Radiowerkstatt: Unbequemer Kritiker entlassen!

Helgo Ollmann, dem Betreuer der Radiowerkstatt der VHS, wurde zum Ende März 2001 seitens der VHS ohne Angabe von Gründen das zeitlich nicht befristete Dienstverhältnis gekündigt. Ollmann ist seit Ende der 70er Jahre aktiv für Bürgerbeteiligung an der Mediennutzung eingetreten und schrieb in den Solinger Stadtzeitungen Solinger Volksblatt, TARANTELLA und tacheles zahlreiche Artikel zu Geschichte, Möglichkeiten und Zukunft von demokratischer Medien- und insbesondere Radionutzung. Heute hat er einen Lehrauftrag an der FH Düsseldorf zum Thema Medien.

Er hat ca. zehn Jahre lang die Bürgerfunkgruppen in der Radiowerkstatt der VHS betreut, die Technik gemanaged und medienpädagogische Projekte mit Schulen, Kindertagesstätten und Jugendgruppen durchgeführt. Auch die Koordination des Bürgerfunks mit den anderen Radiowerkstätten im Verbreitungsgebiet Solingen/Remscheid wurde von ihm geleistet.

Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass es entgegen der ursprünglichen Verwaltungsplanung nach dem Umzug der VHS aus der Flurstraße in die Clemensgalerie überhaupt noch die Radiowerkstatt der VHS gibt: Auf seine Intervention hin protestierten SPD, CDU, Grüne und FDP in der Sitzung des Kulturausschusses vom 26.1.1999 gegen den Plan, die eigenständige VHS-Radiowerkstatt ganz einzustellen.

Helgo Ollmann wies beharrlich auf bauliche Mängel der geplanten Radiowerkstatt in der neuen VHS hin: Unzureichende Schallschutzfenster, beim Einbau des Fußbodens wurden durch fehlerhafte Bauausführung Schallbrücken erzeugt, es gab Streit um den Standard der technischen Einrichtungen.

Dazu passt eine Presseerklärung vom 16.2.2001 in der Der Bergische Pitter, Lothar Birkenstock beklagte, dass die 88. Sendung dieser Bürgerfunkreihe “auf Grund der unqualifizierten Durchführung der Einrichtung des Bürgerfunkstudios” in der Clemensgalerie nicht produziert werden konnte. Der Bergische Pitter schreibt weiter: “Inzwischen steht auch der langjährige technisch zuständige freie Mitarbeiter nicht mehr zur Verfügung, weil ihm ohne Angaben von Gründen der Vertrag gekündigt wurde. Die produzierenden Bürgerfunkgruppen stehen im Regen und sollen von Fall zu Fall mit ortsfremden, sporadisch eingesetzten Technikern z. B. aus dem Düsseldorfer Raum abgespeist werden.”

Die bei der Einweihung und Eröffnung der Clemens-Galerien Ende April 2000 noch fehlende Radiowerkstatt ist nach Angaben der VHS-Leitung jetzt endlich nutzbar. Allerdings ohne die Betreuung von Helgo Ollmann. Es entsteht der Eindruck, dass hier ein sehr engagierter aber unbequemer Mitarbeiter abgestraft und kaltgestellt wird.

Thomas Blos

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