Hermann Weber, der KPD-OB von Solingen

Der Historiker Hermann Weber (nicht verwandt oder verschwägert) hat ein neues Buch über politische Opfer des Stalinismus in der deutschen Arbeiterbewegung herausgegeben. Darin wird auf den Seiten 843 und 844 auch der am 25. März 1930, mit einer Mehrheit von 27 Stimmen der KPD, KPO und SPD gegen 25 bürgerliche Stimmen zum Oberbürgermeister gewählte Unterbezirkssekretär der KPD Hermann Weber erwähnt. Aus der Kurzbiographie geht weiter hervor, dass Weber vor dem I. Weltkrieg nach Barmen kam, 1906 Mitglied der SPD war, 1917 zur USPD übertrat und 1921 hauptamtlicher Sekretär des Unterbezirks Barmen der KPD wurde. Als Anhänger der linkssektiererischen “Neumann-Gruppe” wurde der vor allem für Gewerkschaftsfragen zuständige, 1931 als Mitarbeiter in das Zentralkomitee nach Berlin berufene Hermann Weber Mitte 1932 aller seiner Funktionen enthoben. Im August 1932 übersiedelte er in die Sowjetunion, seine Familie folgte ihm Mitte Januar 1933. In Odessa lebend nahm er Anfang Januar die sowjetische Staatsbürgerschaft an. Mitte 1937 wurde er vom stalinistischen Geheimdienst verhaftet und der “faschistischen Agitation” angeklagt. Obwohl er sich wahrheitsgemäß für “nicht schuldig” erklärte, wurde er am 16. Dezember 1937 erschossen. Seine Frau Else Weber wurde 1937 ebenfalls inhaftiert, danach mit dem in Odessa geborenen Sohn Werner nach NS-Deutschland ausgewiesen. Das Schicksal des Solinger KPD-Oberbürgermeisters, der in seinem Amt von der vorgesetzten Landesbehörde nicht bestätigt und durch einen sozialdemokratischen Kommissar ersetzt wurde, galt in der westdeutschen (D)KP bis Ende der 80er Jahre als ein streng gehütetes Parteigeheimnis, welches erst mit der Öffnung der Archive in der Gorbatschow-Zeit nicht mehr verschwiegen werden konnte. Die Solinger Stadtzeitung der DKP “Klingenstadt” enthüllte allerdings 1988 als erste, dass Hermann Weber, wie viele andere Kommunisten, dem stalinistischen Terror zum Opfer fiel.

Frank Knoche

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