Ein Klick nach rechts: http://www.frederickkuehne.de

Es war an einem Sonntag. Abschalten war angesagt. An solchen Tagen rettet mich schon mal das Internet. „Klatsch und Tratsch“ in Bolls solingen-online, surfen auf scheinbar interessanten homepages - ohne Ziel, Sinn und Zweck. Irgendwie landete ich bei http://www.frederickkuehne.de und erfuhr, daß die Entwicklung des Rechtsextremismus in Deutschland zwar „unangenehm und besorgniserregend“, die Kampagne der Bundesregierung gegen rechte Gewalt jedoch „unangemessen“ sei, weil „die Presse in Deutschland jeden kleinsten Fensterscheibenbruch eines Rechtsradikalen unangemessen aufbauscht“.

„Mal sehen, was das mit 29 Jahren zweitjüngste Ratsmitglied der CDU noch so von sich gibt?“, dachte ich und entdeckte Kühnes Bekenntnis zur Mitgliedschaft im „CKDF“. Kannte ich nicht, diesen Verein, und während ich noch darüber nachdachte, was hinter diesem Kürzel stehen könnte (KDF für Kraft durch Freude und das C für christlich?) hatte meine Maus schon auf die von ihm empfohlenen Links geklickt. Neben der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitstechnik, der Soldatenseelsorge, Bundeswehr und NATO, sowie weiteren staatstragenden Organisationen, welche in die homepage des Verteidigungsministeriums gepaßt hätten, bei einem Mitglied der „Pampers-Fraktion“ auf den hinteren Bänken der CDU im Rat jedoch etwas peinlich wirken, erschien dann auch dieses CKDF als Christlich Konservatives Deutschland Forum. Ab jetzt führte jeder weitere Mausklick immer tiefer ins Gruselkabinett der Welt des Rechtsextremismus.

Von der Neuen Rechten bis Hitlers Leibarzt Dr. Morell

Das CKDF empfiehlt die Zeitung „Junge Freiheit“, die als Sammelbecken der „Neuen Rechten“ gilt und als Sprachrohr für NPD-, DVU- und Republikaner- Funktionäre wie Frey oder Schönhuber zur Verfügung steht. Außerdem „CRITICON“ ein Münchner Magazin, welches in der Grauzone zwischen nationalem Konservatismus und Rechtsextremismus angesiedelt ist. Das Blatt steht in der Tradition der von den REPs angestrebten neuen „massenwirksamen Rechtspartei“ und versteht sich als ein Bollwerk gegen den Liberalismus, sorgt sich um das biologische Potential „unseres Volkes“ und will einen Schlußstrich ziehen unter die Zeit des Nationalsozialismus (Astrid Lange: Was die Rechten lesen). „Wir selbst“, ein von „Jungen Nationaldemokraten“ gegründetes „nationalrevolutionäres“ Organ welches heute den wertkonservativen „Ethnopluralismus“ propagiert und damit im Klartext die Rassentrennung meint, gehört ebenfalls zu der von Kühne über das CKDF empfohlenen Lektüre. Fehlen darf auch nicht das „Ostpreußenblatt“, welches unter der Rubrik „Zeugen des Jahrhunderts“ die Helden der Nazis, wie Wilhelm Keitel (Chef des Oberkommandos der Wehrmacht), Karl Dönitz (Großadmiral und Oberbefehlshaber der Kriegsmarine), Alfred Jodl (Hitlers Chefberater), Dr. Morell (Hitlers Leibarzt) und Jagdflieger Adolf Galland glorifiziert.

JU, JU- Bayern, JU- Solingen

Und wie es im Netzwerk der äußersten Rechten so üblich ist, bedankt sich die CKDF für die Empfehlung des Jungen-Union-Mitgliedes Kühne ihrerseits mit einem Hinweis auf die Junge Union Solingen. Unter der Rubrik „sonstige interessante Links“ werden nur drei Junge Union (JU)-Organisationen aufgelistet: Die JU im Bund, die JU Bayern und die JU Solingen, welche als einziger Kreisverband der CDU-Jugend genannt wird. Also muß es da schon eine besonders innige Beziehung geben.

Auch die Kinder- „Füßchen-Kampagne: Marsch für das Leben“, welches durch Kühnes Homepage als Trailer läuft, findet sich bei der CKDF wieder. Neben zahlreichen esoterischen „Lebensrechtsgruppen“, welche an die faschistische Lebensborn-Ideologie anknüpfen, verkündet da die Aktion Leben e.V.: „Abtreibung, Schwangerschaftsabbruch oder Schwangerschaftsunterbrechung ist die vorsätzliche Tötung eines nicht geborenen Menschen. Objektiv erfüllt das den Tatbestand des Mordes!“ Die Begriffe Euthanasie und Abtreibung werden unterschwellig in einen Zusammenhang gebracht und  Homosexualität wird als „eine der schrecklichsten Sünden der Welt“, „eine Sünde wider die Natur“ und „objektive Unordnung“ beschrieben.

AusländerInnen dürfen bei dieser Hatz auf Minderheiten und Andersdenkende natürlich auch nicht fehlen. Mit Hinweis auf den Artikel 8 Abs.1 Grundgesetz wird gefordert, daß nur „alle Deutschen“ das Recht haben, sich zu Demonstrationen zu versammeln. Mit der populistischen Forderung „Demo-Transparente nur in Deutsch“ wird damit quasi ein generelles Verbot für AusländerInnen, sich an Demonstrationen zu beteiligen, gefordert.

Erika aus Tameswar

Ebenfalls dabei sind natürlich auch die ganzen Landsmannschaften und Vertriebenenverbände. Auf der Seite der Banater Schwaben bietet da zum Beispiel die Ungarin Erika aus Tameswar ihre Paarungsbereitschaft mit einem (deutschen) Mann (bis 35) an, denn sie spricht „etwas deutsch“, ist „29/165/56kg, braunhaarig, huebsch und treu“. Dieser Gästebucheintrag lockert die Diskussion der Bannater Schwaben über den Ursprung ihrer Hymne auf, welche sich in der Blut-und-Boden-Terminologie folgender maßen darstellt: „Fern vom Land der Ahnen ziehen wir durch die Welt, unter tausend Fahnen wie es Gott gefällt. Ist uns auch entschwunden unser Ahnen Land, hält uns doch verbunden deutsches Blutes Band“.

Das braune Netzwerk: Von Weikersheim über Kissel, von nationalkonservativen Wirtschaftsführern bis Schloß Burg

Eine weitere Verbindung zwischen dem „jungen Wilden“ Kühne, der JU, CDU und CKDF ist Filbingers Studienzentrum Weikersheim. Dort tummeln sich solche „ gerngesehene Gäste“ wie Prof. Dr. Schmidt-Kaler, ein Führungsmitglied des Collegium Humanum, welches 1984 ein „Seminar über Umweltfragen und Naturreligionen“ veranstaltete, das der NRW-Verfassungsschutz als Besprechungstreffen des „Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers“ enttarnte. Der rassistische „Bevölkerungswissenschaftler“ Schmidt-Kaler und sein Collegium Humanum ist personell und adressenmäßig mit dem „Weltbund zum Schutz des Lebens“, sowie der „Gedächtnisstätte für die Opfer des Zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern“ verflochten. In der Gedächtnisstätte ... ist Kissel zahlendes Mitglied. Für den 12. November 1994 lud dieser Verein in den Räumen der Firma Kissel/Rapid zur Hauptversammlung ein. Über Kissel und dessen enge Verbindung mit der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“, welche als eine Sammelstelle für NS- belastete SchreiberInnen fungiert, führt die Spur wieder zurück zum Studienzentrum Weikersheim. Prof. Bernard Wilms, einer der wichtigsten Theorielieferanten der Neuen Rechten referierte sowohl bei der Gesellschaft als auch im Studienzentrum. Eine weitere Verbindung von Kissel zum Studienzentrum Weikersheim existiert über die „Düsseldorfer Herrenrunde“, welche „nationalkonservative Wirtschaftsführer“ (Junge Freiheit) nicht nur zum finanziellen Nutzen von Republikanern, NPD und Bund Freier Bürger zusammenbringt. Der inoffizielle Vorsitzende der Herrenrunde ist Prof. Carl Zimmerer, ein international renommierter Börsenspezialist. Er gründete zusammen mit Walter Scheel die Düsseldorfer Interfinanz Gesellschaft und ist oder war im Beirat der Schmalenberg Gesellschaft tätig. In dieser „Gesellschaft für Betriebswirtschaft w. V., Köln- Berlin“ ist zufällig ( ? ) auch Fredrick Kühnes CDU- Fraktionsvorsitzender Andreas Oliver Koch Mitglied. Koch werden enge persönliche Kontakte mit Kissel nachgesagt. Ein von Zimmerer hoch gelobter nationaler Autor ist Karl Steinbruch, Kuratoriumsmitglied von Filbingers Studiumszentrum Weikersheim. Seine Theorien verbreitet die schon erwähnte Zeitschrift Criticon. Gemeinsam mit dem NPD-Chef Günter Deckert veröffentlichte er eine Broschüre über das „Asylantenproblem“. Ein weiterer Solinger, der zu den ständigen Teilnehmern der Herrenrunde gehört, ist der Heilpraktiker Wolfgang Frenz. Frenz war stellvertretender Landesvorsitzender der NRW- NPD, Mitglied der Parteizeitung Deutsche Stimme und im Parteivorstand der NPD.

Holocaust-Leugner und Hitlerverehrer Generalmajor a. D. Otto Ernst Remer hat auch Kontakt sowohl zur Herrenrunde als auch zu Kissel. Eine Frau berichtete in der Publikation „Recht und Wahrheit“ darüber, wie Herr Kissel ihr ein Telefongespräch mit Remer vermittelte. Besagte Frau war auch Mitglied der Arbeitsgruppe „Gedenkstätte des deutschen Ostens auf Schloß Burg“ im NRW- Landtag und stellvertretende Landesvorsitzende der Pommerschen Landsmannschaft. 1995 enthüllte sie auf Schloß Burg feierlich eine Ernst- Moritz-Arndt-Büste und wählte dazu die Worte: „Und gib uns rechten deutschen Mut, daß wir es lieben treu und gut. Das soll es sein! Das ganze Deutschland soll es sein“ (Ostpreußenblatt 18.12.1995).

Es sollte so ein ruhiger, nicht aufregender Sonntag werden und jetzt war ich mitten drin in diesem braunen Netzwerksumpf zwischen CDU und Alter- wie Neuer Rechte. Fredrick Kühne ist da sicherlich ein „kleines Licht“ und weiß eventuell auch vollumpfänglich (?) gar nicht, was er da alles auf seiner Homepage hat. Nur irgendwo muß er das ja her haben.

Frank Knoche

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