Biopiraterie - Nachbaugebühr nimmt Bauern die Saat

Schon Fürsten und Ritter erpressten von Bauern einen Teil der Ernte. Heute fordern die Produzenten von Saatgut ihren Teil, denn sie haben sich die Rechte auf bestimmte Sorten angeeignet. Die Macht der Konzerne über die wichtigsten Kulturpflanzen gefährdet die Nahrungsmittelversorgung.

Seit Beginn der Landwirtschaft behalten die Landleute einen Teil ihrer Ernte, um in der kommenden Saison wieder auszusäen. Was auf den Feldern wächst gehört ihnen, sollte man meinen. Doch was Jahrtausende lang Grundlage der menschlichen Ernährung war, wird durch die Hersteller von Saatgut in Frage gestellt, denn seit einigen Jahren werden so genannte Nachbaugebühren gefordert. Landwirte müssen nun jedes Jahr an den Züchter des Saatgutes zahlen, auch wenn die Samen auf seinen eigenen Feldern gewachsen sind. Um das zu kontrollieren, werden die landwirtschaftliche Betriebe auch gleich gezwungen den Herstellern alles mitzuteilen, was mit dem Anbau verbunden ist. Sie liefern sich damit den Agrarkonzernen völlig aus.

Die Grundlage der Nachbaugebühren ist die züchterische Leistung im Saatgut, die der Bauer im Fall der Nachzucht mehrmals nutzt aber nur einmal zahlt, so der "Bund Deutscher Pfanzenzüchter" (BDP). Eine ungeheure Dreistigkeit, wenn man bedenkt, dass die Sorten von vielen Generationen Bäuerinnen und Bauern gezüchtet wurden, bevor eine dieser Firmen überhaupt existierte. Den möglichen Profit möchten sich die Hersteller aber nicht länger entgehen lassen - zumal er einen direkten Einblick in die Anbaumethoden mit sich bringt und weitere Schritte ermöglicht. Zunächst werden aber nur Gebühren auf die Nachzucht in größerer Menge erhoben. Beim Getreideanbau wird ab einer Größe von 17ha die Gebühr fällig, bei Kartoffeln liegt die Grenze bei 5ha. Die langfristigen Folgen der Nachbaugebühren und der mit ihnen verbundenen Kontrolle des Anbaus durch Konzerne sind jedoch vielfältig und gefährlich.

Patente ersetzten Feuer und Schwert

In Verbindung mit patentierten und gentechnisch veränderten Pflanzen kündigt die Nachbaugebühr das Ende der Landwirtschaft in ihrer heutigen Form an. Konzerne greifen nach dem Ursprung der Ernährung selbst; sie versuchen über das Saatgut die Grundlage der Produktion von Lebensmitteln an sich zu reißen. Das mag zunächst absurd klingen, schließlich sind etwa 10.000 bis 50.000 Pflanzen essbar. Der Mensch nutzt aber nur 150-200 Arten systematisch, und 30 Arten produzieren allein 95% der gesamten pflanzlichen Nahrung. Eine überschaubare Zahl - und ein gigantischer Markt. Die gesetzlichen Grundlagen zur kommerziellen Ausbeutung wurden in den letzten Jahren nahezu unbemerkt geschaffen. Durch Erweiterung des Patentrechts und internationaler Abkommen (GATT, TRIPS) wurden die Rechte einzelner Eigentümer auf Kosten der Allgemeinheit ausgedehnt. Das große Sammeln, Manipulieren und Patentieren von Sorten hat begonnen und trägt erste Früchte: Durch die Manipulation von Genen wurden Pflanzen geschaffen, die sich nicht mehr vermehren können, eine Nachzucht also ausschließen. Bauern und Bäuerinnen bleiben so auf den Konzern angewiesen, da auf den Feldern für Jahre auch nichts anderes mehr gedeiht. Andere patentierte Sorten breiten sich unkontrolliert aus, woraufhin unbeteiligte Farmer für Pflanzen zahlen sollen.

Der Fall Percy Schmeiser

Für diese Risiken und Nebenwirkungen gibt die Strategie der Firma Monsanto ein gutes Beispiel. Das von ihr produzierte Gift Roundup killt normalerweise alles auf dem Acker, Wildkraut einschließlich Nutzpflanze. Damit die Landwirtschaft dieses tödliche Potential auch nutzen kann, wurden Pflanzen genetisch angepasst. Herausgekommen ist der Raps "Roundup Ready" und das Gift "Roundup Ultra". Pflanze und Gift funktionieren nur zusammen und garantieren so seit einigen Jahren gute Umsätze. Der kanadische Farmer Percy Schmeiser wollte von dieser Art Anbau nichts wissen und baute seinen Raps weiter konventionell an. 1998 fanden "Gen-Spione" Monsantos jedoch "Roundup Ready" auf seinen Feldern. Die Saat war durch Pollenflug im Jahr zuvor verunreinigt worden. Prompt verklagte Monsanto den Farmer auf die Zahlung von Lizenzgebühren, obwohl Percy Schmeiser nie diese Sorte anbauen wollte. Der Fall wurde vor mehreren Instanzen verhandelt, bis die obersten Richter im letzten Jahr zugunsten Monsantos entschieden. Percy Schmeiser kam glimpflich davon: Er musste keine Lizenzgebühren zahlen, da ihm kein Vorteil nachgewiesen werden konnte.

Der Fall Cupuaçu

Die Bauern im Süden des Kontinents trifft es härter. Nur wenige haben dort die Möglichkeit, sich gegen die Forderungen der Konzerne zu wehren. Für die einfachen Selbstversorger stellen Nachbaugebühren daher eine existenzielle Bedrohung da. Aber die Konzerne beschränken sich nicht auf "ihre" Züchtungen. Sie sind schon seit Jahrzehnten in den Ökosystemen auf der Jagd nach allem, was sich vermarkten lässt. Dabei nutzen die Scouts der Konzerne das Wissen der Ureinwohner nur zu gerne - ohne ihre Hilfe hätten sie auch kaum eine Chance, in der Fülle des Regenwaldes nützliche Substanzen in Pflanzen, Pilzen oder Tieren zu finden. Verspricht eine Substanz Profite, wird ihre Nutzung auf der Grundlage internationaler Gesetze geschützt. Anschließend wird Ureinwohnern das Recht abgesprochen, ihre traditionellen Pflanzen zu vermarkten.
Traditionell verwenden die Ureinwohner Brasiliens die kakaoähnliche Pflanze Cupuaçu. Unter diesem Namen dürfen sie seit 1998 aber keine Produkte mehr handeln, da die japanische Asahi Co. ihn als Warenzeichen hat schützen lassen. Dieselbe Firma hat nun Patente auf die Herstellung von Fetten und Ölen aus der Pflanze beantragt. Sollten sie damit durchkommen, wäre allen anderen die Weiterverarbeitung der Rohmaterialien untersagt. Den Menschen in Brasilien wäre nicht nur der traditionelle Name genommen, sie dürften die Pflanze überhaupt nicht mehr nutzen. Ihnen bliebe nur der Kauf einer Lizenz von der Ashai Co. oder der Export nach Japan, wo die Weiterverarbeitung zu Süßigkeiten und Kosmetikartikeln aus den Samen bereits angelaufen ist. Die Gewinne macht dabei die Ashai Co. mit der Weiterverarbeitung und dem Handel, während den Bauern in Brasilien, wie in Zeiten des Kolonialismus, nur der Export von Rohstoffen erlaubt ist.

GATT: General Agreement on Tariffs and Trade (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) TRIPS: trade related aspects of intellectual property rights (handelsrelevante Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums) Die Informationen wurden größtenteils der Internetseite der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie entnommen. www.biopiraterie.de

sj

Kampagne gegen Biopiraterie

Die Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) formuliert im Rahmen der Kampagne folgende Forderungen und Alternativen:
  • Erhalt traditioneller BäuerInnenrechte.
  • freier Nachbau, freier Saatguttausch, Züchtung eigener Sorten.
  • Alte Landsorten müssen wieder zugelassen und ausgesät werden, um die Sortenvielfalt auf den Feldern zu erweitern!
  • Förderung der ökologischen und gentechnikfreien Landwirtschaft!
  • Stopp der Privatisierung von kollektiven Gütern: Keine Patente auf jegliche Form von Natur!
  • Keine Nachbaugebühren! Stopp der Biopiraterie!
BUKO Kampagne gegen Biopiraterie, c/o BUKO Agrar Koordination, Nerstweg 32, 22765 Hamburg

 

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