Flüchtlingsheime:

„Der Standard ist zu hoch“

In der letzten Sitzung des Sozialausschusses im Juli diesen Jahres kündigte die Verwaltung an, es sei in Zukunft schwierig, den Standard bei der Unterbringung von AsylbewerberInnen zu halten.

Diese Mitteilung stößt auf Verwunderung, zumindest auf Nachdenklichkeit. Denn bei genauerem Hinsehen fragt sich der Beobachter, von welchem ”Standard” hier die Rede ist.

Blicken wir noch mal zurück: Bereits im Mai 2000 stellte die SPD nach der Besichtigung des ”Wohn”heimes Allgäustr. einen Antrag auf familiengerechte Unterbringung der Flüchtlinge. Seitdem hat sich nicht viel verändert.

Zum Beispiel: In der Allgäustraße leben z.Zt. 83 Personen, die den verschiedensten Kulturen und Religionen angehören. Die Familien leben in bedrückender Enge: sie sind mit bis zu 5 Personen auf Zimmern von bis zu 25 qm, die als Schlaf-, Wohn-, Eß- und Aufenthaltsraum für Erwachsene und Kinder dienen. (Kleine Anmerkung am Rande: Die Vorschrift für Hundehaltung sieht 8 m2 pro Hund vor.) Mehrere Familien teilen sich Küche und Sanitärräume.

Bei den Flüchtlingsfamilien kommen neben der Ghettoisierung noch andere Schwierigkeiten wie z. B. soziale Entwurzelung, Isolation durch Sprachschwierigkeiten etc. hinzu.

Unter diesen Bedingungen leben viele Familien schon seit Jahren.

Ganz schwierig ist es für die Kinder und Jugendlichen, die 50% der Bewohner/innen ausmachen. Ihnen fehlt der Platz zum Spielen, zum Toben, zum Hausaufgabenmachen. Ganz zu schweigen von Beschäftigungsmaterial und dem Kontakt zu Gleichaltrigen, also jede Voraussetzung für eine normale und kognitive Entwicklung, von den Bedingungen für eine normale ”Schülerkarriere” ganz zu schweigen.

Hilfestellungen erhalten alle diese Familien kaum. Es gibt ganze 4 Sozialarbeiter/innen für die 754 Solinger Flüchtlinge (!). Und selbst wenn diese sozialpäd. Angebote machen wollen, haben sie noch mit den Bedingungen zu kämpfen, da die tlw. fehlenden  Gemeinschaftsunterkünfte solche Aktivitäten wie Hausaufgabenbetreuung oder einen Frauentreff oft nicht zulassen.

Das ist also der Standard, den die Verwaltung nicht mehr halten kann.

Wenn die Verwaltung hier mit dem Sparzwang argumentiert, so ist selbst diese Äußerung vorsichtig zu beurteilen und auf ihren Gehalt hin zu prüfen. Sicherlich sind Unterbringungs- und Sozialhilfekosten hoch. Aber: Zahlt die Stadt Solingen wirklich so viel für die Flüchtlinge, wie immer behauptet wird? Immerhin erhält die Stadt für jede/n Asylbewerber/in (auch für die Kinder) eine Monatspauschale von 675 DM.

Zum Vergleich: die Hilfe zum Lebensunterhalt (die die Stadt Solingen zahlt) für einen Haushaltsvorstand, beläuft  sich auf  360 DM, für ganz kleine Kinder zahlt die Stadt 220  DM. Rechnen wir dazu mal Mietkosten von 300 DM pro Person (bei einer vierköpfigen Familie wäre das eine Gesamtmiete von 1200 DM für eine Einzimmerwohnung, aber immerhin müssen ja noch Verwaltungskosten und die vier Sozialarbeiter/innen bezahlt werden), so ergeben sich  geschätzte maximale Kosten von 660 DM pro Person.

Wirklich Zeit, den Standard zu senken.

Nasser Firouzkhah

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