überholen oder Eingliedern in den Verkehr verlassen. Geblinkt wurde in den seltensten Fällen. Logisch, dass sich da kaum jemand anschnallte, übrigens auch die Polizei selbst nicht.

Die Kleinen Karpaten erschienen als relativ flacher, langer Bergrücken, nur die Teufelskoppe war ein ordentlicher hoher Kegel (750m), und dahinter wölbten sich noch zahlreiche weitere kleinere Kuppen.

Wir fanden einen Abzweig nicht und fuhren wieder am VW-Werk vorbei nach Stupava, danach ein Stückchen Höllenstraße 2. Endlich durften wir rechts nach Lozorno abbiegen. Nun kam der schönste Teil der Tour: Immer an den Kleinen Karpaten entlang, immer etwas wellig, durch zahlreiche Ortschaften hindurch bis Brezina pod Bradlem. Vor allem der letzte Abschnitt war sehr schön - dichte Wälder, die Dörfer auch nicht so verfallen wie manche in Tschechien, gute Straße, mäßiger Verkehr, manchmal leichter Rückenwind. Es machte Laune. Der Schnitt war schon auf 27.4 geklettert. Das war wichtig, denn es würden auf jeden Fall über 200km werden.

Irgendwo fuhren wir an einem riesigen Zementwerk vorbei, das auch schon in "westlicher Hand" war. Im Unterschied zum Rumänien (beispielsweise) wurde die Landschaft nicht schon 20km vorher weiß. Überhaupt, hier wirkte alles zwar nicht gewienert, war aber oft noch ansehnlich und nicht total ärmlich. In einem Dorf kam uns ein Radfahrer mit einem Dackel auf selbstgezimmertem Dackelsitz hinter dem Lenker entgegen. Dem Hund schien das sehr zu gefallen.

Eine Pause in einem Gartenlokal in Brezina, Wasser tanken (die Luft schien sehr trocken zu sein) und anschließend "in die Berge". Noch im Ort ein Schild: 15%. Au weia. Aber es waren nur 20m 12%, dann ein längerer Berg, nichts Spektakuläres und trotzdem der steilste Anstieg des Urlaubs. Oben links leuchtete das Grabmal Bradlo weiß mit vier Säulen in der Landschaft, rechts grüne Kuppen, eine schöne Ecke. Wieso dann bei der folgenden kilometerlangen Abfahrt nur Gegenwind war, begreife ich heute noch nicht. Wahrscheinlich aus Prinzip.

Endlich, nach 130km Piestany, der bekannte Badeort. Sofort hörten wir deutsche Kurgäste heraus. In die Fußgängerzone konnten wir nicht. Das heißt, ich schon mit meinen SPD-Schuhen, aber nicht Peter mit seinen Look-Pedalen. Mich hätte es nicht gekümmert, dort zu fahren - woanders interessierte sich ja auch niemand dafür -, doch in Piestany standen wirklich Sheriffs herum und passten auf. Eben ein gehobener Kurort. Dafür fuhren wir über die bekannte Brücke in den Kurpark hinein. Dort war wieder Schluss, denn zwei schwarze Sherrifs passten wieder auf, dass wirklich niemand mit dem Rad fuhr.

Nach der "Mittagspause" ging es nun heim. Um unsere Lebenserwartung ein wenig zu erhöhen, wählten wir eine Straße mit möglichst vielen Ziffern, also die 507. Die 20km bis Hlohovec waren fast flach und eigentlich schön, aber es ging ständig schutzlos gegen ziemlich starken Wind. Wir waren ja anderes Tempo gewöhnt. 23km/h an einem flachen Anstieg (1-2%) regen einen dann richtig auf. Rechts zeigte sich das Atomkraftwerk Jaslovske Bohunice mit etwa 8 großen Kühltürmen, dahinter die Kleinen Karpaten in voller Länge.

In Hlohovec knickten wir rechtwinklig nach Westen ab, der Wind offenbar entgegengesetzt. Es ging einfach nicht flott vorwärts. Dann die Straße 61. Es wäre einsamer möglich gewesen, aber nun ging es um Zeit und Strecke-Sparen. Verkehr und Fahrsitten wie immer übel und nervend. Das ist selten bei mir, doch die Kilometer fingen an, sich zu ziehen. In Trnava legten wir noch eine kleine Stadtbesichtigung ein, die sich auf jeden Fall lohnte. Als Altbundesbürger war Peter ja traditionell gesetzestreuer als ich :-), aber mangels Sherrifs fuhr endlich auch er durch die Fußgängerzone, und es lohnte sich voll. Sehr sehenswert alles! Und ein heftiges Leben auf der Straße. Und nicht solche auffälligen sozialen Gegensätze wie in Tschechien.

Die 61 zog sich und zog sich. Landschaft wie ein Bügelbrett, wenige Baumgruppen, rasende Autos, die Straße mittelgut. Noch mindestens 50km. Die nächste größere Stadt, Senec, kam nur äußerst schleppend näher. Die war nicht ganz so sehenswert, doch einen Abstecher in die Stadtmauern sollte man auf jeden Fall machen.

Die Kilometer wurden noch länger, nur der Wind blieb. Ab Senec kam er aber endlich mehr von der Seite, und das Tempo stieg nun auch wieder auf 28 und sogar 30. Endlich zeigte sich Bratislava mit seinen vielen Hochhäusern, der Burg und den Schornsteinen. Wir kamen auf die vierspurige Einflugschneise. Ich fühlte Durst und starke Erschöpfung. Das könnte in einen Hungerast münden. Ich hatte viel zu wenig trinken können, noch nicht einmal 5 Liter auf nun schon über 200km. Aber kein Geschäft in diesem verdammten Industriegebiet, nur Beton und Autohäuser und Straßen und Glaspaläste, nichts für Menschen. An einer Tankstelle fiel ich ein und versuchte, die Kohlensäure aus einer Flasche Tonic zu entfernen. Das wurde eine Spritz- und Zischorgie, gelang aber. Noch ein Riegel, und mir ging es besser. Peter hatte massig Riegel von seiner fürsorglichen Gemahlin mitbekommen, offenbar nur eine Sorte, und konnte sie schon jetzt nicht mehr sehen. Ich hatte mich gestern in der Kaufhalle mit allen möglichen Sorten eingedeckt und nur verschiedene gegessen, daher blieb der Appetit erhalten. Vor allem die Cappucino-Riegel waren erste Klasse. Wenn es die nur in Tschechien geben würde ... Kein Vergleich zu unserem Krümelzeug, das ich größtenteils nicht mehr mag.

Am Ziel ging noch ein kleiner, symbolischer "Sprint", allerdings nur bis reichlich 40km/h. Das musste sein, weil Peter meinte, ich wäre am Anfang zu schnell gefahren. Das bin ich auf keinen Fall, es war ganz locker. Einen guten Schnitt brauchten wir schon wegen der Zeit und der unbekannten Strecke, und die Basis für den guten Schnitt legt man am Anfang.

231km standen auf dem Tacho, 26 km/h, 11 Stunden waren wir unterwegs und nun ziemlich ausgebrannt. 1100 Höhenmeter hatte ich gemessen - das könnte stimmen. Aber Windkennziffer mindestens 257 ;-)

Die Tour war auf den letzten 100km oft quälend, wegen der Kombination von Gegenwind, Verkehr und Ebene. Aber insgesamt war sie toll, die schönste des Urlaubs. Schon deswegen hatte sich die lange Anreise gelohnt. Und einen fetten Sonnenbrand hatte ich mir geholt, vor allem auf der rechten Wade. Komisch. Entweder das war alles vormittags passiert, oder das Atomkraftwerk? Das war nämlich rechts von uns. Na gut, wenn morgen der Haarausfall beginnt und die Reifen zerkrümeln, wissen wir Bescheid.

29.4.2003

Die Haare waren noch auf dem Kopf, die Reifen ganz, also hatte uns wohl die Sonne so verbrannt ;-) Nun schmierte ich mich aber ordentlich ein. Wir fuhren zur österreichischen Grenze (ein freundlicher slowakischer Rennradfahrer half uns dabei), dann ging es ganz einsam nach Berg, Röhrach und Burg an der Leitha. Das war die blanke Erholung: Einsame und sehr gute Straßen, liebliche Landschaft, blitzblank gewienerte Orte ... und niemand auf den Straßen, kein Mensch. Unter den wenigen Autofahrern fielen die Slowaken durch besondere Rücksichtsnahme auf. Aha. Aha. Hier gibt es also eine aktive Polizei.

Weiter gings' nach Wilfleinsdorf und dann über das Leithagengebirge Richtung Neusiedler See. Links die Schießplatzeinfahrt III. Ich hätte so gern ein "e" und ein "i" mitgehabt und damit den vierten und fünften Buchstaben vertauscht, es ballerte die ganze Zeit ...

Das Leithagengebirge bot 2-3km lang maximal 5% Steigung in dichtem Laubwald auf ruhiger Straße, sehr genehm nach der verzehrenden Tour gestern. Die Abfahrt war genauso, kurz bot sich ein Blick auf den Neusiedler See, der in der dunstigen Hitze flimmerte. Unten links ab und Schluss mit lustig: Der Verkehr war genauso stark wie auf der anderen Seite der Grenze. Die Sonne knallte auf die verbrannten Arme, es war lästig und von der Landschaft her nicht so toll. Wirkte ein wenig wie Ungarn. Wir sind in Neudorf schleunigst nach Potzneusiedl abgebogen und zurück nach Prellenkirchen gefahren. Dort im Burgenland gibt es "Kellerstraßen", mit Erde bedeckte Kellerräume - Weinkeller natürlich. Also, Burgenland ohne Wein, das kann nicht sein. Wir kehrten ein. Jeder ein sehr gutes belegtes Brot, Peter eine Cola, ich etwas Besseres: Einen Achtel Blaufränkischen. Der war gut, und die Wirkung keineswegs verheerend. Und nur 70 Cent! Tja, ein vergessener Winkel ... Nur der Wirt handelte nach dem Motto "Kunde droht mit Auftrag".

Beim Pinkeln im Busch scheuchte ich zwei Hasen auf. Verstört rasten sie mir fast durch die Beine. Überhaupt sahen wir im Urlaub auffällig viele Hasen.

93km kamen doch noch zusammen, 25 Schnitt, 450 Höhenmeter, deutliche Restschmerzen in den Oberschenkeln von der gestrigen Langstreckenorgie und zwei zufriedene Rennfahrer.

Anschließend watschelten wir noch mit Lubos in die Altstadt. Lubos bekam den nächsten Allergieanfall, wir hätten mit dem Bus fahren sollen. Er erzählte uns anschließend viel über sein Land, die Korruption und seine Zukunftspläne. Denn schon 2004 wird die Zollkontrolle entfallen, und er verliert vielleicht seine Arbeit. Wie hoch die Arbeitslosigkeit ist, habe ich vergessen, aber auf jeden Fall niedriger als in Ostdeutschland. Die Slowaken verdienen im VW-Werk etwa 700-800 Euro im Monat. Das ist für Osteuropa sehr viel. Stundenlöhne von einem Euro und weniger sind in Tschechien keine Seltenheit - bei westdeutschen Unternehmen übrigens. Da kaufe ich lieber in Tschechien, um nicht gar so viele ausländische Zwischenhändler zu bereichern.

Die Lebensmittel in der Slowakei waren besser als in Tschechien: hervorragende Wurst (bei uns noch nie gesehen), Käse unbekannter Art, der berühmte Senf, Gebäck, Kuchen, sehr guten Joghurt, Wein, natürlich Bier ... also, man braucht wirklich nichts zu essen mitzunehmen. Insbesondere keine Müsliriegel :-)

Übrigens kann man Pudding auch mit einem Taschenmesser essen, wenn man einen Löffel vergessen hat. Der Eiskaffee war allerdings eklig aromatisiert (so wie oft in Tschechien), dafür hatte er einen Teleskop-Strohhalm, eine sehr praktische Idee.

30.4.2003

Sonne, wenige Schleierwolken, Pässetour! Naja, ein wenig übertrieben, aber sehr schön und nicht schlimm. Doch zuvor die Endfrage für einen erweiterten "Wer wird Millionär"-Quiz bei Günther Jauch: Welches Verkehrsdelikt ist auf slowakischen Straßen nicht üblich?

(a) Überschreitung des Tempolimits
(b) Springen zwischen den Spuren
(c) Blinken vergessen
(d) bei Rot über die Ampel fahren
(e) Fahren auf der Gegenspur (beim Überholen von 5 Lkws)
(f) Vorfahrt missachten
(g) abdrängen
(h) Telefonieren während der Fahrt
(i) Kinder unter 12 Jahren vorn sitzen lassen
(j) nicht anschnallen (auch Polizei)
(k) an Zebrastreifen durchdonnern

Natürlich ist das nur eine repräsentative Auswahl. Ich gebe es zu - die Auflösung ist schwer: (d) ist die richtige Antwort. Ja, tatsächlich, bei Rot halten die meisten an. Bratislava ist eben doch nicht Neapel. Dafür kommt man in Neapel als Fußgänger über die Straße, wenn man sie einfach betritt. Peter hatte ein raffiniertes System gefunden, auch in Bratislava die Straße zu queren, aber die Erklärung würde hier zu weit führen. So langsam kamen wir mit dem Verkehr klar und begannen zu glauben, dass wir den Freitag noch erleben würden.

Kurzum, wir fuhren wieder nach Devin, besichtigten ein nettes geologisches Museum in einem Steinbruch, wo die Erklärungen wie selbstverständlich auch in Deutsch und Englisch ausgeführt waren (ich borgte Peter meine SPD-Schuhe, damit er laufen konnte), und fuhren dann auf einem sehr guten Radweg längs der Marsch weiter nordwärts. Der war wunderschön und auf jeden Fall zu empfehlen. In Zohor rechts ab, wieder Lozorno und weiter nach Pernek (das war eigentlich die für Sonntag geplante Tour). Dort ging es hoch zum Sattel "sedlo baba". Der war aber genehm! 6km lang gleichmäßige 3-5% Steigung, dichter Buchenwald, kaum Wind. Oben ein Kiosk, danach eine herrliche 10km lange Abfahrt mit angeblich 40 Kurven. Naja, die Zählung war sehr eigenwillig und hörte in der Mitte auf, spielte aber keine Rolle. Die Kurven waren sehr gut angelegt, man konnte immer flott fahren, soweit man sie einsehen konnte - 40 km/h waren kein Problem. Der Pensionsbesitzer erklärte, auch er "wildere" vor allem in diesem Revier.

Pezinok, eine nette Stadt, und wir nahmen in einem guten Cafe Platz: Capuccino, Tiramisu, Obstsalat - schließlich war Urlaub. Windig ging es weiter nach Vinicne, rechts ab und (wie immer bei Gegenwind) über Slovensky Grob und Vajnory nach Bratislava. Im Zickzack durch die Stadt, wir fanden uns mittlerweile gut zurecht. Erstmals fuhren wir auch auf den Markt (Hlavni Namesti), eine freundliche Atmosphäre. Ich kaufte mir einen "Kunstgegenstand" - eine Osterhasen-Puppe, so blöd, dass ich sie einfach haben musste. Das Wetter wurde ziemlich trübe, es sah nach Gewitter aus.

Naja, waren doch noch 101 km geworden, gemächliche 23.7 Schnitt. Außer bei Peter, der immer 5% weniger als ich hatte. Die Frotzeleien deswegen gehörten zum guten Ton. Ich empfahl ihm Maßband und noch besser die Gebrauchsanleitung des Tachos - statt irgendwelcher komischer Teststrecken :-) Hätte Peter Recht, müsste wohl die gesamte Radwelt umgekrempelt werden, und das wäre nicht zu akzeptieren.

1.5.2003

In der Nacht war starker Sturm, aber es hatte vielleicht nicht geregnet. Der Wind hatte gedreht von Südost auf Nordwest. Warum? Damit wir wieder bei der Heimfahrt Gegenwind hatten. Wir fuhren die E75 ein wenig in Richtung Ungarn und bogen dann gleich links auf den Donauradweg ab. Das war die ideale Rennradautobahn: Fast kein Verkehr, vollkommen glatt und eben, und enormer Rückenwind. Es ging immer auf dem Damm entlang - links die Donau oder eher der äußerste Zipfel des Gabcikovo-Stausees, rechts Auenwälder. Überhaupt: Solche Auenwälder wie an Donau und Marsch (Morava) sah ich vorher noch nicht. Es war schon toll.

In Cunovo fuhren wir kurz falsch und landeten an der ungarischen Grenze, an der die gute Straße plötzlich endete. Bewachung war weit und breit keine zu sehen. Aber wir waren sicherlich von weither zu sehen :-)

Zurück ging es zur Straße parallel zum Damm, der offiziell gesperrt war. Ich hatte wohl noch nie vorher 20km so mühelos immer knapp über 40 km/h fahren können (wenn überhaupt). Von der Anstrengung her maximal GA2, also mit leicht beschleunigter Atmung. 5km vor dem Ende hatte ich plötzlich einen Platten, irgendetwas musste eine winzige Pore in den Reifen gepiekst haben. Die erste Panne seit 3000km, und auch diese damals war nur den Unmassen von Glasscherbchen auf dem Elbradweg nach dem Hochwasser geschuldet (nicht-Kevlar-Reifen wären damals wohl sofort zum Sieb geworden). Der Schnitt war von etwa 24 auf 32.4 gestiegen ...

Die Panne war nicht schlimm, der Dreck ging mit Wasser sehr gut ab, und wir bogen links nach Gabcikovo ab. Das war nach Cunovo der zweite große Damm mit großen Toren und mindestens einer riesigen Schleusenkammer. Bei Kantenwind zogen wir weiter bis Dunajska Streda. Die Ortschaften alle zweisprachig, die ungarischen Ortsnamen hingen unter den slowakischen. Das hätte es in Rumänien nicht gegeben, ich nehme den eingangs genannten Vergleich zurück. Generell machten die Orte einen recht guten Eindruck, vor allem die Stadt Dunajska Streda. Hier waren sogar die großen Plattenbauten in Ordnung, und es gab moderne, ansprechende Architektur dazwischen. Wir genehmigten uns Eis und Capuccino und fuhren nach kurzem Verhauer auf der 572 wieder zurück nach Bratislava. Der Wind kam zwar nun von vorn, doch es ging, und diesmal hatte ich keine 130km in den Beinen. Lästig war nur, dass die Asphaltstraße zuvor eine Plattenstraße gewesen war - es rubbelte noch ein bisschen. An den Verkehr hatten wir uns mittlerweile gewöhnt. Zumindest einer in der Stadt hatte wohl schon Maiglöckchennektar genossen, vielleicht sogar vergorenen :-)

Am Ende standen 123km mit 28km/h auf dem Tacho, ohne dass wir zu sehr erschöpft gewesen wären (ich hoffe, das galt auch für Peter :-). Interessant die Höhenmeter: Auf jeden Fall weniger als 150.

Wir zogen noch einmal in die Stadt. Hinter den Plattenbauten mit ausgewaschener Fassadenfarbe (das war alles einmal recht teuer gebaut worden im Vergleich zur DDR) eine Neuzeit-Investruine zum Verkauf. Hinter dem löchrigen Bauzaun ein Container, vor dem ein Obdachloser gerade Essen zubereitete ... Und trotzdem: Ich habe in Tschechien mehr wirklich arme Leute gesehen als in Bratislava oder in den Dörfern und Städten in abgefahrenen Umkreis.

Auf dem Rückweg kurz vor 21 Uhr bemerkte Peter, dass Leute mit Beuteln aus Richtung Aupark kamen. Wir brauchten eigentlich noch Brot. Aber um diese Zeit am Feiertag? Peter lief auch schnell los (er läuft nicht so gern), und tatsächlich machten wir 20.57 Uhr in der großen Kaufhalle (die nicht einmal teurer als andere war) noch ein Hochgeschwindigkeitsshopping. In slowakischer Manier - wir hatten uns inzwischen eingelebt - suchten wir einen neuen Heimweg auf Trampelpfaden hinter Leitplanken, über Eisenbahngleise und Wiesen. Manche Ecken erinnerten an russische Filme. Und doch liefen um diese Zeit in sehr dunklen Ecken viele junge Frauen allein nach Haus (keine dummen Bemerkungen bitte, das war nicht die Gegend dazu). Auch die jungen Leute, die uns begegneten (die Bevölkerung ist dort ausgesprochen jung) machte keinen bedrohlichen Eindruck. Zwar darf man sein Auto nicht einfach irgendwo stehen lassen, doch ansonsten kann ich mir nicht recht vorstellen, dass ein nächtlicher Spaziergang durch Bratislava gefährlicher wäre als einer durch das Zentrum von Dresden oder gar Berlin.

2.5.2003

Nun hatten wir schon fast alle Richtungen abgegrast. Mich interessierte noch eine Straße durch die Kleinen Karpaten. Lubos instruierte uns, wo man fahren kann und wo Hochwasser eine Straße völlig zerstörte. Die Straßen (auf der Karte weiß, also wenig bedeutend) sollten schlecht sein, aber noch per Rennrad befahrbar. Diesmal fuhren wir ab Devin, wo Polizei und Armee offenbar jemanden suchten - wir schienen nicht von Interesse zu sein -, den Morava-Radweg mit vielen Lehrtafeln recht gemütlich und kam zum Schluss wieder in Zohor heraus. Die Sonne lachte, der Wind war nicht besonders stark im Vergleich zu den Vortagen. Ab Lozorno hielten wir uns rechts in Richtung Kosarisko. Es war im Prinzip ein asphaltierter, steiniger Forstweg. Peter hatte nicht die rechte Lust und Angst um seine Reifen. Aber mein Vorderreifen hält schon seit 10.000km des öfteren solche und schlimmere Wege aus.

Ansonsten war die Gegend aber sehr schön - dichter Laubwald in der Sonne, ein Bach nebenan in felsigem Bett, totale Ruhe, nur die Vögel sangen laut. Es ging nur flach bergan. An einer Stelle bog ich zu zeitig links ab - das gab der Autoatlas nicht her (er ist ja keine Wanderkarte). Peter schimpfte über den Splitt, obwohl es genügend Asphaltspuren mit wenig Splitt gab. Nach einem Holzplatz wurde die ganze Angelegenheit aber doch zum echten Waldweg, und ich begriff, dass wir falsch waren. Also zurück und mit Mühe Peter überredet, die Straße doch weiter zu fahren (er hatte weder Handy noch Schlüssel mit). Es zog sich lang hin, bis wir schließlich auf einer Lichtung zwischen Bergen landeten, mit zahlreichen Bungalows in den Wäldern links von uns: Kosarisko. Ein idyllischer Fleck Erde. Für Bergsteiger zu brav, aber für Radfahrer ein gutes Ziel.

Ich verpasste den Abzweig nach links bergan (wer weiß, ob Peter noch zu überreden gewesen wäre). So erwischten wir die angeblich völlig zerstörte gelbe Straße, die sich jedoch fahren ließ. Es gab Schlaglöcher mit hohen Kanten und ein paar mal festgefahrenen Sand, dann wieder guten Asphalt. Wer in Tschechien fährt, überlegt sich, wo er Gas gibt, und hier war es nicht anders: Der Belag wechselte abrupt und ohne Vorankündigung. Auf einem neuen Straßenstück sah ich rechts über Kopfhöhe Asphaltbelag von der Seite - das war die ehemalige Straße. Überraschend zeigten sich hohe, felsige Wände.

Als die Abfahrt schon 10km statt 5km dauerte, schwante mir nichts Gutes - und unten kam das Schild "Stupava". Wir waren also wieder auf der Westseite abgefahren (angesichts der ständigen Serpentinen merkte man das nicht gleich). Nun gut, dann geht es eben wie gehabt zurück. Erst war ich es, der etwas zu zeitig abbog, dann schlug Peter eine Straße vor, die mir nicht so recht behagte und in einen asphaltierten, sehr holprigen Weg mündete. Zum Schluss kam wir wieder auf unserer Straße Devin-Zohor heraus. 95km, 23.6km/h und genug für diese Woche gefahren.

Abends nochmals in die Stadt getippelt, einen wunderschönen Bildband über die Slowakei gekauft (es gibt noch soviel zu entdecken in diesem Land - man sollte nur wissen, wo die Zigeunerdörfer sind), Lubos getroffen und zu wenig gegessen.

Bezahlen geht an vielen Stellen (in den großen Kaufhäusern sowieso) schon mit ec-Karte - pardon, Maestro-Karte -, teilweise auch in Euro (aber noch nicht so verbreitet wie in Tschechien), und Bankautomaten gibt es überall zu deutlich geringeren Gebühren als etwa der Abhebung mit Deutscher-Bank-Karte an einem Sparkassenautomaten in Deutschland. Viele reden Deutsch, Englisch scheint zuzunehmen (früher klappte das kaum), und alles wird sich wohl sehr schnell weiter verändern. Mehrsprachigkeit und Flexibilität sind ein Muss, außer vielleicht in deutschen Städten :-(

3.5.2003

Peter wälzte sich in der Nacht ständig hin und her und rannte öfters ins Bad. Es war aber auch sehr warm. Oder hatte sich der alte Haudegen zu sehr angestrengt ? ;-) Reisefieber? Ich muss mich mit einem mächtigen Schnarchkonzert gerächt haben, schlief jedoch genauso unruhig. 4.45 Uhr war die Nacht endlich vorbei, Lubos stand pünktlich unten, und er und Peter fuhren das "beschlagnahmte" Auto von der Zollbaracke holen. Alles lief reibungslos, nur von Brno bis Prag goss es aus allen Kannen. Urlaubsende! Dafür hatten wir nördlich von Prag traumhafte Fernblicke auf die unzähligen Vulkankegel und später auch auf die Sächsische Schweiz.

Also: Man kann auch in der Großstadt (370.000 Einwohner) Radurlaub machen. Es war auf jeden Fall ein sehr interessanter und eindrucksreicher.


Radtouren

1. Zum Sedlo Baba, ca. 100km

Von der linken Donauseite auf dem Radweg unterhalb der Fahrbahn der Hängebrücke auf die rechte Donauseite, dann längs des Flusses ungefähr 2km nach Westen, vorher allerhand Unterführungen und Ampeln. Wo die Straße einen markanten Knick nach rechts macht, links ab - vorher das schlecht sichtbar Schild "Devin" (i.a. ist die Ausschilderung, auch außerhalb der Ortschaften, sehr gut).

Nun diese Straße immer weiter längs der Donau bis nach Devin. Die Burg Theben linkerhand ist unübersehbar. Später rechts ein geologisches Museum, ein kleiner Steinbruch - empfehlenswert. Bei Gelegenheit links auf den Radweg mit Lehrtafeln, u.a. mit alten Grenzanlagen (ehemaliger Eiserner Vorhang). Herrliche Natur!

Immer konsequent auf dem Radweg bleiben (links haltend). Am Ende kommt man auf eine kleine Kreuzung mit Eisenbahnschranke. Dort links; die Straße wird an ein paar Stellen schlecht, ist aber noch leidlich befahrbar. Über Kreuzung hinweg und geradeaus nach Zohor, rechts (Schild) über Autobahn hinweg nach Lozorno (nach Brücke links, Schild). Auf 501 weiter bis Pernek, dort Richtung Pezinok hoch zum Sedlo Baba (bis 5%, 6km, sehr angenehm). Großartige Abfahrt weiter bis Pezinok.

Straße 503 nach SO bis Vinicne, rechts ab nach Slovensky Grob, Cerna Voda, Vajnory und immer auf dieser Straße bleibend (dreht sich nach Norden) bis zur vierspurigen 502, diese zurück in die Stadt.

Sehr empfehlenswerte Tour, nicht anstrengend. In Pezinok gute Einkehrmöglichkeit.

2. Brezina - Piestany, 230km oder mehr, 1100Hm

Wie Tour 1 bis Pernek, aber auf 501 immer weiter fahren über Kuchyna und Jablonica bis Brezova (ca. 100km). Dort rechts hoch nach Vrbove/Piestany (Schild), nur kurz 12%, sonst normaler, längerer Berg. Links oben das Monument Bradlo.

In Piestany (130km) über den Fluss und die 507 nach Hlohovec (sehr flache Wellen). Rechts ab Richtung Trnava (Schild) und dann entweder die 61 über Senec heim (sehr viel Verkehr) oder vielleicht (nicht getestet) erst einmal weiter bis Malzenice und dort auf der 504 links bis Trnava. Ebenso könnte man ab Trnava über Biely Kostol und Cifer ein großes Stück 61 sparen (wird aber länger).

Trotz der Länge eine sehr lohnende Tour; unbedingt die Zentren von Piestany und Trnava mitnehmen.

3. Dunajska Streda, 123km, fast 0 Hm

Die E75 kurz südwärts und sofort links auf den Donauradweg (Radautobahn mit Mittelstreifen, aber ohne Leitplanke :-). Wo der Weg geradeaus zum Sandweg wird, Straße links abbiegen (Fahrt über Wehr mit Toren) und immer auf dieser bleiben, 20km lang bis zum Abzweig nach Gabcikovo (großer Damm mit Schleusen). Auf 507 nordwärts bis Dunajska Streda, an großer Ampelkreuzung links auf 572 und diese über Lehnice zurück (etwas hoppelig).

Das Zentrum von Dunajska Streda ist interessant, gute Einkehrmöglichkeiten.

3. Über das Leithagengebirge, 93km, 400-500Hm

Zur Grenze Petrzalka/Berg, dann entweder die E58 bis an den Berg Königswarte heran (oben Betonturm, vermutlich ehemalige Abhörstation) und links ruhige Straße nach Berg, oder gleich beim Zoll links versteckten Radweg nach Berg. Dann: Edelstal - Prellenkirchen - Schönabrunn - Hollern - Röhrau, links nach Burg, dort rechts Richtung Wien. Am Ortsausgang links ab nach Wilfleinsdorf (Schild) und dort wiederum bei Einmündung links den Berg hoch in dichtem Wald, relativ flach. Abfahrt (Blick auf Neusiedler See), links auf stark befahrener Straße über Autobahn hinweg bis Parndorf. Die 10 rechts (Osten), nach Neudorf links ab, über Potzneusiedl nach Prellenkirchen und zurück nach Berg. Hier gleich geradeaus den Radweg direkt zur Grenze.

Gute Einkehrmöglichkeit z.B. an der Kellerstraße in Prellenkirchen (nach Ortsausgang Richtung Osten, nach der Senke). Langgezogene Wellen, alles sehr gemäßigt, nur etwas windgefährdet.

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