Man kennt sich
“Ich kenne Günther Kissel nicht, aber schon immer habe ich seinen Mut bewundert, als er zu Lebzeiten von Rudolf Hess für dessen Freilassung eintrat...”, schrieb Wolfgang Frenz in einem Leserbrief im Solinger Tageblatt vom 26.11.88. Eine Lüge, wie die tacheles (Ausgabe 24, Winter 2001) enthüllte. In einem Gespräch mit dem Tageblatt-Redakteur Hans Peter Meurer (ST 29.01.02) gab er dann auch zu, dass Günther Kissel ihn in die “Düsseldorfer Herrenrunde” eingeführt habe.
Der “Auschwitzleugner, Volksverhetzer und rechtsextremistische Drahtzieher” Kissel wiederum vermied es ebenfalls, seine Kontakte zu Hardcore Nazis wie Wolfgang Frenz zu benennen. Jetzt wehrte er sich in einem Leserbrief in der Solinger Morgenpost gegen die Grünen, die “damit beschäftigt” seien “dem Image Solingens laufend durch Negativberichte zu schaden.” “Als Solinger kannte ich Frenz, auch als Heilpraktiker. Ist das verboten?” Im selben Leserbrief vom 7. Februar 2002 bestätigt er, der Herrenrunde “bis voriges Jahr im Vorstand” angehört zu haben. (Siehe auch: „Was ist die Düsseldorfer Herrenrunde“). Bernd Wilz, der Solinger CDU-Abgeordnete im Bundestag pflegt auch innige Kontakte mit Kissel. Als der größte Solinger Bauunternehmer und erst kürzlich wiedergewählte Obermeister der Bauinnung sich weigerte, einem Ratsbeschluss zu folgen und die von ihm gebauten, öffentlich subventionierten Seniorenwohnanlagen nach Solingens israelischer Partnerstadt Ness Ziona zu benennen, blieben die drei offiziellen Bürgermeister aus Protest der Einweihungsfeier fern. Wilz jedoch trat dort demonstrativ als Festredner auf und verkündete die “alternative” Namensgebung “Haus Dresden”.
Dem Sprecher der CDU-Ratsfraktion Andreas Oliver Koch werden ebenfalls enge persönliche Kontakte zu Kissel nachgesagt. Er hat das bis heute weder bestätigt noch dementiert. Holocaust-Leugner und Hitlerverehrer Generalmajor a. D. Otto Ernst Remer hat auch Kontakte sowohl zu Kissel als auch zur Düsseldorfer Herrenrunde wie zur CDU. In der Publikation “Recht und Wahrheit” berichtete eine Frau, die als Mitglied der Arbeitsgruppe “Gedenkstätte des deutschen Ostens auf Schloß Burg” im NRW-Landtag und stellvertretende Landesvorsitzende der Pommerschen Landsmannschaft fungierte, wie Herr Kissel ihr dankenswerter Weise ein Telefongespräch mit Remer vermittelte.
Als Kissel ( “Die Waffen SS ... hat den höchsten Blutzoll im Kriege zahlen müssen. Es ist beschämend wie das Vaterland dies nach dem Krieg gedankt hat.” Morgenpost-Leserbrief 28.6.79) den Auschwitzleugner David Irving zu einem Vortrag in seine Werkshalle nach Solingen holte, konnte er unter den Gästen zahlreiche prominente Solinger aus Wirtschaft und Politik, darunter mindestens vier Ratsmitglieder der CDU, begrüßen.
Man kennt sich eben in Solingen. Nur sprechen darf man nicht darüber. Das wäre Nestbeschmutzung.
Frank Knoche